1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Bielefeld
  6. >
  7. Clausen diskutiert nicht mit AfD-Kandidaten

  8. >

Wahlkampfveranstaltung abgesagt – Kritik an Nähe zu Höcke und Kalbitz

Clausen diskutiert nicht mit AfD-Kandidaten

Bielefeld (WB/mdel). Ärger um AfD-Oberbürgermeister-Kandidat Florian Sander: Weil er am Freitag bei einer Kandidaten-Diskussion des Bielefelder Seniorenrates mit auf dem Podium sitzen sollte, hat OB Pit Clausen (SPD) seine Teilnahme abgesagt.

OB Pit Clausen will sich nicht mit dem AfD-Kandidaten Florian Sander an einen Tisch setzen. Foto: Thomas F. Starke

Weil sich auch weitere Kandidaten nicht mit dem AfD-Mann an einen Tisch setzen wollten, sah sich der Seniorenrat im Laufe des Nachmittags gezwungen, die Veranstaltung abzusagen.

In einer Mitteilung des städtischen Presseamtes erläutert der OB den Grund für seine Absage: „Auf dem Podium soll auch der Kandidat der AfD sitzen und der hat sich jüngst in einem Interview als ‚Sozialpatriot‘ bezeichnet und als Fan der Herren Höcke und Kalbitz gezeigt“, so Clausen.

„Bei Lesen ist fast die Milch im Kaffee sauer geworden“

Im Interview mit dem WESTFALEN-BLATT hatte Sander berichtet, dass er mal eine Rezension über das Buch von Björn Höcke geschrieben habe, und das sei eine sehr positive Rezension gewesen. Das habe inhaltliche Gründe, weil er sich sehr dem sozialpatriotischen Flügel der Partei zugehörig fühle.

Ihm sei beim Lesen der Zeitung fast die Milch im Kaffee sauer geworden, so Clausen. „Das zeigt doch ganz deutlich, dass es der AfD nur um eine Politik der Ausgrenzung geht, die wesentliche Teile unserer Stadtgesellschaft ausschließt“, erklärt der OB. Der AfD-Kandidat verträte eine rückwärtsgewandte Position, die die Geschichte nicht nur ignoriere, sondern sogar verherrliche. „Es ist für mich als Mensch und Oberbürgermeister unmöglich, auf dieser Grundlage zu diskutieren“, stellt Clausen klar.

FDP kritisiert Clausens Absage

Gordana Rammert, OB-Kandidatin von Bürgernähe und Piraten, hat ihre Teilnahme ebenfalls abgesagt. Die Diskussion mit dem AfD-Kandidaten sei mit ihren demokratischen Grundsätzen und Prinzipien nicht zu vereinbaren. „Als Journalistin arbeite ich tagtäglich gegen Rassismen, Fake News und Hetze seitens der sogenannten Alternative an“, teilt Rammert mit.

Auf die beiden Absagen hat auch FDP-Kandidat Jan Maik Schlifter reagiert. „Nachdem Pit Clausen abgesagt hat, macht eine Teilnahme an der Podiumsdiskussion des Seniorenrates für uns keinen Sinn. Wir bedauern, dass Herr Clausen durch seine Zu- und dann Absage dem AfD-Kandidaten dabei hilft, einen Opfer-Mythos aufzubauen. Dieses Hin und Her gibt der rechtsextremen Partei eine übergroße Bedeutung“, meint Schlifter.

„Wir geben euch keine Bühne“

Weitere Absagen folgten im Laufe des Nachmittags, unter anderem von OB-Kandidatin Kerstin Haarmann (Bündnis 90/Die Grünen). „Ich hätte mich wirklich gerne mit den OB-Kandidaten über die Anliegen des Seniorenrates auseinandergesetzt. Aber eine gemeinsame Teilnahme mit Vertretern der rechten und menschenverachtenden AfD kommt für mich nicht in Frage“, teilt Haarmann mit.

Die AfD stehe für Diskriminierung, Diffamierung und Ausgrenzung, eine aufrichtige und respektvolle Debatte, insbesondere über sozialpolitische Fragestellungen, halte sie nicht für möglich und auch nicht für angebracht. „Ich würde mir wünschen, dass wir geschlossen der AfD zeigen: Für euren Hass ist hier kein Platz, wir geben euch keine Bühne“, sagt Haarmann.

Startseite