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Bielefelder Saurier gehört zu bisher unbekannter Gattung

Der Einzige seiner Art

Bielefeld (WB). Weltweit einzigartig: Ein 190 Millionen Jahre alter Schwimmsaurier, dessen versteinerte Skelettreste Eigentum des Naturkundemuseums Bielefeld (Namu) sind, gehört einer bislang unbekannten Gattung und Art an.

Burgit Hörttrich

Sie präsentieren eine wissenschaftliche Sensation: Sven Sachs (Paläontologe; von links), Siegfried Schubert (Amateurpaläontologe und Namensgeber) und Dr. Mark Keiter (Geologe und stellvertretender Leiter des Bielefelder Naturkundemuseums). Foto: Bernhard Pierel

Obwohl das Fossil bereits Anfang der 1980er Jahre in einer inzwischen längst verfüllten Tongrube in Jöllenbeck entdeckt wurde, gelang erst jetzt die Bestimmung. Sven Sachs, Paläontologe und Gastwissenschaftler am Namu, und Benjamin Kear, Kurator am Museum für Evolution der Universität Uppsala (Schweden) haben die Merkmale der rund 80 versteinerten Knochen plus zahlloser winziger Fragmente in ein spezielles Computer-Programm eingespeist, das die Merkmale mit denen anderer Meeresgiganten verglichen hat. Es seien Details in der Knochenstruktur, die das Fossil einzigartig machten.

Die Merkmale seien beschrieben, fotografiert, vermessen – kurz: ausführlich dokumentiert – worden und im Auftrag der Fachzeitschrift »Alcheringa« von Gutachtern gegengeprüft worden. Am Freitag wurde die wissenschaftliche Sensation zeitgleich in Schweden und Deutschland publiziert.

Name ist Hommage an die Region

Sachs und Kear gaben der neuen Gattung den Namen »Arminisaurus schuberti«. Dabei bezieht sich »Arminisaurus« auf Hermann (Arminius), den Cherusker, und ist eine Hommage an die Region, in der das Fossil gefunden wurde.

Der Artname »schuberti« ehrt Siegfried Schubert (63) aus Steinhagen, Amateurpaläontologe und Sammler. Schubert tauschte den Fund vor mehr als 30 Jahren beim Entdecker aus Hannover gegen ein Fossil aus der Oberpfalz ein, »weil ich fand, dass der Fund nach Ostwestfalen gehört«.

Entdeckung per Zufall

Der gelernte Maler und Lackierer, der später zum Bürokaufmann umschulte, entdeckte 1978 eher zufällig die Faszination von Fossilien. Eigentlich, erzählt er, habe er Apollo-Falter im bayerischen Solnhofen beobachten wollen, sei dann zu einer Gruppe von Hobby-Paläontologen gestoßen. Schubert: »Ich habe mir einen Hammer und einen Meißel für zusammen 4,50 D-Mark gekauft und spontan mitgemacht. Am Ende des Tages hatte ich drei versteinerte Fische gefunden.«

Längst gilt Schubert auch in Wissenschaftskreisen als ausgewiesener Experte. Dass jetzt ein Schwimmsaurier seinen Namen trägt, nennt er mit typisch ostwestfälischer Zurückhaltung »eine schöne Sache«.

Ur-Lurch aus dem Namu

Dabei hat Schubert nie aufgegeben, nachdem die versteinerten Plesiosaurier-Überreste in seinem Besitz waren. Er habe immer das Gefühl gehabt, das Fossil sei etwas Besonderes. Schubert wollte es unter anderem in Münster und Stuttgart von Spezialisten bestimmen lassen, musste seine versteinerten Knochen aber immer unverrichteter Dinge wieder abholen. Vor zweieinhalb Jahren habe er dann die Versteinerungen dem Bielefelder Naturkundemuseum überlassen, in dem Bewusstsein, »dass große Wirbeltiere aus der Jurazeit sehr selten sind«.

Sven Sachs habe dann die Bestimmung übernommen – für den Wissenschaftler bereits die zweite bedeutende Entdeckung innerhalb eines Jahres: 2016 bestimmte er den Schädel eines Ur-Lurchs aus dem Namu als unbekannte Art, den »Cyclotosaurus buechneri«.

Leben im Urmeer

Der Arminisaurus war im Vergleich zu seinen entfernten Verwandten, den bis zu 15 Meter langen Plesiosauriern, mit drei bis vier Metern Länge eher ein Zwerg. Er lebte in dem Urmeer, das während der Jurazeit weite Teile des heutigen Deutschland bedeckt hat.

Joshua Knüppe hat eine sogenannte Lebendrekonstruktionszeichnung des Arminisaurus angefertigt, die ihn mit einer gemusterten Haut wie sie etwa Haie haben, zeigt. Siegfried Schubert glaubt eher, dass der Schwimmsaurier »oben dunkel und unten hell« war: »Er wollte im Ozean nicht auffallen.«

Das »spektakulärste Fossil des Namu«, so dessen stellvertretender Leiter, Geologe Dr. Mark Keiter, könne jedoch nicht ausgestellt werden: »Die Knochen sind so empfindlich, dass sie, Sauerstoff ausgesetzt, im Laufe der Jahrzehnte verfallen würden.« Sie würden in einer »klimastabilen« Spezialfolie eingeschlossen.

Gemacht worden seien aber mehr als 300 Detailfotos aus verschiedenen Perspektiven, die es ermöglichen, ein 3-D-Modell herzustellen. Und das könnte man dann auch Besuchern des Museums zeigen.

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