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Pharma-Unternehmen Dr. Wolff arbeitet an einem neuen Produkt

Corona-Prophylaxe in Arbeit

Bielefeld (WB)

Das Bielefelder Pharma- und Kosmetikunternehmen Dr. Wolff („Alpecin“, „Linola“) arbeitet seit über sechs Monaten an weiteren Produkten zur Corona-Prophylaxe. Details zum Stand der Entwicklung mochte der geschäftsführende Gesellschafter Eduard Dörrenberg am Donnerstag aber noch nicht nennen.

Paul Edgar Fels 

Dr.-Wolff-Unternehmenschef Eduard Dörrenberg spricht von einem „anstrengenden, aber erfolgreichen Jahr 2020“. Das Unternehmen habe mit der Herstellung von Desinfektionsmitteln eine Sonderkonjunktur erlebt. Foto: Sarah Jonek

Für Dörrenberg gibt es keinen Zweifel daran, dass das Coronavirus allein mit einem Impfstoff nicht bekämpft werden kann. „Das Virus wird nicht verschwinden. Wir müssen mit ihm leben und es von allen Seiten bekämpfen“, sagte der Manager am Donnerstag.

Ein Schlüssel sei für ihn dabei die Digitalisierung – vor allem die Erfassung von Daten, da die Kontaktnachverfolgung mit Stift und Papier nicht funktioniere. „Wir müssen uns endlich richtig in das 21. Jahrhundert bewegen.“ Die Corona-App verfehle ihre Wirkung. „Google und Facebook geben wir unsere Daten völlig selbstverständlich und vor dem Lockdown auch Restaurants, nicht aber unserem Staat“, weist Dörrenberg auf einen Widerspruch hin.

„Wo sind denn die wirklich großen Infektionsherde?“ Das könne niemand mit Sicherheit sagen – auch weil Daten fehlten. Und es sei absurd, wenn Schüler zwar in den Schulen Masken trügen, privat im Freundeskreis hingegen nicht. „Der Infektionsschutz tritt hinter den Datenschutz zurück“, kritisiert der Unternehmer.

Dr. Wolff (knapp 700 Mitarbeiter, zuletzt 313 Millionen Euro Umsatz) selbst blicke demnächst hoffentlich auf „ein sehr turbulentes, aber auch erfolgreiches Jahr“ zurück, sagt Dörrenberg.

Bereits im Januar, Februar 2020 habe man sich intensiv Gedanken zu Corona und wirtschaftlichen Folgen gemacht. Sehr früh sei es darum gegangen, die Rohstoffversorgung zu sichern, den Betrieb aufrecht zu erhalten und sich um die Gesundheit der Mitarbeiter zu kümmern. „Mit der Arzneimittelherstellung galten wir als systemrelevant.“

Am 5. März – noch vor dem ersten Lockdown in Deutschland – habe man innerhalb von nur vier Tagen Handdesinfektionsgel hergestellt – „mit einem enormen Kraftaufwand“, sagt Dörrenberg. „Wir waren damals der einzige Hersteller, der noch die Apotheken in Deutschland beliefern konnte.“ Auch die Bielefelder Schulen wurden mit dem Desinfektionsmittel versorgt.

Der Betrieb wurde auf drei Schichten umgestellt, um bis zum Sommer sechs Millionen Flaschen zu produzieren. An die Mitarbeiter appellierte das Familienunternehmen, auch außerhalb des Unternehmens Vorsicht walten zu lassen. Insgesamt seien bisher nur vier Beschäftigte positiv getestet worden. Ernsthafte Erkrankungen habe es zum Glück bis heute nicht gegeben. Alle Mitarbeiter seien mit Obstpaketen, Masken und Urlaubsrückkehrer sogar mit kostenlosen Corona-Tests ausgestattet worden. Viele Beschäftigte arbeiten bis heute im Homeoffice.

Im Sommer seien die Geschäfte in Asien bereits wieder gut angelaufen. Dies erwarte er auch 2021. Für Europa sieht Dörrenberg dagegen eher „Herausforderungen.“ Das Corona-Jahr 2020 werde Dr. Wolff nach heutiger Sicht mit einem „Umsatzplus“ abzuschließen.

Dr. Wolff ist ein Bielefelder Familienunternehmen, das in vierter Generation geführt wird. An der Spitze stehen neben Dörrenberg sein Cousin Christoph Harras-Wolff sowie Dr. Christian Mestwerdt.

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