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Das Jahr 2020 in Bielefeld: Am 6. Juli beginnt der Jahnplatz-Umbau

Die Operation am offenen Herzen

Bielefeld

Wie viel ist über den Jahnplatz und seine künftige Gestaltung diskutiert worden! Fast jeder Planungsschritt sorgte für eine Kontroverse. Ärger hat es zuletzt noch wegen der Ausschreibung gegeben. Der Rat muss Beschlüsse wiederholen. Aber dann, am 6. Juli, ist es soweit: Der Umbau beginnt. Er ist wie eine Operation am offenen Herzen der Stadt. Die prognostizierten Staus aber bleiben aus. Dafür halten sich anfangs noch sehr wenige Autofahrer an die vorgeschriebene Umleitung, es hagelt Verwarngelder.

Michael Schläger

18 Millionen Euro Foto: Bernhard Pierel

Der Plan ist ambitioniert. Innerhalb von zwei Jahren muss die Umgestaltung des zentralen Innenstadt-Platzes klappen. 18 Millionen Euro sind dafür vorgesehen, das meiste davon sind Zuschüsse. Gerade deshalb muss auch alles pünktlich fertig sein. Bis spätestens zum 30. Juni 2022.

Und eigentlich läuft die Sache richtig gut – wären da nicht die 375.000 Pflastersteine, die dem Platz ein neues, leicht beigefarbenes Antlitz verleihen sollen. Stimmt deren Qualität? Zweifel treten auf.

In einem Fall stellt sich sogar heraus, dass der Stein, der da verpflastert wird, nicht Granit aus Spanien oder Portugal ist, sondern eine ganz andere Steinsorte aus Norwegen.

Doch am Zeitplan soll sich nichts ändern. Nach dem Umbau wird es nur noch eine Autospur je Fahrtrichtung geben, um mehr Platz für Radfahrer, Fußgänger und Busse zu schaffen. Vorgesehen sind auch ein Umbau der Bushaltestellen und ein neues Beleuchtungskonzept. Ziel ist dabei auch, die Belastung durch Stickoxide auf dem Jahnplatz zu verringern, damit es nicht zu Fahrverboten kommt.

„Nachtsonnen“ heißen die Beleuchtungskörper, die den Platz künftig bei Dunkelheit in ein warmweißes Licht tauchen sollen. Dafür muss eine aufwendige Trägerkonstruktion errichtet werden.

Schon im Februar soll mit dem Aufbau der ersten Haltestellendächer begonnen werden. Die kommen aus Tschechien und lösen die alten, höchst umstrittenen Überdachungen ab.

Im April wird die erste Bauphase enden. Dann erfolgt der Fahrbahnwechsel. Wird zurzeit vor dem Café Europa und vor Sport Scheck gebaut, wird es dann umgekehrt vor McDonald‘s und auf der Niedernstraße-Seite „zur Sache“ gehen. Sobald die Rahmen durch Borde und Rinnen gesetzt sind, werden abschnittsweise Fahrbahnarbeiten durchgeführt. Beim Bau der Betonfahrbahnen für die Busspuren muss auf Witterungseinflüsse Rücksicht genommen werden.

Getan hat sich in diesem Jahr auch etwas im Jahnplatz-Untergrund. Eigentlich wollte die Stadt das Jahnplatz-Forum in ein Fahrradparkhaus umbauen. Diese Pläne waren Ende 2019 gestoppt worden. Daraufhin hat die bisherige Eigentümerin der Passage, die in israelischem Besitz befindliche Elad-Gruppe, das Objekt zum Kauf angeboten und in zwei Frankfurter Immobilien-Investoren auch Käufer gefunden. Welche Pläne diese mit der Passage im Jahnplatz-Tiefparterre haben, ist noch nicht ganz klar. Fest steht allerdings, dass es im Untergrund noch einen gewaltigen Sanierungsstau gibt.

Oberirdisch soll der Platz ab 2022 mehr Aufenthaltsqualität bieten und dennoch seine Funktion als Verkehrsknotenpunkt nicht verlieren. 900 Busse werden täglich den Platz passieren. Und wahrscheinlich weniger Autofahrer als bisher.

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