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Erzbistum Paderborn und Evangelische Landeskirche machen gemeinsame Liturgie möglich – Testlauf über drei Jahre

Die Taufe ökumenisch feiern

Paderborn/Bielefe...

Tauffeiern in Familien mit katholischen und evangelischen Gläubigen sollen in Ostwestfalen-Lippe fortan noch einfacher möglich sein. Dies wird auf breiterer Basis für drei Jahre erprobt.

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So wächst Ökumene: Katholische und evangelische Familien sollen die Taufe mit einer gemeinsamen Liturgie feiern können. Foto: Carmen Jaspersen

Grundlage ist die „Handreichung für die Taufe von Kindern in konfessionsverbindenden Familien“. Der Anregung des Erzbistums Paderborn folgen die Evangelische Kirche von Westfalen, das Bistum Essen, die Lippische Landeskirche und die Evangelische Kirche im Rheinland.

Seit vielen Jahrzehnten wirke im Trauungsgottesdienst bei konfessionsverbindenden Ehen jeweils ein zur Trauung Beauftragter der anderen Konfession mit, erläutert Dr. Michael Hardt als Ökumenereferent des Erzbistums Paderborn. Insofern sei die jetzt vollzogene Weiterentwicklung hin zu einer gemeinsamen Tauffeier konsequent. Durch die Handreichung der beteiligten christlichen Kirchen werde nun allen während der nächsten drei Jahre ermöglicht, dass konfessionsverbindende Ehepaare die Taufe ihrer Kinder in einer gemeinsamen Taufliturgie feiern können.

Menschen in die Gemeinschaft mit Christus führen

Hardt verdeutlicht, dass es aus systematisch-theologischer Perspektive weder eine „römisch-katholische“ oder eine „evangelische“ Taufe gebe, vielmehr nur eine Taufe, durch die Menschen in die Gemeinschaft mit Christus, miteinander und mit der Kirche aller Zeiten und aller Orte geführt werden. „Kirchenrechtlich erfolgt die Taufe unbeschadet dieser theologischen Perspektive aber immer auch in eine verfasste Kirche durch einen entsprechenden Eintrag im Kirchenbuch der evangelischen Kirchengemeinde oder der römisch-katholischen Pfarrgemeinde“, erklärt Hardt.

Konkret erfolge die Taufe in einer ökumenischen Feier, in der die handelnden Personen beider Konfessionen den Taufgottesdienst un­tereinander aufteilen können. Hardt: „Die Taufhandlung vollzieht allein die Liturgin oder der Liturge der Taufkonfession, die anschließend die Eintragung in das römisch-katholische oder evangelische Taufregister vornimmt.“

Weitere Annäherung

Die Handreichung haben die Ökumenereferenten der beteiligten Kirchen erarbeitet. Sie beinhaltet eine theologische Hinführung „Taufe als Eröffnung der Christusgemeinschaft“ mit einer Beschreibung des Prozesses zur wechselseitigen Anerkennung der Taufe, eine biblische Tauftheologie sowie Information zur Säuglingstaufe. Liturgische Texte zur Auswahl runden die Information ab.

„Die ökumenischen Aufrufe im Jahr des Reformationsjubiläums 2017 haben jetzt zu einer weiteren Annäherung zwischen unseren Kirchen geführt in der gemeinsamen Feier der Taufe“, sagt Annette Kur­schus, Präses der Evangelischen Landeskirche von Westfalen.

In seinem Geleitwort erklärt der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker, dass die ökumenischen Aufrufe im Rahmen des 500. Jahrestages der Reformation Anlass gewesen seien, die wachsende ökumenische Gemeinschaft mit den evangelischen Nachbarkirchen von Westfalen und Lippe konkreter werden zu lassen.

„Gemeinsam stehen wir als Kirchen vor der Aufgabe, Menschen in ihrem Leben und Alltag zu begleiten und ihnen nahe zu bringen, dass der Glaube an Christus und an sein Evangelium zu einem gelingenden und erfüllten Leben führt“, erklären Kurschus und Becker mit den leitenden Theologen der anderen beteiligten Bistümer und Landeskirchen.

Weiter heißt es: „Die Möglichkeit der gemeinsamen Feier der Taufe ist ein weiterer Schritt auf dem Weg, unsere Sendung als Kirche heute in ökumenischer Verbundenheit zu leben.“

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