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Zustiftung bringt dem Medienarchiv Bielefeld 30.000 alte Kinofilmprogramme ein

Cary Grant trifft Zarah Leander

Bielefeld (WB). Kurz vor Weihnachten hat das Medienarchiv Bielefeld eine wertvolle Zustiftung erhalten: Stiftungschef und Medienarchivar Frank Becker freut sich über den Eingang einer umfassenden Sammlung an Kinofilmprogrammen aus den 1920er bis 1960er Jahren. Es sind rund 30.000 Exemplare.

Markus Poch

Optische Vielfalt: Die mittlere Reihe mit Zarah Leander (»Der Blaufuchs« und »La Habanera«) zeigt einige größere Filmprogramme der Vorkriegszeit. Die Reihen oben und unten mit Heinz Rühmann (»Briefträger Müller«) oder Romy Schneider (»Ein Engel auf Erden«) sind Beispiele für jüngere, kleinere Ausgaben. Foto: Markus Poch

Das Material stammt aus dem Nachlass des 2015 im Alter von 89 Jahren verstorbenen Bielefelders Bodo Gaus. Der Gründer und langjähriger Betreiber des Mercator-Filmverleihs hatte es überwiegend auf Sammlerbörsen erstanden. Nach Auflösung der Besitztümer seines Vaters hat Dieter Gaus (67) die Sammlung jetzt an den seit vielen Jahren mit der Familie Gaus befreundeten Brackweder Frank Becker übergeben. Es geht um nicht weniger als 180 prall gefüllte Aktenordner, in denen die Filmprogramme einzeln und alphabetisch in Klarsichtfolien abgeheftet sind.

Informationen zur Filmmusik

Deutsche und internationale Filmstars wie Romy Schneider, Caterina Valente, Heinz Rühmann, Cary Grant, Burt Lancaster, Zarah Leander, Hans Moser oder Peter Weck blicken verführerisch von den Titeln der dünnen Faltblätter. Wer früher ins Kino ging, bekam meistens die Gelegenheit, ein solches Programm zu erwerben, um das anstehende Filmerlebnis genussvoll vor- oder nachzubereiten. Für 20 Pfennig gab es schon zu Stummfilmzeiten ein vier- oder achtseitiges Exemplar mit typischen Aushangfotos der Schauspieler, mit Inhaltsangabe, Besetzungsliste und oft auch Informationen zu den im Film gespielten Musiktiteln.

Die Programme wurden von eigenständigen Verlagen wie der Illustrierten Filmbühne oder dem Progress-Filmprogramm (DDR) in Millionenauflagen vertrieben, anfangs im so genannten Folioformat, also etwas größer als heute DIN A4. Nach dem Krieg verständigten sich die Verlage auf ein leicht verkleinertes DIN-A4-Format. Gedruckt waren sie meistens zweifarbig, aber in diversen Farben getont. Sporadisch gab es auch vierfarbige Ausgaben, zum Teil mit mehr Seiten. Sie kosteten später 50 Pfennig.

Sammlung bleibt in Bielefeld

Der aktuelle Wert einzelner Stücke variiert sehr stark. »In Sammlerkreisen werden Filmprogramme je nach Zustand zwischen einem und 70 Euro gehandelt«, sagt Frank Becker. Besonders alte oder seltene Exemplare würden im Internet gar für mehr als 200 Euro angeboten. »Ob die aber jemals einer kauft«, weiß Frank Becker nicht. Der Chef des Medienarchivs, weil erst 57 Jahre alt, hat die Zeit der Faltblätter selbst nicht miterlebt. Er sieht die Zustiftung aber auf jeden Fall als »ergänzenden Baustein für unsere kinematografische Sammlung«.

Die Stiftung mit ihren gut 100.000 Filmrollen seit 1912, dazu Projektoren, Schnitt- und Tontechnik, umfangreichem Zubehör, Filmplakaten, Werbematerial und Fachliteratur gilt inzwischen als größte private Film- und Tonsammlung Deutschlands.

Kinofilmprogramme waren im Fundus des Medienarchivs bislang kein großer Posten. Einige hundert Exemplare stammten aus mehreren privaten Schenkungen. Die große Zustiftung bekam Frank Becker nun auch deshalb, weil es Dieter Gaus wichtig war, dass die Sammlung seines Vaters in Bielefeld bleibt.

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