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Kommentar zur Debatte um das Verbot von Einfamilienhäusern

Die Grünen und ihr ehrlicher Anton

Der Wohnraum in den Großstädten wird immer knapper. Die Mieten steigen. Einfamilienhäuser sind kaum mehr bezahlbar. Die Grünen, das Eigenheim und der Wahlkampf-Flop: Auch in Bielefeld läuft die Debatte. Ein Kommentar von André Best.

André Best

Anton Hofreiter, Fraktionsvorsitzender der Grünen, hat eine Diskussion angestoßen. Seitdem ist der Ärger groß, auch in Bielefeld. Foto: dpa

Man hätte gerne einmal Mäuschen gespielt. Wer die Bielefelder Grünen-Bundestagsabgeordnete Britta Haßelmann kennt, weiß, dass sie vermutlich im Dreieck gesprungen sein muss. Mindestens aber wird sie fassungslos den Kopf geschüttelt haben über den Wahlkampf-Fauxpas ihres Fraktionsvorsitzenden Anton Hofreiter.

Das Gerede rund um das Verbot von Einfamilienhäusern reicht bis ins Oberzentrum Bielefeld. Auch Jens Julkowski-Kepp­ler, der Fraktionschef im Bielefelder Rat, wird über die aktuelle Debatte alles andere als erfreut sein. Zumal die Grünen dieses Thema so schnell nicht wieder loswerden. Es klebt an ihnen wie Kleister.

Nicht zuletzt auch im Zusammenhang mit der aktuellen Kritik der Naturschutzverbände an dem neuen Regionalplan hat die Debatte an Fahrt aufgenommen. Werden die Grünen von vielen in und um Bielefeld bereits als eine Autoverbotspartei wahrgenommen, so droht ihnen nun auch noch ein Etikett mit der Aufschrift „Einfamilienhaus-Verhinderer“.

Solch ein Image wäre Gift für eine Partei, die sich spätestens nach der Kommunalwahl längst als ein politisches Schwergewicht in der Stadt sieht und mit ihrem Juniorpartner SPD mehr als nur die Verkehrswende umgesetzt wissen will.

Die Bielefelder Grünen gehörten zuletzt nicht gerade zu den Parteien, denen die Ausweisung neuer Wohn- und Gewerbeflächen besonders am Herzen lag. Nein, bei diesem Thema hat sich die Umweltpartei nicht sonderlich hervorgetan, um es einmal vorsichtig auszudrücken.

Die Frage der Zukunft bleibt also: Wie viel Fläche für Wohnraum und auch neues Gewerbe muss bereit gestellt werden, damit Bielefeld auch in Zukunft attraktiv bleibt – für Menschen und auch für Unternehmen, die sich gerne erweitern möchten?

Natürlich möchten die Grünen Einfamilienhäuser nicht grundsätzlich verbieten. Bestimmt nicht. Aber einfach nur verplappert hat sich Anton Hofreiter gewiss nicht. Vielleicht ist er nur eine ganz ehrliche Haut und hat einfach die Wahrheit gesagt.

André Best, Leiter der Bielefelder Lokalredaktion. Foto: WB
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