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Studie: »Multispace«-Lösungen ersetzen Einzel- und Großraummodelle

Das Büro der Zukunft

Bielefeld (WB). Weg von starren Einzel- oder Großraumbüros mit festen Arbeitsplätzen hin zu einem flexibel nutzbaren Mix verschiedener Büroformen: So sehen Experten die Arbeitsumgebung der Zukunft. Das Zauberwort heißt »Multispace«.

Oliver Horst

Ein Paradebeispiel für eine Kombination verschiedener Büroformen mitsamt diverser Rückzugs- und Besprechungsmöglichkeiten ist das »Loft« des Detmolder Schuhherstellers Wortmann. In einer früheren Lagerhalle entstanden 180 Arbeitsplätze. Foto: Jan Gruhn

Die Ergebnisse einer Studie zu »wirksamen Büro- und Arbeitswelten« stellte in Bielefeld gestern Stephanie Wackernagel vom Stuttgarter Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation vor. Sie sprach bei einem Kongress des Bielefelder Objekteinrichters Tick, der inzwischen Teil der Designfunktion-Gruppe ist. Für die Zukunft erwarten die 1067 befragten Experten auf der Seite der Planer ebenso wie auf der Seite der Unternehmen, dass mehr als jedes zweite Büro dem Multispace-Ansatz folgen wird. Heute trifft dies auf 23 Prozent zu.

Nutzer sucht sich idealen Arbeitsplatz aus

Bei der Umsetzung gibt es verschiedenste Möglichkeiten, erklärt Wackernagel. Der Begriff stehe für die Kombination mehrerer Büroformen auf einer Fläche. Dabei seien Multispace-Lösungen in der Regel gekennzeichnet von offenen Einzel- und Gruppenarbeitsplätzen sowie abgetrennten Rückzugsräumen für Besprechungen oder konzentriertes Arbeiten sowie etwaigen Frei- und Kreativflächen.

Entscheidend für den Vorteil gegenüber den klassischen Büroformen sei eine »hohe Bandbreite an Raumoptionen, die von allen Mitarbeitern flexibel genutzt werden kann«, erklärt Wackernagel. Der Nutzer suche sich in einem solchen Modell einfach den für die jeweilige Tätigkeit aus seiner persönlichen Sicht idealen Arbeitsplatz.

Als eines der wichtigsten Ziele bei der (Neu-)Gestaltung von Büros werde von Arbeitgebern eine möglichst gut gelebte Zusammenarbeit genannt, sagt die Expertin. Diese Aufgabe erfülle nach Einschätzung der Befragten die Multispace-Lösung am besten. Mit wachsender Zahl der Raumoptionen bestehe eine höhere Unterstützungsfunktion der Arbeitsumgebung zur Erreichung der Ziele – und für mehr Zufriedenheit der Beschäftigten.

Rückzugsmöglichkeiten wichtig

»So wird Zusammenarbeit stärker gelebt, es besteht ein höheres Maß an Selbstbestimmung und auch die Arbeitgeberattraktivität wird deutlich positiver bewertet.« Verstärkt würden die Effekte noch, je weniger die Hierarchie räumlich abgebildet werde.

Von großer Bedeutung seien ausreichend Rückzugsmöglichkeiten sowohl für konzentriertes Arbeiten, insbesondere aber auch zur Erholung, sagt Wackernagel. »Dabei schneiden die Multispace-Lösungen sogar besser ab als Einzelbüros.« Dies sei der Fall, weil es in Einzelbüros häufiger zu Störungen komme, als wenn sich ein Mitarbeiter im Multispace für alle sichtbar gezielt zurückziehe.

Auf allen Funktionsebenen – mit Ausnahme der Geschäftsleitungen – werde das Tempo bei der Modernisierung der Arbeitsorganisation als zu langsam angesehen. Wackernagel: »Das gilt besonders für alle Formen außer den Multispace- und Einzelbüros.« In einer Folgestudie sollen nun gezielt Nutzer zur Transformation der Arbeitswelten befragt werden.

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