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28 Gruppen bilden derzeit das Klimabündnis Bielefeld

„Die Zeit drängt“

Bielefeld (WB). Die Veränderung muss in den Städten beginnen. „Dort finden 80 Prozent des Energieverbrauchs und 70 Prozent der CO 2 Emissionen statt“, sagt Angelika Claußen, eine von drei Sprechern des Klimabündnisses Bielefeld, das sich im Anschluss an den Ratsbeschluss der Stadt zum Klimanotstand gegründet hatte.

Uta Jostwerner

Erik Krüger (BUND) im Eisbärenkostüm und seine Mitstreiter Angelika Claußen (von links), Meret Karenfort (FFF) und Wolfgang Aubke setzen sich im Klimabündnis für eine lebenswerte Zukunft für alle und effektiven Klimaschutz ein. Foto: Bernhard Pierel

Mittlerweile gehören 28 Initiativen dem Bündnis an. „Und es können gerne weitere dazukommen“, sagt Wolfgang Aubke, der den Seniorenrat der Stadt im Klimabündnis vertritt und der wie seine Mitstreiter befürchtet, dass vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie „notwendige Maßnahmen gegen den Klimawandel in den Hintergrund rücken“. Die Befürchtungen sind nicht von der Hand zu weisen. Spricht doch Stadtkämmerer Rainer Kaschel von zweistelligen Millionenverlusten. „Die Neigung besteht, dass andere Prioritäten gesetzt werden. Unsere Aufgabe wird es sein, aufzupassen, dass das nicht passiert“, benennt Aubke eine Zielsetzung des Bielefelder Klimabündnisses, das aus der Bewegung „Fridays for Future“ (FFF) hervorgegangen ist.

Der Politik auf die Finger schauen

Der Politik auf die Finger zu schauen und selbst kritisch und konstruktiv die Arbeit des Klimarates der Stadt zu unterstützen – das gehört zum Selbstverständnis der Bündnispartner. Aber die Aufgaben bleiben nicht darauf beschränkt. „Uns geht es auch um Wissensvermittlung sowie um eine Bewusstseins- und Verhaltensänderung“, sagt Wolfgang Aubke. Nicht zuletzt die Zivilgesellschaft sei in ihrem eigenen Interesse gefragt, eigene Vorschläge zu unterbreiten.

Wie etwa die Einführung eines klimaneutralen Krankenhauses nach dem Vorbild der Uniklinik München. „Dort kam alles auf den Prüfstand. Vom klimaschädlichen Narkosemittel über Putz- und Hygienemittel bis hin zum Essen. Solche Maßnahmen ließen sich auch im Städtischen Klinikum Bielefeld durchführen“, meint Angelika Claußen, Vorsitzende der IPPNW Gruppe. Dahinter verbergen sich die „Internationalen Ärzte zur Verhütung des Atomkriegs“. „Wir haben schon Mitte der 1990er Jahre auf den Zusammenhang von Klimawandel und Krieg hingewiesen. Klimaschutz bedeutet immer auch Gesundheitsschutz“, sagt Claußen und fügt an: „Die ganze Erde ist betroffen und die Zeit drängt.“

Demokratisch und kontrovers

Für Ute Esselmann von der Albert Schweitzer-Stiftung gehören Tier- und Umweltschutz zusammen. „Wir setzen uns für eine Abschaffung der Massentierhaltung und für mehr vegane Ernährung ein. Das Thema Ernährung gehört im Rahmen des Klimaschutzes näher beleuchtet“, sagt die Aktivistin.

Der BUND fordert den Ausstieg aus der Kohle, der AStA der FH Bielefeld wünscht sich, dass städtische Unternehmen nach ihrem Gemeinwohlwert bilanziert werden und der Radentscheid will sich dafür einsetzen, dass der städtische Lieferverkehr von Lastenrädern übernommen wird. Wie lassen sich all die verschiedenen Interessen im Klimabündnis unter einen Hut bringen?

„Durch einen demokratischen und kontrovers geprägten Prozess“, sagt Wolfgang Aubke. Die Gruppen treffen sich einmal im Monat im Haus der Kirche (großer Saal) zum Meinungsaustausch. Weitere Infos unter www.klimabuendnis-bielefeld.de.

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