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Folge 2: Eberhard David und Hans-Rudolf Holtkamp erinnern sich an 33 Ratsmitglieder und eine starke Verwaltung

Die „amtsangehörige Gemeinde Senne I“

Bielefeld

Vor 50 Jahren veränderte sich die Stadt Bielefeld fundamental. Grund war die kommunale Neuordnung in Nordrhein-Westfalen. Im Teil 2 unserer neuen Serie geht es um die „amtsangehörige Gemeinde Senne I“. 

Von Burgit Hörttrich

Der spätere Bielefelder Oberbürgermeister Eberhard David gehörte dem letzten Rat von Senne I an, Hans-Rudolf Holtkamp, bis 2014 Geschäftsführer von Bielefeld Marketing, war zum Zeitpunkt der Kommunalen Neuordnung Leiter des Hauptamtes Senne I. Das ehemalige Rathaus ist heute das Bezirksamt Senne. Foto: Bernhard Pierel

Alle Folgen der Serie 50 Jahre „Bielefeld-Gesetz“ - Vom Kreis zur Großstadt sind auf unserer Sonderseite zu finden.

„Da oben war mein Büro.“ Hans-Rudolf Holtkamp zeigt auf eine Fensterreihe im ersten Obergeschoss des Bezirksamtes Senne an der Windelsbleicher Straße. In jenem Büro war Holtkamp bis zur Kommunalen Neuordnung als Leiter des Hauptamtes Senne I tätig. Dort hatte er auch vier Jahre zuvor Eberhard David kennengelernt. David gehörte dem letzten Rat der selbstständigen Gemeinde Senne I an, der mit Inkrafttreten des „Bielefeld Gesetzes“, verabschiedet am 24. Oktober 1972, seine Funktion verlor.

Für Holtkamp, bis zu seinem Ruhestand Ende 2014 Geschäftsführer der Bielefeld Marketing, war die Gebietsreform am 1. Januar 1973, als der Kreis in der Stadt Bielefeld aufging, die zweite, die er innerhalb weniger Jahre erlebte.

Holtkamp begann 1964 beim Amt Brackwede seine Ausbildung als Anwärter für den gehobenen Dienst. 1968 wurde er von dort abgestellt zur „amtsangehörigen Gemeinde Senne I“ - als Partnerschaftsbeauftragter (Concarneau). Zum 1. Januar 1970 wurde das Amt Brackwede aufgelöst, die Stadt Brackwede wurde zur Rechtsnachfolgerin. Das Kirchdorf Isselhorst und die Bauernschaften Hollen, Ebbesloh und Niehorst wurden von Gütersloh eingemeindet.

Neue Serie, Teil 2: Vom Kreis zur Großstadt

Holtkamp, inzwischen Gemeindeinspektor, wurde Leiter des Hauptamtes Senne I und gleichzeitig Schriftführer im Rat von Senne I. Er sagt, damals habe es „eine starke Verwaltung“ gegeben und ja, die geplante Neuordnung sei „heftig diskutiert“ worden. Eberhard David (80), der spätere Oberbürgermeister Bielefelds (bis 2009), erinnert sich daran, wie er „eigentlich zufällig“ in die Politik gekommen sei. Ursprünglich nämlich sei sein Vater, Leiter des Schillingshofes, gefragt worden, ob er nicht für den Senner Rat kandidieren wolle. David: „Es war damals üblich, dass mindestens ein Vertreter Bethels im Gremium vertreten war.“ Sein Vater aber habe den lokalen CDU-Politikern nahe gelegt, doch lieber seinen Sohn zu fragen. Der zu jener Zeit 27-Jährige sagte zu, wurde nach der Wahl Fraktionsvorsitzender und holte - darauf ist er ein bisschen stolz - seinen Senner Wahlkreis ununterbrochen bis 2009 direkt.

Der letzte Rat von Senne I, 1969 gewählt, hatte 33 Mitglieder. Senne I hatte rund 18.000 Einwohner. Nach der Neuordnung gab es an Stelle eines Rates die Bezirksvertretung. Foto:

„Senne I war keine arme Gemeinde“

„Senne I war keine arme Gemeinde“, betont David. Es sei wichtig gewesen, nach der Kommunalen Neuordnung „die eigene Identität zu bewahren“: „Das galt für alle Stadtbezirke gleichermaßen.“ Die ersten Kommunalwahlen nach der Gebietsreform hätten, so David, im November 1973 stattgefunden: „In den Monaten davor führte in Senne I ein Übergangsgremium die politischen Geschäfte.“ Der CDU-Politiker war dann von 1979 bis 1989 Bezirksvorsteher (heute: Bezirksbürgermeister) von Senne, anschließend dann zum ersten Mal Oberbürgermeister Bielefelds. Und klar, Senne I habe noch vor dem 1. Januar 1973 Projekte in die Wege geleitet, die später vielleicht nicht mehr so oder gar nicht umgesetzt worden wären, so David: „Die Sanierung des Senner Freibades, der Bau der Realschule und ein Hallenbad hatten wir auch. Aber das ist leider später abgerissen worden...“ Was Senne nie gehabt habe: „Eine Ortsmitte!“

Hans-Rudolf Holtkamp (74) blieb noch bis Mitte 1973 in Senne: „Dann wurde eine Stelle im neuen Amt für Wirtschaftsförderung und Fremdenverkehr im Bielefelder Rathaus ausgeschrieben. Ich habe mich beworben und wurde genommen...“ 1979 „folgte“ ihm Eberhard David ins Rathaus am Niederwall: Er wurde Ratsmitglied. Seine Motivation für die Kandidatur: „Ich wusste, wollte ich für den Bezirk Senne etwas erreichen, musste ich Mitglied des Rates sein.“

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