Wie die Firma Goldbeck das Telekom-Gebäude am Kesselbrink umgestaltet

Der Gigant aus Beton

Bielefeld

Vor 50 Jahren wurde Richtfest für das Telekom-Hochhaus am Kesselbrink gefeiert. Seinerzeit war es noch das Fernemeldehochhaus. Ausgesehen hatte es es damals genauso wie heute: wie ein „nackter“ Beton-Gigant.

Michael Schläger

Das ehemalige Telekom-Hochhaus am Kesselbrink ist inzwischen völlig entkernt. Im Sonnenschein spiegelt sich das Gebäude in der Fassade der Volksbank. Foto: Bernhard Pierel

Dass sich Bielefelds höchstes Gebäude (112,81 Meter bis zur letzten Antennenspitze) derzeit so „entkleidet“ präsentiert, hat einen Grund: Der neue Eigentümer, die Firma Goldbeck, will es zu einem modernen Büro-Tower umgestalten.

„Dazu musste das Gebäude zunächst komplett entkernt werden“, sagt Projektleiter Siegfried Wendker bei einem Rundgang durch Bielefelds wohl ungewöhnlichste Immobilie. Und doch ist an diesem Gerippe schon einiges von dem erkennbar, was das künftige Hochhaus am Kesselbrink auszeichnen wird.

2,70 Meter hohe Fenster wird es bekommen. Für die geplante großzügige Verglasung mussten die Beton-Brüstungen auf eine Höhe von 25 bis 30 Zentimeter abgesägt werden.

Alles will durchdacht sein. „Das Gebäude hat eine Nord-Süd-Ausrichtung“, erläutert Wendker. „Auf der Südseite gab es früher bei starkem Sonnenschein extrem aufgeheizte Büros.“ An einem 3-D-Modell wurden deshalb die unterschiedlichen Sonnenstände und Temperaturen simuliert, um den besten Sonnenschutz herauszufinden. Kleine Lüftungsklappen wird es jetzt an den Fenstern geben. Außen wird ein Sonnenschutz angebracht. Und jede der 17 Etagen mit rund 600 Quadratmetern Nutzfläche wird eine eigene, individuell regelbare Klimatisierung erhalten.

Ebenfalls in jeder Etage wird es Wasserentnahmestellen für die Feuerwehr geben. Eines der Treppenhäuser bekommt eine Überdrucklüftung, damit es im Brandfall nicht verrauchen kann.

Nächste sichtbare Aktion wird die Trennung des Hochhauses vom Technik-Trakt an der Friedrich-Ebert-Straße sein, der weiter von der Telekom genutzt wird. „Eine kniffelige Angelegenheit“, meint Wendker.

Geprüft wurde auch, wie gerade das Gebäude dasteht. „Sehr gerade“, ist der Projektleiter zufrieden. Zur Lotmessung wurden fünf Löcher durch die Etagen gebohrt, durch die man nun von ganz oben bis ganz nach unten schauen kann.

Wer in das Gebäude einziehen wird, ist noch offen. Wendker ist in dieser Frage zurückhaltend. Im Gespräch soll nach wie vor die Polizei sein, die dringend mehr Platz benötigt. Aber da gibt es neben dem komplizierten Ausschreibungsverfahren des Landes noch ein weiteres Problem: Das Parkhaus neben dem Telekom-Gebäude mit seinen 600 Stellplätze eignet sich in der bestehenden Form nicht für den Polizei-Fuhrpark. Es müsste durch einen Neubau ersetzt werden.

Zu einem Haus der Superlative wird die einstige Telekom-Zentrale auch durch durch das, was sich zehn Meter unter diesem Parkhaus befindet: Dort gibt es im zweiten Untergeschoss einen atomsicheren Bunker, der Platz für 1333 Schutzsuchende bieten konnte, zwischendurch als Sporthalle des Post-SV diente und heute nicht mehr benötigt wird.

Das Relikt des Kalten Krieges könnte künftig als Lagerraum oder supersicherer Server-Standort genutzt worden. Auch als Kunst-Depot war es schon im Gespräch. Diese Nutzungen bleiben naturgemäß auch künftig im Verborgenen. Das Hochhaus wird aber neben der Sparrenburg die weithin sichtbare „Landmarke“ der Stadt bleiben. Da kommt es auch ganz auf sein Äußeres an. Erste Entwürfe der künftigen Außenhaut hatte das Unternehmen Goldbeck schon einmal öffentlich gemacht. Doch es wird weiter daran gefeilt. „In den nächsten Wochen wird es eine neue Visualisierung geben“, verspricht Projektleiter Wendker. Im Laufe des kommenden Jahres wird die neue Fassade dann auch sichtbar sein. Der Innenausbau richtet sich nach dem künftigen Mieter.

1972 war das damalige Fernmeldehochhaus bezugsfertig. Vielleicht ziehen ja auch 50 Jahre danach die ersten neuen Nutzer ein.

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