1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Bielefeld
  6. >
  7. Demos, Discos, Denkanstöße

  8. >

Bauernhaus-Museum präsentiert: Die 70er Jahre in Westfalen

Demos, Discos, Denkanstöße

Bielefeld (WB). Schlaghosen, Bildungsoffensive, Ölkrise, RAF-Terror, antiautoritäre Erziehung, Chancengleichheit, Glam-Rock . . . – die Liste der Schlagworte, die die 70er Jahre charakterisieren, ließe sich um zahlreiche Aspekte verlängern. Das Bauernhaus-Museum widmet dem Jahrzehnt des politischen und kulturellen Umbruchs jetzt eine eigene Ausstellung.

Uta Jostwerner

Museumsleiter Dr. Lutz Volmer und Museumspädagogin Anke Bechauf tauchen bei einem Rundgang durch die Sonderausstellung in die 1970er Jahre ein. Thematisiert werden alle Bereiche des Alltagslebens. Foto: Thomas F. Starke

Die Wanderausstellung wurde in Zusammenarbeit des Rock’n’Popmuseums Gronau mit dem LWL-Museumsamt für Westfalen konzipiert und basiert zum Großteil auf Bildern des Münsteraner Fotografen Christoph Preker (1945-1996). Zwischen 1970 und 1996 dokumentierte er mit seiner Kamera nicht nur das akademische Leben in Münster zwischen Demos, Hausbesetzungen oder Rektorwahl, sondern sein Interesse galt daneben auch der Musik sowie dem Alltagsleben. So hielt Preker etwa eine Fahrzeugweihe auf dem Domplatz in Münster im Foto fest.

Mobilität erhält einen immer größeren Stellenwert. In den 70er Jahren verfügt etwa die Hälfte aller Haushalte über ein Auto. Organisierte Pauschalreisen erfreuen sich großen Zuwaches und die Jugend verreist mit dem Interrail-Ticket. 1973/74 beschert die Ölkrise den Deutschen aber auch jede Menge autofreier Sonntage.

Chancengleichheit vollzieht sich im Anstieg von Arbeiterkindern

Die 70er Jahre sind zudem das Jahrzehnt der Frauenbewegung, der soziokulturellen Zentren und der Open-Air-Konzerte. Umwelt- und Friedensbewegungen machen durch Großdemonstrationen von sich reden. Die Überwindung verkrusteter Strukturen wirkt sich auf vielerlei Lebensbereiche aus. Es entsteht eine neue Kinderkultur mit eigenen TV-Sendungen, Kinderbüchern und Spielzeug wie den Playmobilfiguren, die 1974 das Licht der Welt erblicken. Die antiautoritäre Erziehung will die Erziehung von den Zwängen und der Übermacht der Pädagogen befreien. Klassische Lehrmethoden haben ausgedient: »Macht Mengenlehre krank?«, titelt 1974 das Nachrichtenmagazin Spiegel.

Das Geschlechterverhältnis ändert sich. Der Mann trägt lange Haare und die Frau Hosenanzüge, und die gesellschaftliche Gleichstellung der Geschlechter steht im Fokus – auch wenn die Realität für die Frau noch anders aussieht.

Chancengleichheit vollzieht sich hingegen im Anstieg von Arbeiterkindern, die eine Universität besuchen. Die Zahl der Studenten steigt, 1970 erschafft die Landesregierung unter Johannes Rau gar ein neues Ministerium für Wissenschaft und Forschung.

Exponate wie etwa Puppenwagen, Playmobil

Neben vielen Fotografien und erklärenden Texttafeln präsentiert die Ausstellung einige Exponate wie etwa einen Puppenwagen, Playmobil, den Verner-Panton-Stuhl sowie einige Accessoires wie Wum, den Comic-Hund aus Wim Toelkes Quizschau.

Ein Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf dem Aspekt der Musik. Ob Disco, Glam-Rock oder Heavy Metal – der Besucher erhält einen Audioguide und kann an interaktiven Stationen gezielt seine Lieblingssongs auswählen und anhören. Und beim Berühren einzelner »Personen« erzählen diese ihre ganz eigene Geschichte: Etwa Detlef Stoffel, ein schwuler Aktivist aus Bielefeld.

Die Ausstellung wird an diesem Sonntag, 11.30 Uhr, eröffnet und läuft bis zum 15. Dezember. Geöffnet: dienstags bis freitags von 10 bis 18 Uhr, samstags, sonntags und an Feiertagen von 11 bis 18 Uhr.

In einem Vortrag mit Musik erinnert der Bielefelder Historiker Dr. Hans-Jörg Kühne am Sonntag, 27. Oktober, von 16 bis 18 Uhr an die 70er Jahre in Westfalen. Besucher können zu der Veranstaltung ihre eigene Lieblingsmusik der 70er Jahre mitbringen.

Startseite