1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Bielefeld
  6. >
  7. Den Frühsommer am Teuto auf dem Rennrad erleben

  8. >

»Alpecini« Madeleine Vogel fährt bei Sprintax-Tour mit 500 Sportlern

Den Frühsommer am Teuto auf dem Rennrad erleben

Bielefeld (WB). »Du gehörst doch zum Jedermann-Team von Alpecin «, sagt Dirk Roggenkamp der jungen Frau im Team-Trikot der Profis auf den Kopf zu, als sie das Rennrad an der Verpflegungsstation kurz abstellt. Die Bielefelderin Madeleine Vogel (31) trainiert für den großen Tag – das WESTFALEN-BLATT begleitet sie.

Michael Diekmann

Startklar: Fast 500 Fahrer warten um 9 Uhr an der Universität darauf, dass Ulli Vogelpohl die RTF offiziell freigibt. Fotos: Michael Diekmann Foto:

Das Großereignis des Bielefelder Radsportclubs Sprintax hat Tradition. Die einen nennen es »RTF«, also Radtouristikfahrt. Für andere ist es die schönste Art, im Frühsommer die faszinierende Region um den Teuto zu erleben, zu atmen und zu spüren. Für noch andere ist es ein Trainingsritual für kommende Amateurrennen.

»So viele Starter wie 2018 hatten wir lange nicht«, bilanziert Jan Horstkotte am Nachmittag. Mehr als 500 Radler sind wohl behalten von bis zu 150 Kilometer langen Runden ins Osnabrücker Land zurück. Horstkotte: »Keine Unfälle, keine Pannen, alle Startnummern zurück.« Gegen 15 löst sich im Westend der Uni auch die Anspannung der mehr als 50 freiwilligen Helfer, die die Betreuung und Beschilderung von vier Strecken akribisch vorbereitet hatten. Und: Samstag früh um 7.30 Uhr, lange vor dem Start um neun Uhr, hatte es schon ein tolles Frühstück für die Starter mit der weiten Anreise gegeben.

Um 7.30 Uhr war auch Madeleine Vogel schon im Einsatz. Daheim auf dem Reiterhof in Senne. Vor der ersten RTF ihrer jungen Radsportkarriere kümmert sich die Pferdewirtin um 57 Pferde, um Futter und Stall. Kurz nach neun Uhr ist sie an der Universität. Da hat Ulli Vogelpohl, Vorstand bei Sprintax, die scharrende Meute bereits von der Leine gelassen. Von neun bis elf Uhr kann gestartet werden. Mehr als 400 wollen schon Punkt neun starten. Vogelpohl setzt auf »Blockabfertigung«. Immer 100 dürfen los. Vogelpohl: »Dann ist das Gedränge nicht so groß bis Dornberg.«

Andrang bei der Anmeldung

Oben bei der Anmeldung ist auch noch Andrang. Alle brauchen eine Startnummer. Die Krux: Angesichts der Mega-Resonanz auf die bis Niedersaschen und Ruhrpott beliebte Tour werden die Anmeldeformulare knapp.

Kurz vor zehn Uhr startet Madeleine Vogel ihr erstes RTF-Abenteuer. Die junge Frau, die in das von Jörg Ludewig betreute Jedermann-Team von Katusha-Alpecin berufen wurde, um in einem Jahr mit Profibetreuung und Ausrüstung ihr persönliches Ziel sportlicher Entwickelung zu erreichen, hat schon in Eschborn ein Radrennen erlebt, wird über ihre elektronisch erfassten Leistungsdaten penibel betreut, um am 8. Juli eine Etappe der Tour de France mit Jedermännern vorab zu bewältigen, mit 169 Kilometern und über fünf Pässe.

»Langsam bekomme ich Lampenfieber«, erzählt sie beim Start. Es sind nur noch wenige Wochen bis zur Tour. Vogel steckt in der Doppelbelastung: Das Training muss mit dem Pferdehof harmonieren, und mit ihrer laufenden Meisterprüfung. Die RTF bei Sprintax will sie genießen, verspricht sie. Immerhin hat der Trainer ihr verordnet, im Grundlagenbereich viele Kilometer zu machen, ohne Extrembelastungen des Körpers. Vogel hält sich dran. Die 80 Kilometer-Strecke will sie fahren. Nachmittags ist wieder der Pferdehof dran.

»Man trifft viele lockere Leute unterwegs, echt fantastisch.«

Die Tour der Bielefelder ist beliebt bei der wachsenden Zahl der Rennradfahrer, die gern im Gruppenerlebnis Kilometer kurbeln. »Es ist einfach wunderschön hier«, schwärmt Madeleine Vogel bei der Anfahrt zu Peter Auf´ Berge. Wer in der Senne lebt, sieht Kirchdornberg anders. Den »Peter« meistert sie souverän. Rasant geht es durch die Patthorst. Gut 50 Minuten und 28 Kilometer später biegt Vogel im Profi-Trikot an der ersten Kontrollstelle in Kölkebeck ein. Gesprächsstoff gibt es reichlich. Den Sprintax-Helfern, die sonst selbst auf dem Rad sitzen, muss sie von der Faszination des Alpecin-Teams erzählen. Das Profi-Rad wird bestaunt, einen Stempel gibt es.

Der sonnige Frühsommertag verzaubert die Landschaft um so mehr. Der Gegenwind vor Hesseln ist vergessen, die Steigung hinüber in den Kreis Osnabrück auch. Dafür begeistern Fachwerk, stattliche Höfe und dichte Wälder. Als es an einer Pferdekoppel vorbei geht, spricht aus Madeleine kurz die Fachfrau, die aus den Unkräutern im Gras die Qualität der Weide ableitet. Das Abenteuer »RTF« will sie jetzt öfter angehen, verspricht sie, als nach gut drei Stunden die Universität wieder in Sicht ist.

Erste Bergwertung

Vogel spart nicht mit Komplimenten für Jan Horstkotte und seine Helferschar: »Tolle Organisation, alles perfekt. Man trifft viele lockere Leute unterwegs, echt fantastisch.« Finden die anderen auch. Schnell noch ein Stück selbst gebackenen Kuchen. Dann folgt die Zeit nach der RTF: Madeleine Vogel muss wieder zu den Pferden. Das Sprintax-Team muss alle Wegweiser einsammeln – für 2019. Und Alpecini Vogel ist überzeugt: »Das Gruppenerlebnis RTF gibt Sicherheit für die kommende Alpenetappe.« Ihr größer Fan-Klub: RC Sprintax.

Startseite