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Letzte Folge der Serie zum Uni-Jubiläum: Prof. Dr. Dominik Schwarz ist Kosmologe

Die Suche nach dem Woher und Wohin

Bielefeld (WB). Unvorstellbare 14 Milliarden Jahre alt ist unsere Welt, hervorgegangen aus dem “Urknall”. Wie das Universum entstanden ist, wie es aussieht und wie es sich entwickelt, das sind Fragen, mit denen sich Prof. Dr. Dominik Schwarz beschäftigt. Er ist Kosmologe.

Sabine Schulze

Der Kosmologe Prof. Dr. Dominik Schwarz in der Ausstellung „Westfalen im Mondfieber“ des Naturkundemuseums. Foto: Bernhard Pierel

Versuch einer Erklärung

Seit 2004 lehrt und forscht er an der Universität Bielefeld. Zuvor hat der Physiker in Wien, Zürich, Frankfurt und am Teilchenbeschleuniger CERN gearbeitet. Die Entstehung der Welt zu erklären, sei anscheinend ein Menschheitsbedürfnis, sagt Schwarz. „Jede Religion hat ihre eigene Schöpfungsgeschichte, alle Kulturen suchen nach Erklärungen für die Entstehung der Menschheit und der belebten Welt, und selten hat das mit naturwissenschaftlichen Erkenntnissen zu tun.“ Die Kosmologie aber helfe zu verstehen, wie vollständig unser physikalisches Weltbild tatsächlich sei – basierend auf der Physik, wie sie im Labor zu überprüfen ist.

Aber Dominik Schwarz und seine Arbeitsgruppe blicken auch ganz tief in das Universum: Die Bielefelder Kosmologen sind beteiligt an dem Projekt „Lofar“ (Low Frequency Array), dem größten Radioteleskop der Welt, einem über Europa verteilten Verbund von Empfangsstationen. Eine davon wurde mit Hilfe der Bielefelder Arbeitsgruppe in Norderstedt bei Hamburg gebaut. Es empfängt Milliarden Jahre alte Signale – elektromagnetische Radiowellen, die nicht von kosmischen Staub- und Nebelwolken geschluckt werden – von weit entfernten Galaxien: Das hilft zu verstehen, nach welchen Regeln sich das Universum entwickelt.

Dunkle Materie

Vollständig sei unser Modell des Universums aber noch lange nicht, sagt der Kosmologe: Es gebe Dunkle Materie und Dunkle Energie, wobei „dunkel“ nicht im Sinne von finster-bedrohlich, sondern als unbekannt und im Dunkeln liegend gemeint ist. Dass es Dunkle Materie und Energie tatsächlich gebe, erklärt Schwarz, könne man bestimmen, indem man die Schnelligkeit der Rotation einer Galaxie und ihre Masse misst: „Wenn Bewegung und sichtbare Masse nicht in Deckung zu bringen sind, muss unsichtbare Masse vorhanden sein.“

Unser Platz im Universum

Dominik Schwarz ist klar, dass er damit das Vorstellungsvermögen des Laien überfordert. Und auch die Frage, was diese Forschungen bringen, kennt er. Zunächst einmal – und das ist ein Wert an sich – gebe es den reinen Erkenntnisgewinn. „Aber es sind auch Technologien unseres Alltags daraus hervorgegangen, etwa das WLAN. Es stammt aus der Radioastronomie und sollte Daten transportieren. Auch bildgebende Verfahren, die wir zum Beispiel in der Medizin einsetzen, sind ein Ergebnis von Teilchenphysik und Kosmologie. Es findet viel Transfer statt.“

Darüber hinaus findet der Physiker eine philosophische Antwort auf die Frage nach dem Warum und Wozu: „Ich glaube, dass es gesellschaftlich wichtig ist zu wissen, wo unser Platz im Universum ist.“ Schwarz ist überzeugt davon, dass es noch irgendwo im Universum Leben gibt, dass es irgendwo ein chemisches System gibt, das zu Darwinscher Evolution fähig ist. Und auch wenn Dominik Schwarz als Wissenschaftler und um der Erkenntnis willen weit in das Universum blickt, schaut er doch immer auch noch gerne in den Sternenhimmel.

Zu seinem Fach, überlegt er, sei er vermutlich gekommen, weil er schon als Kind von Raketen fasziniert war. „Ich hatte ein Buch über die Mondlandung, das ich wahrscheinlich 1000-mal gelesen habe.“ Als Dominik Schwarz sich dann in seiner Heimatstadt Wien zum Physikstudium einschrieb, hatte er daran allerdings zunächst gar nicht mehr gedacht. Erst als er sich mit Teilchenphysik befasste, war wieder sein Interesse für das große Ganze geweckt.

Faible für Science Fiction

Ferne Welten, fremde Galaxien haben es dem Wissenschaftler aber auch in der Freizeit angetan: „Ich lese gerne Science-Fiction-Literatur. Die ist oft ziemlich gut recherchiert – oder zumindest gut verpackt.“ Ohnehin ist Schwarz davon überzeugt, dass alle Astrophysiker Star-Trek-Fans sind.

Darüber hinaus hat der Physiker – verheiratet mit einer Biomathematikerin und Vater zweiter Söhne im Studium – eine musische Ader: Er spielt Gitarre, besucht gerne Konzerte und geht ins Theater.

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