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Kevin Kühnert und OB Clausen sprechen über Jugendarbeit in Bielefeld

Dialog mit dem Juso-Chef

Bielefeld (WB). Für den Dialog mit den Bielefelder Jugendverbänden hat sich OB Pit Clausen am Freitag Schützenhilfe vom prominenten Nachwuchs seiner Partei geholt: Kevin Kühnert, scheidender Bundesvorsitzender der Jusos und stellvertretender Bundesvorsitzender der SPD, stellte sich am Grünen Würfel auf dem Kesselbrink den Fragen.

Peter Bollig

Im Gespräch mit Vertretern von Jugendverbänden und SPD-Politikern: Juso-Bundesvorsitzender Kevin Kühnert (Zweiter von rechts), Bielefelds SPD-Chefin Wiebke Esdar, Oberbürgermeister Pit Clausen (rechts) und Fraktionsgeschäftsführer Björn Klaus. Foto: Peter Bollig

Lässig im Arminen-Shirt – der 31-jährige Berliner war erst Stunden zuvor auf der Alm dem DSC beigetreten, ist schon länger bekennender Fan des Bielefelder Klubs – steuerte Kühnert am Freitag den roten Kinderwagen mit Wiebke Esdars Nachwuchs an Bord auf die Terrasse des Grünen Würfels, kam mit der Bielefelder SPD-Chefin gerade von einer Veranstaltung aus Werther zurück. Im Bereich Jugendpolitik hätten sie und Pit Clausen eben noch das Kommunalwahlprogramm nachgeschärft, die Gründung eines Jugendkulturhauses auf die Agenda gesetzt, erklärte Esdar den 30 Besuchern. Und die Jugendlichen sollen beim Planungsprozess einbezogen werden.

Jugendliche nicht verdrängen

Kevin Kühnert hörte das gerne. „Jugendbeteiligung muss ein verpflichtendes Prinzip, Jugendpolitik ein eigenständiges Politikfeld sein“, forderte der Juso-Chef. Gleichwohl sieht er die Gründung von Jugendparlamenten kritisch. Dort säßen vor allem die, die sich ohnehin engagierten, nicht diejenigen aus sozialen Brennpunkten. Besser wäre es, die betroffenen Kinder und Jugendlichen zu konkreten Themen vor Ort aufzusuchen und einzubeziehen.

Dass an vielen Stellen Jugendzentren nur noch eingeschränkt für lautere Aktivitäten wie Konzerte oder Musikkurse zur Verfügung stehen, weiß nicht nur Pit Clausen mit Blick auf Jugendzentren wie Kamp oder Falkendom. „Natürlich gibt es Konflikte, aber es geht nicht anders als mit solchen Einrichtungen“, sagte Kühnert. Denn die seien wichtig für Jugendliche, die sonst keinen Rückzugsraum haben. „Menschen zu verdrängen, ist keine Lösung. Wer das nicht sieht, hat kommunalpolitisch nichts verstanden“, so der Juso-Chef.

Geld vom Bund

In der Bundespolitik wolle man die Kommunen unterstützen, Grund und Boden zu behalten oder zurückzukaufen, um gestalten zu können. SPD-Spitzenkandidat Riza Öztürk appellierte denn auch: Man brauche auch Mittel vom Bund, sonst würden alle Konzepte nicht helfen.

Investitionen stellte Clausen den Jugendverbänden bereits in Aussicht. Der Grüne Würfel stehe dafür, dass „wir neue Wege in der Jugendarbeit gehen“. Eine halbe Million Euro jährlich sollen für die Erneuerung in Jugendzentren fließen. Denn die seien wichtig, um Teilhabechancen zu verbessern. Die Corona-Krise habe gezeigt, dass diejenigen, die schon benachteiligt waren, „weiter abgehängt worden sind“.

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