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IHK: Unternehmen müssen sich auf harten Brexit vorbereiten

Das Brexit-Dilemma trifft auch Ostwestfalen

Bielefeld/Rheda-Wiedenbrück/Gütersloh/Espelkamp (WB/dpa). Deutsche Unternehmen befürchten ein wirtschaftliches Chaos. Die Ablehnung des Brexit-Abkommens in London trifft auch Ostwestfalen.

Paul Edgar Fels

Symbolbild. Foto: dpa

»Die konkreten Auswirkungen des Brexits auf die Wirtschaft sind nach wie vor unklar. Dennoch wird für viele IHK-Mitgliedsunternehmen der Ausstieg mit erheblichen Folgen verbunden sein«, sagte am Mittwoch Harald Grefe, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Ostwestfalen. »Die Wirtschaft muss sich jetzt auf einen harten Brexit vorbereiten.«

Großbritannien ist der fünftwichtigste Handelspartner Deutschlands. Auch rund 400 ostwestfälische Unternehmen unterhalten regelmäßige Ex- und Importbeziehungen mit dem Vereinigten Königreich (UK). Davon seien 60 mit eigenen Niederlassungen oder Produktionsstandorten auf der Insel vertreten. Umgekehrt haben 1500 britische Unternehmen in NRW einen Sitz.

Nach Schätzungen Grefes beläuft sich das Exportvolumen ostwestfälischer Firmen nach Großbritannien auf gut eine Milliarde Euro. Somit sicherten die bislang bestehenden Geschäftsbeziehungen auch Jobs in der Region.

Mehrkosten von etwa 200 Millionen Euro

Der ungeregelte Brexit habe aller Voraussicht nach die Erhebung von Zöllen von mehr als drei Milliarden Euro für deutsche Unternehmen zur Folge. Hinzu komme ein deutlich erhöhter bürokratischer Aufwand. Nach konservativer Schätzung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) würde allein das Ausfüllen von Zolldokumenten Mehrkosten von etwa 200 Millionen Euro verursachen.

Andres Ruff, Geschäftsführer bei Tönnies

Entsetzen löste die Abstimmung im britischen Unterhaus auch bei Top-Managern in OWL aus. Andres Ruff, Geschäftsführer bei Deutschlands größtem Fleischkonzern Tönnies, sagte: »Als Marktführer für Bacon in Großbritannien ist Tönnies mit dem britischen Wirtschaftsraum eng verzahnt. Ein No-Deal ist daher die wirtschaftlich und politisch schlechteste Lösung. Unsere Forderung an die Politik: Im Fall eines harten Brexit brauchen wir schnelle, bilaterale Vereinbarungen, um wirtschaftlichen Schaden zu minimieren.«

Christian Thönes, Vorstandschef der DMG Mori AG

Der Werkzeugmaschinenhersteller DMG Mori (früher Gildemeister) ist in UK mit einer eigenen Vertriebs- und Servicegesellschaft und über 6.000 installierten Maschinen präsent. Beliefert würden namhafte Unternehmen aus wichtigen Leitbranchen wie Automobilindustrie und Medizintechnik. »Durch den Brexit könnten sich die Durchlaufzeiten bei Ausfuhrgenehmigungen und Zollabfertigungen verlängern. Zudem entsteht Visum-Pflicht«, beklagt der Vorstandschef der DMG Mori AG (Bielefeld), Christian Thönes.

Olaf Bartsch, Geschäftsführer Finanzen und Hauptverwaltung Miele

Die Technologiegruppe Harting (Espelkamp) bereitet sich auf einen ungeregelten Brexit vor, um die Risiken zu reduzieren, wie Sprecher Detlef Sieverdingbeck sagte. »Sicher wäre ein ungeregelter Ausstieg Großbritanniens die denkbar schlechteste Lösung«, sagt Olaf Bartsch, Geschäftsführer Finanzen und Hauptverwaltung des Hausgeräteherstellers Miele (Gütersloh). »Wir hoffen nach wir vor, dass es dazu nicht kommen wird.« Um mögliche Engpässe abzumildern, werde Miele die Lagerbestände in Großbritannien leicht erhöhen.

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