Elke Paul und Martin Koroscha zeigen ihre Werke in der Bielefelder Produzentengalerie

Die Anziehungskraft der Gegensätze

Bielefeld (WB)

Eine 30-jährige Freundschaft verbindet die Künstlerin Elke Paul und den Künstler Martin Koroscha. Kennengelernt haben sie sich beim Studium der Bildenden Kunst an der Fachhochschule Otterberg. Seit einigen Jahren teilen sie sich ein Atelier. In der Produzentengalerie zeigen die aus Bremen stammenden Künstler nun ihre jeweils eigenständigen Werke unter dem Titel „connection“ (Verbindung).

Uta Jostwerner 

Rhythmisch wiederkehrende, florale Motive sowie eine enorme Leuchtkraft kennzeichnen die Werke von Elke Paul. Foto: Thomas F. Starke

Gegensätze ziehen sich an. Pauls wilde Ornamentik scheint auf den ersten Blick nichts mit den konstruierten Bildern Koroschas zu tun zu haben. Und doch sind in ihren Arbeiten Gemeinsamkeiten auszumachen: Beide arbeiten mit Acrylfarben, beide schöpfen reichlich aus der Farbpalette, beiden ist der spielerische, variantenreiche Umgang mit wiederkehrenden Bildelementen gemein.

Elke Paul entwickelt ihre üppig wuchernden, von floralen Motiven gekennzeichneten Bilder intuitiv. „Ich lasse es zu, dass das Bild sich entwickelt, indem ich in einen Dialog mit ihm trete“, sagt die 54-Jährige, die stets an mehreren Bildern gleichzeitig arbeitet.

Ihren Werken liegt ein mehrschichtiger Farbauftrag zugrunde. Manchmal trägt sie Farbe mit einem Spachtel wieder ab. Die Strukturen, die dabei entstehen, finden Eingang in die Bildkomposition, die von rhythmisch wiederkehrenden, floralen Motiven gekennzeichnet ist, darüber hinaus aber dem Gegenstandslosen huldigt.

Naturalistische und geometrische Elemente vereint Martin Koroscha in einer harmonisch-schlüssigen Bildsprache. Foto: Thomas F. Starke

Neonfarben verleihen ihren Bildern eine besondere Leuchtkraft. Es sind Gute-Laune-Bilder, in denen sich der Betrachter verlieren kann. „Ich wünsche mir, dass der Betrachter in den Bildern mit den Augen spazieren gehen kann und immer wieder Neues darin entdeckt“, sagt Elke Paul.

Im Gegensatz zu ihren urwüchsig anmutenden Bildern wirken die Landschaftspanoramen von Martin Koroscha erst einmal sehr nüchtern und rational.

„Vor 20 Jahren habe ich mich gefragt, wie man Landschaft malen kann, ohne sie abzubilden. Ich habe im Surrealismus einen Weg gefunden“, erzählt der 62-Jährige, der naturalistische und geometrische Elemente in einer harmonisch-schlüssigen Bildsprache vereint. Etwa, indem er Tannen malt, die im Bild einen Widerhall in kegelförmigen Abstraktionen finden.

Auf den ersten Blick wirken seine Werke wie Drucke. Doch das täuscht. „Ich ziehe Linien mit Lineal und Bleistift“, sagt Koroscha, der die Flächen anschließend mit Acrylfarbe und Pinsel handwerklich perfekt ausarbeitet. Oft liegen bis zu sechs Farbschichten überein­ander.

„Noch muss ich nichts abkleben, meine Hand ist ruhig“, erläutert der Künstler den Entstehungsprozess seiner surreal anmutenden Landschaften.

Koroscha lässt scharfkantig-geometrische Formen und naturalistische Darstellungen in einen spannungsvollen Dialog treten. Mal wird ein Wald von irrlichternden Kreisen durchzogen, mal bricht üppiges Grün in streng architektonische Häuser-Landschaften ein – oder ist es umgekehrt? Die Sichtweise überlässt der Künstler dem Betrachter. In jedem Fall aber regt Koroscha mit seinen Werken einen gesellschaftspolitischen, ökologischen Diskurs an.

Die Ausstellung in der Produzentengalerie, Rohrteichstraße 36, läuft bis zum 8. Mai. Interessierte können Besuchstermine telefonisch unter 0521/1369200 oder per E-Mail mail@produzenten-galerie.de vereinbaren. Zudem ist die Ausstellung auch sehr gut durch die Schaufensterscheibe einsehbar.

Startseite