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FH Bielefeld an Projekt zu sozialen Robotern beteiligt

Der hilfreiche Geist soll lernen und diskret sein

Bielefeld

Früher war der alte Mann oft niedergeschlagen, wenn er vom Einkaufen nach Hause kam – keiner war da, depressive Gefühle kamen auf. Seitdem ihm der Roboter zur Seite steht, ist wieder „mehr Leben in der Bude“. Freundlich fragt das künstliche Wesen nach dem Befinden, macht Vorschläge, wen der alte Mann wieder einmal anrufen könnte und erkennt an seiner Mimik, wenn die Hüfte wieder schmerzt. Dann reagiert er adäquat und schlägt vor: „Setz‘ dich am besten erst einmal hin und schnaufe durch.“

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F Foto: Patrick Pollmeier/FH Bielefeld

Was nach Science-Fiction klingt, könnte bald Wirklichkeit werden: Eine Reihe von Forschungsteams weltweit arbeitet an Robotern, die Menschen daheim nicht nur praktisch zur Hand gehen, sondern auch empathisch agieren können. Diese „Social Robots“ sollen den Alltag etwas abwechslungsreicher und am Ende lebenswerter gestalten und als Bereicherung empfunden werden.

Ein Projekt, in dem ein solcher Roboter entwickelt wird, ist Viva. An dem dreijährigen Forschungsprogramm sind sieben Verbundpartner aus Hochschulen und Industrie beteiligt, unter anderem die Fachhochschule (FH) Bielefeld. Ihr Part besteht darin, sich um Rechtsfragen eines solchen Systems zu kümmern. Federführend ist Prof. Dr. Axel Benning, Fachbereich Wirtschaft, der das Projekt nach der Pensionierung von Prof. Dr. Brunhilde Steckler weiterführt.

Im Rahmen von Viva werden auch so genannte ELSI-Aspekte untersucht. ELSI steht für „Ethical, Legal and Social Impacts“, also ethische, rechtliche und soziale Einflüsse. „Von zentraler Bedeutung sind das Persönlichkeits- und das Datenschutzrecht“, erläutert Juristin Steckler.

Roboter lebt mit Anwendern zusammen

Der Viva-Roboter lebt mit seinen Anwendern zusammen und lernt permanent. „So wird er auch eine große Menge an personenbezogenen Informationen speichern.“ Dieser Prozess müsse in Einklang mit der Datenschutz-Grundverordnung und dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung erfolgen. „Viva muss Datenschutz von Anfang an können – so einfach ist das!“

Ein intelligenter Roboter, der dazulernt, ist für Steckler Fluch und Segen zugleich: „Es ist im Grunde die gleiche Problematik, die sich auch stellt, wenn wir im Internet unterwegs sind. Da wundern wir uns auch manchmal, dass die Suchmaschinen uns so gut kennen und nur bestimmte Themen und Produkte anbieten.“ Das kann hilfreich sein, aber durch die Vorauswahl auch eine Einschränkung des Horizonts bedeuten. Denn wie viele Eindrücke hätten wir womöglich gehabt, wenn eine Suchmaschine weniger über uns gewusst hätte, fragt Steckler.

Ein Ziel von Viva ist daher, den „Social Robot“ so zu konfigurieren, dass er immer wieder neue Herangehensweisen und Themen entwickelt. „Wir wollen ja einen sympathischen Unterstützer kreieren, der selbst aktiv wird und emotional eine tatsächliche Bereicherung darstellt“, erläutert Axel Benning. Von reinen Rechtsfragen komme man da schnell zu ethischen Fragen: Ist die Maschine fürsorglich oder eher bevormundend? Macht sie seinen Nutzer abhängig oder stärkt sie seine Autonomie?

Rechte und Pflichten definieren

Hierzu sollen Empfehlungen und Leitlinien entwickeln werden. „Vielleicht läuft es am Ende sogar da-rauf hinaus, dass wir so etwas wie eine juristische ‚Elektronische Person‘ mit Rechten und Pflichten definieren müssen.“

Allerdings sind schon die Rechtsfragen in der physischen Welt komplex, etwa die nach der Haftung: „Wer einen beweglichen Roboter im Hause hat, muss die Risiken kennen: Der Roboter könnte aus dem Gleichgewicht geraten und in eine teure Glasvitrine stürzen. Oder jemand fällt versehentlich über die Maschine“, erläutert Steckler.

Auch vertragsrechtliche Fragen tauchen auf, sagt Benning. Etwa: Wird es Viva auf Krankenschein geben? Können der Roboter oder einzelne Teile geschützt werden als Design, Marke oder Patent? Auch dafür sind Lösungen nötig. Weil es in dem Projekt genug Arbeit für Juristen gibt, läuft bereits ein neuer Antrag zum Thema „Integrierte Forschung“ im Bereich Mensch-Technik-Interaktion des Bundesforschungsministeriums.

Noch gibt es Viva nur „auf dem Papier“ – und in den Rechnern der Entwickler und Entwicklerinnen. Der Roboter wird aber definitiv in diesem Jahr im wahrsten Sinne des Wortes Gestalt annehmen. „Er wird mobil sein und ungefähr die Größe eines Kindes im Grundschulalter haben – so viel dürfen wir verraten“, erzählt Steckler.

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