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Beim Tag der offenen Töpferei geben Bielefelder Keramikerinnen Einblick in ihre Werkstätten - mit Video

Die Kunst aus dem Feuer

Bielefeld (WB). Es dauert nur wenige Minuten, dann hat Andrea Wilser an der Drehscheibe aus einem Klumpen Ton eine Langhalsvase geformt. Beim Tag der offenen Töpferei konnten ihr die Besucher dabei über die Schultern schauen.

Uta Jostwerner

Die Keramikerin Stephanie Ahn bezieht ihre Inspiration aus Fels- und Höhlenmalereien. Nach dem Brennen wird der schwarze Ton von ihr mit Oxyden bearbeitet. Foto: Oliver Schwabe

Ihre Töpferei im Werkhaus war am Wochenende Ziel zahlreicher Ausflügler, die einen staunenden Blick in die Werkstätten und Ateliers der Bielefelder Keramiker warfen. Gelernt hat die gebürtige Juisterin ihr Handwerk bei ihren Eltern Annemarie und Werner Schmidt-Tummeley. 1974 verließ sie die ostfriesische Insel und zog der Liebe wegen nach Bielefeld, wo sie seit 1976 an der Weststraße 4 die Töpferei im Werkhaus betreibt. Hier hat sie ihren ganz eigenen Stil aus klaren Formen und zurückhaltender Ornamentik entwickelt.

»Nach einer Phase, in der ich individuelle Gebrauchskeramik gestaltet habe, habe ich mich in den vergangenen Jahren der alten japanischen Technik des Rakubrands zugewandt«, erzählt An­drea Wilser. So entstehen einzigartige Objekte aus dem Zusammenspiel der vier Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft. Häufig kombiniert sie ihre Kreationen mit Treibholz, dass sie nicht nur am heimatlichen Nordseestrand, sondern auch den Stränden von Rhodos, Kenia, Südfrankreich oder Sardinien findet.

Objekte von archaischer Schönheit

Nur 100 Meter weiter die Weststraße herunter befinden sich Werkstatt und Galerie von Stephanie Ahn, die vor 25 Jahren gemeinsam mit Ehemann Olaf Hülsmann das Atelierhaus Chaco gründete.

Die wiederhergestellten Räume einer ehemaligen Schlachterei im Hinterhof der Weststraße 32 strotzen vor Kreativität. Unten befindet sich ein Schweißraum mit Plasmaschneider. Dort entstehen die filigranen, an Scherenschnitte erinnernden Eisenbilder der beiden Künstler. Über eine steile Holztreppe gelangt man in die Keramikwerkstatt, dem Reich von Stephanie Ahn, in dem Objekte von archaischer Schönheit aus Ton, Eisen und Treibholz entstehen.

Mehrfach ausgezeichnet

»Ich arbeite aus dem Bauch heraus«, sagt die 1969 in Bielefeld geborene Künstlerin, die nie eine gestalterische Ausbildung absolvierte, gleichwohl aber die künstlerische Gestaltung im Blut hat. Ausgezeichnet wurde sie für ihre außergewöhnlichen Objekte mehrfach, so unter anderem mit dem Internationalen Keramikpreis Hanau oder dem Kölner Keramikpreis »33 – die närrische Zahl«.

Inspiration findet sie in der Natur. Einen nachhaltigen Eindruck hinterließen bei ihr die Felsmalereien im Chaco-Canyon in New Mexiko. »Der Besuch damals Anfang der 1990er Jahre hat unsere Arbeit sehr geprägt. Daher stammt auch der Name unseres Atelierhauses«, erklärt Stephanie Ahn. Der archaische Charakter ist bis heute prägend für ihre Kreationen, die sowohl für den Innen- als auch den Außenbereich entstehen.

Während die Innenobjekte in einem zur Straße gelegenen Galerieraum zu bewundern sind, schwingen die Outdoor-Objekte im Garten des Künstlerpaares locker im Wind. Zum Beispiel die schlanken Windwiegen – Eisenstelen, die im Kern einen hellen Keramik-Kokon umschließen.

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