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Kommentar zum angekündigten Ausscheiden von SPD-Fraktionschef Georg Fortmeier aus der Kommunalpolitik

Der Ausgleichende

Bielefeld (WB). SPD-Fraktionschef Georg Fortmeier will nicht wieder für den Stadtrat kandidieren. In seinen elf Jahren als Fraktionsvorsitzender habe er vor allem ausgleichend gewirkt und damit zum Bestand von zwei Rathaus-Koalitionen beigetragen, meint Michael Schläger in seinem Kommentar.

Georg Fortmeier will nicht wieder für den Rat kandidieren. Foto: Bernhard Pierel

Bei der Ankündigung seines Abschiedes aus der Kommunalpolitik hat SPD-Ratsfraktionschef Georg Fortmeier auch ein bisschen aus dem Nähkästchen geplaudert. Zu Zeiten der früheren Ampelkoalition (2009 bis 2014) habe er sich alle zwei Monate mit der damaligen grünen Fraktionschefin Inge Schulze und dem gerade verstorbenen FDP-Mann Harald Buschmann zum Essen in einem Restaurant getroffen. So sei eine Basis der Zusammenarbeit entstanden, die über die gesamte Wahlperiode gehalten habe.

Die Fähigkeit, einen Ausgleich herzustellen, zeichnet Fortmeier ganz besonders aus. Tatsächlich darf vor allem er sich auf die Fahnen schreiben, dass das derzeit regierende Paprika-Bündnis aus SPD, Grünen, Bürgernähe/Piraten und (neu) den Lokaldemokraten durchgehalten hat.

Was dabei herausgekommen ist, ist nicht immer SPD pur gewesen. Das sagt Fortmeier selbst. Und das hat ihm bei seinen eigenen Genossen auch nicht immer nur Zuspruch eingebracht. Manche meinen gar, nicht die SPD, sondern eher die Grünen gäben im Bündnis den Ton an. Aber mit Fortmeier will jemand die kommunalpolitische Bühne verlassen, der das Machbare im Blick und sich stets daran orientiert hat.

Aktuell bläst Fortmeiers SPD ganz schön der Wind entgegen. Das liegt auch daran, dass die Partei ihre eigentliche Klientel zunehmend aus den Augen verliert. Das sind eben die vermeintlich kleinen Leute, die stolz sind, sich einen VW Tiguan leisten zu können, hoffen, das Häuschen bis zur Rente abbezahlt zu haben, und meinen, dass sie sich den Urlaub mit dem Ferienflieger auf die Kanaren verdient haben.

Das sind Werte, die die Partei nicht mehr unbedingt teilt. Aber auch dafür hat Fortmeier ein Rezept. Er rät denen, die nach ihm die Politik vor Ort bestimmen wollen, vor allem zu einem: zum Zuhören.

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