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Cartoonist Ralph Ruthe feiert an zwei Abenden ein Heimspiel in Bielefeld

Die Welt in einem Goldfischglas

Bielefeld (WB). „Was soll ich für euch zeichnen?“ fragt Ralph Ruthe, während er auf einem Barhocker im Foyer der Stadthalle Bielefeld sitzt. Hundert Male wird der Cartoonist an diesem Abend die Frage stellen. Und obwohl die Warteschlange kein Ende zu nehmen scheint, nimmt sich der Bielefelder Comiczeichner für jeden Besucher Zeit und skizziert ihm sein persönliches Motiv.

Kerstin Panhorst

Ralph Ruthe bot dem Publikum bei seinem Auftritt Cartoons, Animationsfilme, Erzählungen und Musik. Foto: Kerstin Panhorst

An gleich zwei Abenden gastierte Ralph Ruthe am Wochenende mit seiner Show „Ruthe live“ in der Stadthalle, am Freitag vor 800 Besuchern, am Samstag dann sogar vor rund 2000. An beiden Abenden versprach der Bielefelder, nach der Show so lange Comiczeichnungen anzufertigen, bis wirklich jeder, der wollte, eine bekommen hat – ungeachtet der Tatsache, dass dies bei vergangenen Shows durchaus mal bis vier Uhr morgens dauerte.

Doch bevor er zur Nachtschicht antrat, hatte der 47-Jährige auf der Bühne seine besten und neuesten Cartoons präsentiert. Mit dabei hatte Ruthe seine Klassiker und auch jede Menge Musik. Denn nur bei seinen Heimspielen in Bielefeld tritt er mit Liveband auf, da alle Musiker aus dem Umkreis stammen.

Mit der Combo „We are Linus“ etwa liefert er eine rammsteinartige Version des Dreihörnchen-Titelliedes, setzt sich einen Cowboyhut auf und singt die countrylastige Erkennungshymne der nie umgesetzten Fernsehserie „Uwe – Der Trucker-Bär“. Oder er stimmt eine Swing-Version des Hits „Kopfkino“ an.

Ein paar neue Folgen seiner Kultreihen hat er auch dabei. Giraffe, Nashorn und Koala aus der „HNO WG“ unternehmen eine Abenteuerreise in einem selbstfahrenden Zug, und „Baum und Biber“ treffen in einem Halloween-Special in einem schwedischen Möbelhaus auf eine Horde möblierter „Zømbies“. Die Grundidee für Baum und Biber habe er geklaut, gesteht Ruthe, der bei der Show auch aus seinem Alltag als Cartoonist und von seinen Inspirationsquellen erzählt: „Bei Coyote und Roadrunner habe ich als Kind immer mit leuchtenden Augen vor dem Fernseher gesessen, so was wollte ich auch erschaffen. Ich habe mich also gefragt, was das genaue Gegenteil von einem schnell rennenden Tier wäre.“

Doch nicht nur Ruthes Baum hat einen kleinen Bewegungsradius, auch Sting und Barry von den „Flossen“ kommen nicht über die Scheiben ihres Aquariums hinaus. Die Welt in einem Goldfischglas abzubilden und einen Mikrokosmos für seine Pointen zu schaffen, habe ihn dabei gereizt – auch wenn er keine Ahnung von Fischen habe: „Mein Fachwissen beschränkt sich auf die packungsgerechte Zubereitung eines Schlemmerfilet a la Bordelaise“.

Auf die nächste Live-Show werden die Fans des ehemaligen „MAD“-Magazin-Zeichners lange warten müssen. Weil er seinen ersten Kinofilm plant, rechnet Ralph Ruthe selbst damit, frühestens in fünf Jahren wieder live auf der Bühne zu stehen.

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