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Langjähriger SPD-Fraktionschef Georg Fortmeier verlässt Bielefelder Kommunalpolitik

Der Moderator geht

Bielefeld

Am Freitag ist Georg Fortmeier noch einmal im Rathaus. Er gibt seinen Schlüssel ab, die Parkkarte für die Tiefgarage. „Schon ein komisches Gefühl“, sagt der 65-Jährige. Noch einschneidender war für den Sozialdemokraten die letzte Ratssitzung im September. „Zu wissen, dass jetzt Schluss ist...“

Michael Schläger

In der Bezirksvertretung Dornberg begann der bisherige SPD-Ratsfraktionschef Georg Fortmeier Foto: Bernhard Pierel

Aber diesen Schlusspunkt hat er für sich selbst gesetzt. „Mit 65 aufzuhören, hatte ich mir seit langem vorgenommen“, erzählt Fortmeier. Mit der Kommunalpolitik klappt das. Mit seinem Landtagsmandat nicht. Die Wahlperiode endet erst 2022. Aber die Perspektive ist da: „Endlich mehr Zeit.“

Seine kommunalpolitische Laufbahn begann 1994 in der Bezirksvertretung Dornberg, der der Jurist bis 2010 angehörte. 1999 wurde Fortmeier Ratsmitglied, 2009 Fraktionschef. Zwei Rathaus-Koalitionen musste er in dieser Zeit „managen“. Zunächst die Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP („Das war die schwierigere Aufgabe“) und bis zuletzt das Paprika-Bündnis zusammen mit den Grünen und den kleinen Partnern von Bürgernähe und (später) den Lokaldemokraten. Zugute gekommen ist Fortmeier dabei sein Moderationstalent. Er ist der Ausgleichende, der, der unterschiedliche Positionen zueinander bringen kann.

16 Jahre war Fortmeier Vorsitzender des Stadtentwicklungsausschusses. „Nur der frühere CDU- und BfB-Politiker Helmut Elges kommt auf mehr Jahre - mit Unterbrechungen“, sagt er durchaus mit Stolz. Das Projekt „Stadt-Park-Landschaft“ ist eines, das ihm aus dieser Zeit besonders ans Herz gewachsen ist. Es umfasst unter anderem die Neugestaltung von Johannisberg und Sparrenburg. Aber auch Uni-Erweiterung und der Neubau der Fachhochschule bestimmten die Debatten in dem Gremium und zuletzt die Verkehrswende, die im Kern die Halbierung des Autoverkehrs beinhaltet. „Ein notwendiger Schritt“, findet der SPD-Politiker.

Dass seiner Partei vorgehalten wird, sich inzwischen zu nah an die Grünen anzulehnen, weist Fortmeier zurück. „Natürlich hat die SPD auch ein ökologisches Profil“, sagt er. „Aber wir sind vor allem die Partei, die für den sozialen Ausgleich sorgt.“ Vorhaben wie die langfristige Absicherung der Leistungsverträge mit den Sozialverbänden schreibt er vor allem auch seiner Partei zu. Der CDU hält Fortmeier vor, sich häufig aus der Verantwortung gezogen zu haben. Etwa nach der Wahl 2014, als es am Ende neun Monate gedauert hatte, bis sich das Paprika-Bündnis gebildet hatte, dem nur eine geringe Lebenserwartung vorausgesagt wurde, das aber während der gesamten Wahlperiode hielt.

Die Sonntage vor den Sitzungen des Stadtentwicklungsausschusses waren für Fortmeier bisher vom Studium der Vorlagen und Bebauungspläne bestimmt. Damit ist jetzt Schluss. Dafür können die Spaziergänge mit seiner Frau Almut Hippe, die als Referentin von Kultur- und Schuldezernent Dr. Udo Witthaus ebenfalls im Rathaus arbeitet, nun länger dauern.

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