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Die ersten Gemeinden in Bielefeld sagen Weihnachtsgottesdienste ab

„Damit werden sich viele schwer tun“

Bielefeld (WB)

Wird es in diesem Jahr ein Weihnachtsfest ohne Gottesdienste geben, wie noch nie zuvor? Geht es nach den Vorstellungen von Armin Piepenbrink-Rademacher, dann ja. Der Pfarrer der Altstädter Nicolaikirchengemeinde richtet einen dringenden Appell an alle Kirchengemeinden, ihre für Weihnachten geplanten Veranstaltungen abzusagen. Superintendent Christian Bald hingegen hält die Durchführung von Gottesdiensten an Weihnachten für vertretbar.

Heinz Stelte

Die Altstädter Nicolaikirche wird an den Weihnachtstagen leer bleiben, alle Gottesdienste hat die Gemeinde abgesagt. Foto: Bernhard Pierel

Das Presbyterium der Altstädter Gemeinde hatte sich am Mittwochabend einstimmig dafür ausgesprochen, an den Weihnachtstagen keine Gottesdienste vor Ort abzuhalten. „Wir mussten lange darüber nachdenken, die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen“, so Piepenbrink-Rademacher. Doch die Verantwortung gegenüber „unseren insbesondere älteren Gemeindemitgliedern, aber im Grunde gegenüber jedem Menschen dieser Gesellschaft“ habe letztlich keine andere Entscheidung zugelassen. Piepenbrink-Rademacher: „Mir blutet das Herz, obwohl ich diese Entscheidung selbst angestoßen habe.“ Man dürfe die vielen neuen Ideen für die Gottesdienste jedoch „nicht an die Krippe zwingen“, sondern solle sie mit ins kommende Jahr nehmen und die derzeitige Situation annehmen. „Doch ich weiß, dass sich damit viele Gemeinden schwer tun werden.“ Alternativ wird es verschiedene digitale Angebote geben, die online zu sehen sein werden, so einen 20-minütigen Kindergottesdienst oder auch eine Christvesper. Gewöhnlich besuchen bis zu 2400 Menschen die Gottesdienste an Heiligabend in der Altstädter Nicolaikirche.

Auch die Kirchengemeinde Stieghorst-Hillegossen hat alle Veranstaltungen für Weihnachten abgesagt. „Wir sind überzeugt davon, dass jede Ansteckung, die wir so vermeiden, die Zuwendung Gottes zum Leben, wie wir sie am Weihnachtsfest feiern, mehr würdigt und ehrt, als es ein gesungenes oder gespieltes Lied in einem unserer Gottesdienste je könnte,“ begründet das Presbyterium der Gemeinde die Entscheidung.

Superintendent Christian Bald respektiert die Entscheidung der beiden Gemeinden, verweist aber auf die strengen Hygiene- und Sicherheitskonzepte der Gemeinden, die sich bewährt hätten. Bald: „Wir haben seit vielen Wochen in der Vorbereitung der Weihnachtsgottesdienste erlebt, wie umsichtig, kreativ und professionell die Kirchengemeinden die Weihnachtsgottesdienste planen. Gerade das Weihnachtsfest ist für viele Menschen ein wichtiger Hoffnungsanker in einer schweren Zeit. Deswegen halten wir im Kirchenkreis Bielefeld die Durchführung der geplanten Gottesdienste mit den jeweiligen Hygiene- und Sicherheitskonzepten auch für vertretbar.“

Gestützt werde diese Haltung durch eine Mitteilung der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina vom Mittwoch. Sie sieht keine Notwendigkeit zu weiteren Einschränkungen von Gottesdiensten der beiden großen Kirchen zur Weihnachtszeit und lobt die Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln in den Kirchen.

Der Kirchenkreis teilt ferner mit: „Die Absage der Präsenz-Gottesdienste von zwei evangelischen Gemeinden in Bielefeld respektieren wir natürlich. Denn nach unserer Kirchenordnung entscheiden die jeweiligen Leitungsgremien (Presbyterien) über die Durchführung und Gestaltung von Gottesdiensten. Dafür mag es vor Ort gute Gründe geben.“

Beim Dekanat Bielefeld geht man hingegen derzeit davon aus, dass alle geplanten Veranstaltungen an den Weihnachtstagen auch durchgeführt werden können. „Wir beobachten die Situation, aber alles abzusagen, das ist im Moment kein Thema,“ sagt Dechant Norbert Nacke. Das Problem sind seiner Meinung nach nicht die Gottesdienste selbst, sondern die Zeit danach, wenn die Leute noch beieinander stehen würden. „Wir gehen aktiv auf die Menschen zu, fordern sie auf, unmittelbar nach dem Gottesdienst nach Hause zu gehen.“

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