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Grüne machen Geruch aus dem Klärwerk zum Thema

Den Anwohnern stinkt’s

Bielefeld (WB). Anwohnern stinkt’s. Deshalb machen die Grünen in der Sitzung des Ausschusses Umweltbetrieb an diesem Mittwoch Geruchsbelästigungen, die von der Kläranlage Heepen ausgehen, zum Thema, wollen wissen, ob es wirklich stärker riecht als früher.

Burgit Hörttrich

Die Abwasserbehandlung im Klärwerk, hier dem am Schelpmilser Weg, dauert bis zu 14 Stunden. Foto: Bernhard Pierel

»Nein«, sagt Peter Seydel, als Abteilungsleiter für die drei Klärwerke des Umweltbetriebes zuständig. Nein, weil die Klärwerke, eben auch das am Schelpmilser Weg, mehrfach an den Stand der Technik angepasst worden seien, sich Gerüche »nicht komplett vermeiden lassen«. Und wenn, dann nur mit einem großen finanziellen Aufwand, der sich auf die Entwässerungsgebühren, die jeder Haushalt zahlt, niederschlagen würde.

Seydel ist überzeugt, dass nur in Ausnahmefällen unangenehme Gerüche über das Klärwerksgelände hinaus gelängen: »Allenfalls bei bestimmten Wetterlagen – Hitze zum Beispiel.« Aber man sei auf einem guten Weg, solche Immissionen einzudämmen. Selbst bei der Klärschlammverladung – knapp 19.000 Tonnen pro Jahr fallen an – habe man Geruchsbelästigungen reduziert: »Sie sind im Regelfall nicht wahrnehmbar.« Seydel weist auch darauf hin, dass es in der Nachbarschaft der Kläranlage Heepen »geruchsintensive Betriebe« gebe: »Wenn es müffelt, muss das nicht von der Kläranlage kommen.« Die wurde vor rund 100 Jahren am Bielefelder Stadtrand gebaut – damals weit weg von jeglicher Bebauung.

Nur in Ausnahmefällen

Seydel betont, dass beim Umweltbetrieb keine Nachbarschaftbeschwerden bekannt seien: »Gäbe es sie, würden wir ihnen nachgehen.« Er räumt ein, dass Gerüche subjektiv wahrgenommen und beurteilt würden. Es sei im originären Interesse des Umweltbetriebes, dass Gestank nicht wahrnehmbar sei: »Niemand will doch da arbeiten, wo es stinkt.«

4800 Kubikmeter Abwasser pro Stunde würden im Klärwerk behandelt, rund 20 Millionen Kubikmeter seien es in Bielefeld pro Jahr. Jeder Einwohner sorge rein statistisch für 130 Liter Abwasser pro Jahr. Nach der Klärung fließt das gereinigte Wasser des Klärwerks Heepen in den Wellbach. Der eigentliche Klärvorgang dauert bis zu 14 Stunden.

Peter Seydel erklärt, dass die Bielefelder Kläranlagen – neben der am Schelpmilser Weg sind das die an der Elsener Straße in Brake und am Freudweg in Sennestadt, dazu behandeln die Klärwerke Obere Lutter (Niehorst) und Verl-Sende Bielefelder Abwasser mit – entsprechend der Geruchsimmissions-Richtlinie arbeiten würden, nämlich weitgehend geruchsneutral.

Die Grünen sagen, die Kritik am zeitweise strengen Geruch sei aus der Nachbarschaft an sie heran getragen worden. Man habe das im Betriebsausschuss zum Thema gemacht, um den Sachstand zu erfahren und ob es Lösungsvorschläge gebe, die sich ohne großen Aufwand umsetzen ließen. Vorstellbar sei zum Beispiel eine zeitweise Abdeckung der Becken dann, wenn dort Sedimente, die sich abgesetzt haben, heraus geholt würden. Es solle jedoch eine technische Möglichkeit sein, die nicht allzu sehr ins Geld gehe.

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