1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Bielefeld
  6. >
  7. »Die Umwelt ist den Aufpreis wert«

  8. >

Universität und Klinikum Bielefeld setzen auf Nachhaltigkeit

»Die Umwelt ist den Aufpreis wert«

Bielefeld (WB). Mehr als 9000 Mittagessen werden jeden Tag an den Standorten des Klinikums und in der Universität insgesamt zubereitet. Angesichts dieser großen Mengen kann jede noch so kleine Veränderung in Sachen Nachhaltigkeit wertvoll sein. Wir haben uns in beiden Einrichtungen umgehört.

Lina Marie Hansmeier

Bereichsleiter Christian Altenhöner (links) und Koordinator Leif Wehrmeier schmecken die frisch zubereiteten Salate in der Uni-Mensa. Die Gerichte in der Universität können nach dem eigenen Geschmack zusammengestellt werden. Foto: Lina Marie Hansmeier

Während sich die Benutzung von Plastiktüten in den vergangenen fünf Jahren um die Hälfte reduziert hat, gibt es hierzulande einen neuen Umwelt-Übeltäter: 110.000 Tonnen To-Go-Becher inklusive Deckel, Rührstäbchen und Strohhalme landeten in den deutschen Mülleimern. Rund 2,8 Milliarden Becher gehen laut Verbraucherzentrale jährlich über die Ladentheke, 34 Stück pro Kopf.

Auch im Klinikum Bielefeld werden Heißgetränke in Massen an Patienten und Mitarbeiter ausgeschenkt. Um an den drei Standorten Mitte, Rosenhöhe und Halle/Westfalen die Umweltbelastung so gering wie möglich zu halten, bieten die Besuchercafés seit etwa drei Monaten einen klinikeigenen Mehrwegbecher an. Die erste Befüllung ist kostenlos, danach gibt es auf jeden Getränkekauf zehn Cent Rabatt.

Genaue Berechnung der benötigten Produkte

»Der Umweltgedanke ist uns sehr wichtig. Es entsteht so viel Müll durch diverse Umverpackungen. Mit den wiederverwendbaren Bechern gehen wir einen Schritt in die richtige Richtung«, sagt Küchenchef Klaus Gollan.

Auch im Nahrungsmittelbereich setzt das Klinikum Bielefeld in Zukunft auf mehr Nachhaltigkeit. So sollen zum Beispiel die Styropor-Einwegboxen in der Mitarbeiterkantine durch einen mikrowellengeeigneten Teller mit Deckel ersetzt werden, den hungrige Mittagsgäste täglich wieder befüllen können. Auch umweltschonende Verpackungen für Salate sind in Planung. Schälchen aus Zuckerrohr zum Beispiel sind besonders nachhaltig.

Mehr als 3000 Mittagessen produzieren Klaus Gollan und seine 120 Mitarbeiter jeden Tag. Neben den drei Klinikstandorten werden auch Kindertagesstätten und Schulen mit frisch Gekochtem versorgt. Um der Verschwendung von Lebensmitteln vorzubeugen, können Patienten täglich zwischen verschiedenen Gerichten wie etwa Suppen, fleischhaltigen oder vegetarischen Varianten wählen. So kommt bei jedem nur das auf den Tisch, was er auch wirklich mag. Außerdem ermöglichen die Anzahl an Essensbestellungen und standardisierte Rezepte eine genaue Berechnung der benötigten Produkte.

Müsli in Honiggläsern

Ein ähnliches System wie im Klinikum Bielefeld hat sich auch beim Studierendenwerk bewährt. Damit die rund 6000 Mittagessen, die im laufenden Semester täglich in der Mensa der Universität Bielefeld ausgegeben werden, bei allen gut ankommen, gibt es dort die Möglichkeit, sich die Gerichte nach dem eigenen Geschmack zusammenzustellen. So hat jeder Gast die Möglichkeit, zwischen unterschiedlichen Sättigungsbeilagen, Gemüse- und Dessertsorten seine liebsten drei Komponenten auszuwählen. An den Aktionstheken können selbst gemachte Salate, Nudeln und Soßen sogar selbst portioniert werden. Übrig gebliebene Lebensmittel vom Vortag werden vergünstigt serviert.

An einer Universität mit mehr als 24.000 Studenten lauern potenzielle Müll-Quellen auch außerhalb der Küche. Deshalb haben sich Bereichsleiter Christian Altenhöner und Koordinator Leif Wehrmeier nicht nur mit der Verschwendung von Lebensmitteln beschäftigt, sondern ebenfalls mit Verpackungsmüll, den To-Go-Bechern zum Beispiel. Die sind in den Cafés und Cafeterien des Studierendenwerkes nicht länger aus Plastik, sondern aus kompostierbarer beschichteter Pappe. Strohhalme soll es demnächst gar nicht mehr geben. Ein neues Highlight sei laut Altenhöner die Müslibar, an der Studenten sich ihre Frühstückszerealien in gereinigte Honiggläser abfüllen können.

Koordinator Leif Wehrmeier appelliert sowohl an Produzenten als auch an Konsumenten, sich eingehend mit dem Thema Nachhaltigkeit zu beschäftigen: »In so einem großen Betrieb wie der Uni-Mensa ist es wichtig, sich auch mit vermeintlichen Kleinigkeiten auseinander zu setzen. Selbst wenn die nachhaltige Alternative meist die teurere ist, so ist die Umwelt den Aufpreis doch wert!«

Startseite