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Bezirksvertreter in Jöllenbeck lehnen Boote und Wasserfontäne ab, die Heeper Bezirkspolitiker wollen dies prüfen lassen

Debatten um Tretboote auf dem Bielefelder Obersee

Heepen/Jöllenbeck

Der Antrag der FDP, die Wasserqualität des Obersees mit Hilfe einer Fontäne oder durch Tretboote zu verbessern (das WESTFALEN-BLATT berichtete), wurde in der Sitzung der Bezirksvertretung Jöllenbeck am Mittwochabend komplett ausgebremst. Die Bezirksvertretung Heepen stimmt hingegen einstimmig dafür, dass auch diese Möglichkeiten geprüft werden sollen.

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Die Wasserqualität des Obersees soll dauerhaft verbessert werden. Foto: Thomas F. Starke

Immerhin wurde in Jöllenbeck ein einstimmiger Beschluss gefasst, nämlich der, das Umweltamt zu beauftragen, „ein ökologisches und nachhaltiges Konzept zur dauerhaften Verbesserung der Wasserqualität des Obersees zu erarbeiten“. Vor einer Woche bereits hatte die Bezirksvertretung Schildesche einen nahezu gleichlautenden Prüfauftrag verabschiedet – allerdings auch einschließlich einer Prüfung von Fontäne und Booten.

In der Bezirksvertretung Jöllenbeck begründete Dr. Bodo Holtkamp (FDP) den Fontäne-Tretboot-Antrag: „Einem stehenden Gewässer wird Sauerstoff zugeführt und der Obersee wird noch attraktiver für Besucher.“ Als positives Fontänen-Beispiel nannte Holtkamp die in der Hamburger Binnenalster. Jöllenbecks Bezirksbürgermeister Mike Bartels (SPD) erwiderte daraufhin, er habe mit der Hamburger Umweltbehörde telefoniert und erfahren, dass die Fontäne die Wasserqualität der Binnenalster nicht verbessere: „Im Gegenteil: Die Fontäne spült die Blaualgen, die das Wasser verunreinigen, bis auf die Promenade.“

Eingeladen hatte Bartels zudem Nils Hoffmann vom Bielefelder Büro für Umweltplanung, Gewässermanagement und Fischerei (BUGeFi). Hoffmann erklärte, Fontäne und Tretboote seien „eher kontraproduktiv“: „Sie zerstören Laichflächen von Fischen und Brutplätze von Wasservögeln.“ Allenfalls technische Lösungen wie eine „künstliche Belüftung“ (Seewasser würde durch Tanks geleitet oder über ein Leitungssystem künstlicher Sauerstoff zugeführt) könnten zielführend sein.

Frank Strothmann (CDU) plädierte ebenfalls für einen Prüfauftrag: „Wir benötigen belastbare Zahlen, brauchen Fakten.“ Strothmann, Fraktionskollege Rico Sarnoch und Klaus Feurich (Grüne) sehen eine Ursache für die schlechte Wasserqualität des 20 Hektar großen Sees im Füttern der zahlreichen Wasservögel dort durch Spaziergänger. Aufklärung etwa durch die Seepaten hätte wenig gebracht.

Auch in der Bezirksvertretung Heepen plädierte FDP-Vertreter Yannik Löwen erneut für den Vorschlag seiner Partei. „Im Sommer hat es erneut ein extremes Fischsterben im Obersee gegeben. Wasserfontäne und Tretboote sind nachweislich probate Mittel, um die Wasserqualität zu verbessern.“

Marianne Kreye (Grüne) schlug hingegen vor, von der Verwaltung ein Konzept zu fordern, ohne jedoch ausdrücklich Fontäne und Boote einzubeziehen. Generell sehe sie Tretboote kritisch. „Wir wollen naturnahe Erholung am Obersee. Der Tourismus, der dort jetzt schon am Wochenende stattfindet, ist übertrieben.“

Guido Elsner (CDU) sagte hingegen, dass es „nicht schädlich“ sei, Prüfideen mit in den Beschluss aufzunehmen. „Das muss deswegen aber nicht etwas sein, das wir uns wünschen“, so Elsner.

Schließlich votierten die Heeper Bezirksvertreter einstimmig dafür, die Verwaltung zu beauftragen, ein Konzept zu erarbeiten und der Politik vorzulegen – einschließlich einer Prüfung von Tretbooten und einer Wasserfontäne.

Heepens Bezirksbürgermeister Holm Sternbacher (SPD) erklärte, dass die drei Stadtbezirke Schildesche, Jöllenbeck und Heepen, die an den Obersee angrenzen, „zusammenhalten“ sollten. Eine gemeinsame Sitzung der drei Gremien, wenn die Verwaltung ihre Ergebnisse präsentiere, halte er deshalb für sinnvoll.

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