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Rainer Vierzigmann fährt mit dem Auto zum Spiel Deutschland gegen Südkorea

Der lange Weg nach Kazan

Bielefeld (WB). Wenn Deutschland am Mittwoch in Kazan gegen Südkorea antritt, ist Rainer Vierzigmann live dabei. Am Sonntag macht er sich gemeinsam mit Tochter Nadja auf den Weg. 3000 Kilometer in vier Tagen – mit dem Auto.

Nicole Koch

Sonntag macht sich Rainer Vierzigmann auf die 3000 Kilometer lange Strecke nach Kazan. Foto: Nicole Koch

Die Karten bekam er zum 50. Geburtstag von seiner Familie und seinen Nachbarn geschenkt. Seit 2006 schauen sie regelmäßig gemeinsam die Fußballübertragungen an. Treffpunkt ist die »Rainarena«, ein Anbau im Garten von Rainer Vierzigmann, der mit Leinwand, Fahnen und WM-Maskottchen schon fast wie ein kleines Vereinsheim anmutet. Hier wird er am Samstagabend noch in geselliger Runde das Spiel der deutschen Nationalelf gegen Schweden verfolgen. Am nächsten Morgen geht es dann an Bord seines VW Golf Richtung Kazan.

Schon 1990 in Italien dabei

Es ist das zweite WM-Spiel, das Rainer Vierzigmann im Stadion miterlebt. 1990 fuhr er mit einigen Kommilitonen bis nach Turin und fieberte mit, als Deutschland im Halbfinale auf England traf und gewann. »Wir sind quasi direkt nach einer Prüfung losgefahren. Die Karten haben wir erst in Turin am Stadion gekauft.« In Zeiten des Internet-Ticketverkaufs unvorstellbar.

Ganz so spontan ist der WM-Trip dieses Mal deshalb auch nicht. Im Januar wurde er mit dem Geschenk überrascht, doch es dauerte noch etwas, bis das Losverfahren abgeschlossen war, und feststand, dass er tatsächlich zu den Glücklichen gehört. Als Reisebegleitung hat Rainer Vierzigmann seine Tochter Nadja gewählt.

Die Tochter fährt mit

Die 18-jährige Studentin ist zwar kein so leidenschaftlicher Fußball-Fan wie ihr Vater, doch sie freut sich auf das Abenteuer und war die Ideengeberin für die Geburtstagsüberraschung. »Er hat so oft von der Weltmeisterschaft in Italien erzählt und wie toll das damals war, da war es einfach das perfekte Geschenk.«

Fast genau 3000 Kilometer liegen zwischen Bielefeld und Kazan. Von Deutschland aus geht es über Polen und Weißrussland nach Russland. Absolutes Neuland für die beiden. Vier Tagesetappen haben sie geplant. An den Feinheiten wird jetzt noch bis zur letzten Minute gearbeitet. »Reisepass, Visum, Auslandsversicherung . . ., da müssen einfach viele Kleinigkeiten beachtet werden«, sagt Vierzigmann. Eine Dashcam, wie sie die Mehrheit der russischen Autofahrer benutzt, steht auch noch auf der Checkliste.

Erst 1:0, dann 3:0

»Alleine hätte ich diese lange Strecke nicht in Angriff genommen«, sagt er und freut sich, dass ihn seine Tochter am Steuer ablösen kann. Auch da muss jedoch genau geplant werden: »Laut Gesetz dürfen Fahranfänger in Weißrussland und Russland nicht schneller als 70 Stundenkilometer fahren«, erklärt Nadja, die erst seit etwas über einem halben Jahr den Führerschein besitzt. »Aber nach der Tour ist sie keine Anfängerin mehr«, meint Rainer Vierzigmann.

Seine Nachbarn werden sich am Mittwoch an gewohnter Stelle treffen und hoffen nicht nur darauf, ein gutes Spiel zu sehen, sondern »ihren« Rainer auf einer der Stadionleinwände zu entdecken. Der erwartet gegen Südkorea ein klares 3:0. Für Samstag ist seine Prognose etwas zurückhaltender, aber nicht weniger optimistisch: »Gegen Schweden gewinnen wir 1:0.«

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