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In der Bielefelder Innenstadt drohen durch Filialschließungen zahlreiche Leerstände

„Die Situation ist dramatisch“

Bielefeld

Nach der Ankündigung der Parfümerie-Kette Douglas, knapp 60 ihrer bundesweit 430 Filialen zu schließen, nimmt die Sorge um weitere künftige Leerstände in der Bielefelder Innenstadt zu. Douglas ist mit drei Filialen in der City vertreten, auf relativ engem Raum.

Heinz Stelte

Die insolvente Textilkette Pimkie wird ihre Filiale in der Bahnhofstraße schließen. Foto: Bernhard Pierel

Am Donnerstagmorgen hatte das Unternehmen Douglas, das zu 85 Prozent dem Finanzinvestor CVC Capital Partners mit Sitz in Luxemburg gehört, mitgeteilt, 500 ihrer europaweit 2.400 Filialen zu schließen. Am kommenden Montag wolle man bekannt geben, welche Filialen von der Schließung betroffen sind, teilte das Unternehmen auf Anfrage mit. Zunächst sollen die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter informiert werden.

Die Parfümeriekette ist mit drei Niederlassungen in Bielefeld vertreten, seit 1982 an der Bahnhofstraße, später wurde an der Niedernstraße eine Filiale in der Altstadt eröffnet. Mit der Eröffnung des Shopping-Centers Loom im Oktober 2017 kam eine dritte Niederlassung hinzu.

Ein möglicher Teilrückzug von Douglas aus Bielefeld wäre die Fortsetzung bereits angekündigter Schließungspläne anderer Unternehmen. Vor wenigen Tagen hatte die französische Modemarke Pimkie nach der Insolvenz angekündigt, 31 ihrer 75 deutschen Filialen zu schließen. Eine davon ist die Niederlassung in der Bahnhofstraße, die aufgegeben wird. Der in unmittelbarer Nachbarschaft befindliche Kinder-Store der schwedischen Modekette H&M wird nach Mitteilung des Unternehmens ebenfalls geschlossen und in die Filiale in der ehemaligen Marktpassage verlagert. Zudem haben Unternehmen mit Filialen in Bielefeld wie Arko (in der Obernstraße) oder Hussel (Filiale im Loom) Insolvenz angemeldet, die Modekette SØR mit einem Geschäft am Alten Markt ist vom Textilhersteller van Laack übernommen worden, der in unmittelbarer Nähe zum Alten Markt eine eigene Filiale in der Obernstraße betreibt. Unklar, wie es mit diesen Geschäften weitergeht.

„Die Situation ist dramatisch,“ erklärt Jörg Beyer vom Handelsverband OWL. „Viele Händler stehen mit dem Rücken zur Wand.“ Nur ein Bruchteil der staatlichen Hilfen seien erst bei den Unternehmen oder Händlern angekommen, besonders Branchen mit saisonalen Produkten wie die Schuh- oder Textilbranche seien bedroht. Beyer: „Die Winterware ist durch den Lockdown quasi wertlos geworden, die neue Frühjahrsware muss bezahlt werden. Doch viele wissen gar nicht, wovon.“ Außerdem falle der Schlussverkauf weg. „Das ist für viele ein Horrorszenario.“

Jörg Beyer, Handelsverband OWL

Der Handelsreferent sieht auch auf Bielefeld noch weitere Schließungen zukommen. „Das wird hier nicht anders sein, als in anderen Städten.“ Hauptgeschäftsführer Thomas Kunz hatte vor kurzem die Befürchtung geäußert, dass 1000 bis 1250 Geschäfte in Ostwestfalen-Lippe die Coronazeit nicht überstehen würden. „Bielefeld macht gut ein Fünftel des Handels in OWL aus,“ erläutert Jörg Beyer, „das wären dann 200 bis 250 Geschäfte allein in Bielefeld, eine solche Dimension kann das haben.“ Die Pleiten würden die Innenstadt, aber auch die Randlagen betreffen. „Wie arm würde unsere Stadt dann aussehen?“

Beyer setzt auf die Bielefelder, auf „eine Abstimmung mit den Füßen,“ ein Bekenntnis der Käufer für den heimischen stationären Handel nach dem Lockdown. „Sie müssen mit ihrem Einkaufsverhalten deutlich machen: Der Handel vor Ort soll erhalten bleiben,“ hofft Jörg Beyer auf ein Statement der Bielefeld. „Das wäre ein Hoffnungsschimmer.“

Der Kinder-Store von H&M in der Bahnhofstraße wird aufgegeben, er zieht ins Hauptgeschäft. Foto: Bernhard Pierel
Drei Douglas-Filialen gibt es in Bielefeld. Ob sie von den Schließungsplänen betroffen sind, ist noch unklar. Foto: Bernhard Pierel
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