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Bielefelder Bildungsstätte Haus Neuland richtet sich mit neuem Projekt an Jugendliche im Strafvollzug

Deutschrap als Zugang zur politischen Bildung

Bielefeld

Laute Bässe, eingängige Beats und ein oftmals provokativer Text: Auf den ersten Blick scheinen Deutschrap und politische Bildung nicht wirklich viel gemeinsam zu haben. Doch mit dem neuen Projekt #Respect! beweist die Bielefelder Bildungsstätte Haus Neuland, dass der erste Blick täuscht und Deutschrap besonders für Jugendliche und junge Erwachsene ein geeigneter Zugang zur politischen Bildung sein kann.

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Projektkoordinator Daniel Marchand, Rapper und freier Referent in der Jugendbildung Sinan Demir (alias S. Castro) und Projektkoordinator Felix Tiemann Foto: Sabrina Jostameling

Von „Haftbefehl“ bis „Capital Bra“ – Deutschrap ist aus dem Alltag vieler Jugendlicher nicht mehr wegzudenken. Die Songs der Interpreten werden in Dauerschleife gehört und vielfach geteilt. Besonders jugendliche Strafgefangene stehen im gesellschaftlichen Abseits.

Um ihnen eine Chance zu bieten, am gesellschaftlichen Diskurs teilzuhaben, will das Projekt #Respect! jugendliche Strafgefangene im gewohnten Umfeld abholen.

Vor dem Hintergrund der teilweise von Gewalt, Kriminalität und Ausgrenzung geprägten Vergangenheit sollen durch die Auseinandersetzung mit den bekannten Songs politische Werte hinterfragt und diskutiert werden.

Den Stimmlosen eine Stimme geben

„Deutschrap ist ein Genre, das den Stimmlosen eine Stimme gibt und Themen, Wünsche sowie Probleme abseits der Mehrheitsgesellschaft verhandelt. Das Projekt will diesen Zugang aufnehmen und jugendlichen Strafgefangenen politische Bildung und Medienkompetenz näherbringen“, erläutert Daniel Marchand, der das Projekt von Haus Neuland zusammen mit Felix Tiemann und dem freien Referenten Sinan Demir durchführt.

Im Januar 2021 ist das Projekt, das von der Bundeszentrale für politische Bildung gefördert wird, gestartet. In vier Workshops zu unterschiedlichen Schwerpunkten gehen die jugendlichen Strafgefangenen unter anderem der Frage nach: „Wie ‘real‘ ist Deutschrap?“ „Im Mittelpunkt steht eine kritische Auseinandersetzung mit den im Deutschrap transportierten Narrativen in Bezug auf Geld, Status, Geschlechterbilder und anderen Diskriminierungsformen.

Durch die Arbeit mit Songtexten und Musikvideos lernen die teilnehmenden Jugendlichen, ihre eigene politische Haltung zu reflektieren“, erklärt Projektkoordinator Felix Tiemann. Zum Ende des Projektes bekommen die jugendlichen Strafgefangenen zudem die Möglichkeit, sich mit ihren gesammelten Erfahrungen kreativ auseinanderzusetzen. Gemeinsam mit dem Rapper und Referenten der politischen Bildung Sinan Demir (alias S. Castro) produzieren sie einen selbst geschriebenen Rap.

Erfahrung in der politischen Jugendarbeit

Bei der Durchführung des Projekts kann auf die Erfahrung der Bildungsstätte Haus Neuland in der politischen Jugendarbeit zurückgegriffen werden. Bereits in den Sommerferien 2020 gingen Jugendliche im Real-Talk Sommercamp auf die Suche nach den Wurzeln, Themen und Kritikpunkten des Phänomens Deutschrap.

Auch 2021 sollen Jugendliche aus OWL die Gelegenheit bekommen, sich intensiv in ihren Ferien mit dem Thema Deutschrap auseinanderzusetzen und ihren eigenen Song aufzunehmen. Dafür sind erneut je ein Camp in den Sommerferien (26. bis 30. Juli) und den Herbstferien (18. bis 22. Oktober) geplant. Die Feriencamps werden von der Bundeszentrale für politische Bildung gefördert.

Weitere Informationen zum Projekt, dem Real-Talk Feriencamp sowie den Kontakt zu den Projektkoordinatoren finden Interessierte auf der Webseite www.haus-neuland.de.

Gerne können Fragen und Anliegen auch in einer E-Mail an respect@haus-neuland.de gerichtet werden.

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