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Prüfauftrag: Stadtwerke wollen Straßenlaternen von Stadt übernehmen

Da geht mehr als nur ein Licht auf

Bielefeld (WB). Gerade erst hat der Rat entschieden, dass sich die Stadtwerke-Tochter Mobiel künftig um die Unterhaltung der städtischen Parkplätze kümmern soll. Jetzt könnte der Versorger bald auch die 31.000 Straßenlaternen von der Stadt übernehmen.

Burgit Hörttrich und Michael Schläger

Abends in der Gunststraße: Hier leuchten einige der 31.000 Bielefelder Straßenlaternen. Foto: Thomas F. Starke

Stadtwerke-Chef Martin Uekmann bestätigte auf Anfrage einen entsprechenden internen Prüfauftrag. »Die Straßenlaternen können vor allem als Basisstationen für das neue 5G-Mobilfunknetz eine wichtige Rolle spielen«, sagt er. Auch im Aufsichtsrat sei der mögliche Ankauf angesprochen worden. In der Rathaus-Chefetage spielt das Thema ebenfalls eine wichtige Rolle – im Prozess »Smart City«, der weiteren Digitalisierung der Stadt.

Zapfsäule für E-Autos

Straßenlaternen können mehr als Licht. Sie können als Zapfsäule für Elektroautos dienen und so auch Innenstadtbewohnern den Umstieg auf Elektromobilität erleichtern. Sie können für eine deutlich verbesserte Wlan-Abdeckung im Stadtgebiet sorgen. Und sie können auch zum Datensammler werden.

Gespräche, die Bielefelder Straßenbeleuchtung komplett an das Versorgungsunternehmen zu übertragen laufen offenbar schon seit längerem. Schon vor Jahren wurde den Stadtwerken Wartung und Instandhaltung der Straßenlaternen übertragen. Dafür kassieren sie jährlich einen Millionenbetrag. Dessen Höhe soll mehrfach zur Diskussion gestanden haben. Die Stadt möchte eigentlich den Betrag reduzieren, weil der Wartungsaufwand nach der Umstellung von mehr als der Hälfte der Bielefelder Straßenbeleuchtung auf sparsamere und haltbarere LED-Beleuchtung erheblich geringer geworden sei.

Mit der Übernahme der Straßenlaternen könnten sich die Stadtwerke Bielefeld ein neues Geschäftsfeld erschließen, heißt es. Sie wären dabei aber nicht als erste am Start. Die jetzige Eon- und frühere RWE-Tochter Innogy betreibt bereits rund eine Million Straßenlaternen in Deutschland. Sie hat beispielsweise den Auftrag erhalten, die Laternen in einem Bochumer Innenstadtquartier mit Wlan und Sensoren auszustatten, die freie Parkplätze am Gehwegrand melden sollen. Jeder Sensor hat etwa 30 Parkplätze im Blick. Die neue Technik könnte helfen, die Parkplatzsuche, eine der Hauptquellen für zähflüssigen Verkehr in den Innenstädten, in den Griff zu bekommen.

»Eine Stadt, die alles weiß«

Auch Umweltdaten zu Feinstaub, Stickstoffdioxid oder Lärm könnten die »intelligenten Straßenlaternen« registrieren. Die neuen Leuchten wären auch in der Lage, als Notrufsäule zu dienen. In Darmstadt hat Vodafone ebenfalls einen Versuch gestartet. Dort registrieren Straßenlaternen jetzt Autoverkehr, Fußgänger- und Radfahrerbewegungen.

Die Europäische Union fördert im Rahmen des Programms »WiFi4EU« den flächendeckenden Ausbau von öffentlichem Wlan in Städten und Gemeinden. Geld aus diesem Topf könnte auch in die »Smart City« Bielefeld fließen.

»Eine Stadt, die alles weiß«, wirbt mit EnBW ein weiterer Energieriese für die schlauen Leuchten. Kritiker weisen deshalb auch darauf hin, dass die Versorger die Straßenbeleuchtung »nicht aus Nächstenliebe« übernehmen würden, sondern auch, weil dank des überall verfügbaren Wlan über unternehmenseigene Router auch Daten gesammelt und Bewegungsprofile erstellt werden könnten. Der künftige Umgang mit einer solchen Flut von Daten sei ungeklärt, Datenhandel aber der neue »Rohstoff der Welt«.

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