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Tom Gaebel und sein Orchester verbreiten gute Laune in der Bielefeld Oetkerhalle

Der »Tiger von Ibbenbüren« swingt

Bielefeld (WB). Mit einem Weinglas in der Hand kommt Tom Gaebel auf die Bühne, tritt in seinem schicken Smoking ans Mikrofon und singt die ersten Zeilen von »Eye Of The Tiger«. Das vor allem aus dem »Rocky«-Film bekannte Stück scheint nicht die logische Wahl zu sein für den Auftakt eines Konzerts des Crooners.

Kerstin Panhorst

Tom Gaebel reißt in der Oetkerhalle 500 Fans mit und wird später vom Publikum gefeiert. Foto: Hendrik Uffmann

Doch was eigentlich nicht passt, wird von Gaebel passend gemacht. Der 44-Jährige transformiert die Lieder anderer Künstler zu Lounge-Cover-Versionen, er drückt ihnen seinen Stempel auf und verwandelt sie fingerschnippend in swingende Retrostücke

»Ich bin ein Freund von altmodischem Swinggrooves, zu denen man so tanzbärmäßig durch die Wohnung flanieren kann«, erzählt Gaebel den mehr als 500 Besuchern in der Rudolf-Oetker-Halle. Gemeinsam mit seinem Orchester ist der gerne als »deutscher Sinatra« titulierte Sänger nach Bielefeld gekommen, um sein neues Album »Perfect Day« vorzustellen und auch ein paar Klassiker zu bieten.

Launig-charmante Zwischenmoderationen

Dabei besticht Gaebel nicht nur mit seinem Timbre und der in Stücken wie »Ol’ Man River« durchscheinenden großen Range seiner Stimme, sondern auch mit seinen Entertainer-Qualitäten. Gemeinsam mit Posaunist Richie Hellenthal gibt er Bert Kaempferts »L-O-V-E« als unterhaltsames Duett zum Besten, entlockt einem Theremin die Titelmelodie von »Captain Future« oder bringt mit Hilfe einer Okarina und dem Publikum als Background-Chor Ennio Morricones unverwechselbares Western-Thema »The Good, the Bad and the Ugly« auf die Bühne. Zwischendurch zeigt er noch seine Fähigkeiten an Posaune und Schlagzeug – die er einst ebenso wie Jazzgesang in Amsterdam studierte – und mit launig-charmanten Zwischenmoderationen gibt er ironische Einblicke in sein Musikerleben.

Die Hoffnung, irgendwann doch noch 007 zu werden

Da man ihm fälschlicherweise im Jahr 2006 nicht die Rolle des legendären Geheimagenten angeboten habe, erklärt Gaebel, komponiere er nun für jedes seiner Alben einen James-Bond-Song, in der Hoffnung, irgendwann doch noch 007 zu werden. Mit dem neuen, »Taking Back My Crown«, könnte ihm das glatt gelingen, mit seiner pompös arrangierten Melodie und einer Portion Größenwahn im Text ist er die unwiderstehliche Hymne eines Superschurken, der nach Weltherrschaft und Rache strebt.

Das sonstige Oeuvre gestaltet sich hingegen weniger dramatisch, sondern eher locker-leicht und swingend mit Eigenkompositionen und Stücken von, natürlich, Sinatra, aber auch Sam Cooke oder Tom Jones. »Das ist ein Mann, mit dem ich nicht nur den Vornamen teile, sondern auch die üppige Brustbehaarung. Man nennt mich auch den Tiger von Ibbenbüren«, erklärt Tom Gaebel. Er trifft mit seiner Gute-Laune-Musik genau den richtigen Nerv beim Publikum, welches ihn deshalb am Ende mit stehenden Ovationen und lang anhaltendem Applaus feiert.

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