1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Bielefeld
  6. >
  7. Die Zukunft des Handels

  8. >

IHK diskutiert die Folgen der Digitalisierung für Geschäfte und Städte

Die Zukunft des Handels

Bielefeld (WB). Die fortschreitende Digitalisierung beschleunigt den Wandel im Einzelhandel und auch in den Innenstädten. Mehr Individualität, die schnelle Verfügbarkeit von Waren, die Verschmelzung von stationärem und Internethandel sowie eine erhöhte Aufenthaltsqualität in den Läden und Städten gelten als unabdingbar.

Oliver Horst

Die Zukunft des Handels und der Städte im Blick: André Lösekann (von links), IHK-Präsident Wolf D. Meier-Scheuven, Daniela Drabert, NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart, Titus Dittmann und ­Andree Haack von der IHK NRW. Foto: Thomas F. Starke

Welche Veränderungen sich abzeichnen und was Kunden wollen, stand am Freitag im Mittelpunkt des sechsten IHK-Handelstages NRW mit fast 200 Teilnehmern in Bielefeld. Der stationäre Einzelhandel hat Zukunft – aber nur als ein Element neben entsprechenden Onlineaktivitäten. In diesem Punkt sind sich die Experten einig. »Der Konsument denkt nicht in Vertriebskanälen. Er begeistert sich für Produkte und tolle Konzepte«, sagt Frank Rehme vom Beratungsunternehmen GMV. Zehn Prozent der Umsätze erzielt der Handel heute im Internet.

»Zwei Drittel der Händler sehen einer Umfrage zufolge die Digitalisierung als Chance, aber jeder neunte hat noch keine eigene Internetseite«, sieht NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) Handlungsbedarf. Es gehe darum, stationäre und Online-Angebote sinnvoll in Einklang zu bringen. Die schwarz-gelbe Landesregierung wolle Rahmenbedingungen für einen attraktiven Handel in den Städten setzen: Mit der geplanten Ausweitung der Zahl der verkaufsoffenen Sonntage von vier auf acht sollen Kunden »häufiger dann angesprochen werden können, wenn sie Zeit haben«. Und das ist vornehmlich am Wochenende, wie auch Sandra Harms vom Einkaufscenterbetreiber ECE bestätigt: »Unter der Woche wollen Kunden schnell und zielgerichtet einkaufen. Am Wochenende haben sie Zeit, wollen sie sich unterhalten lassen, sich treffen, etwas erleben.«

Keine Kundeneinteilung in Altersklassen

Längst überholt ist die Einteilung der Kunden nach Altersklassen. »Skater-Papst« und Unternehmer Titus Dittmann (68) spricht lieber von »ästhetischen Gesinnungsgenossen«. Der Bielefelder Textilhändler André Lösekann setzt seit längerem auf »vier Lifestyle-Konzepte« für Ziel- statt Altersgruppen.

Als generationenübergreifend gelten einer Umfrage des Beratungsunternehmens Keylens zufolge auch drei Top-Kaufkriterien: Qualität und Langlebigkeit, hohe Funktionalität sowie guter Service. Gerade in der Generation Z der heute 16- bis 22-Jährigen sei zudem die schnelle Verfügbarkeit der Ware von »überragender Bedeutung«, sagt Dr. Jörg Meurer. Was Kunden jeden Alters immer mehr erwarteten, seien individuell auf sie zugeschnittene Angebote und Informationen. Auch hier könne die Digitalisierung helfen.

Die Otto-Tochter ECE testet in ersten Centern eine Online-Verfügbarkeitsabfrage. Produkte sollen künftig nicht nur in den Shops abgeholt, sondern noch am selben Tag geliefert werden können. Damit würde ECE mit seinen Mietern in direkte Konkurrenz zum Onlinehändler Amazon treten.

Als wichtiger Baustein für attraktive Einkaufsstraßen und hohe Aufenthaltsqualität gelten gastronomische Angebote. »Essen kann man nicht im Internet«, sagt Harms. Zehn Prozent der Fläche in Einkaufscentern wie dem »Loom« in Bielefeld, das am 26. Oktober eröffnet, seien daher für vielfältige Gastronomie reserviert. Auch Daniela Drabert, die in fünfter Generation die Hagemeyer-Einkaufsgalerien in Minden, Stadthagen und Bad Oeynhausen führt, betont die Bedeutung: »Durch die Gastronomiekonzepte haben wir die Frequenz gegen den Trend konstant halten können. Und wir holen die Kunden auch dann ins Haus, wenn sie keinen konkreten Bedarfskauf planen.«

Drabert und Harms setzen zudem auf Sitzecken mit Wohnzimmercharakter, Lademöglichkeiten fürs Handy und freies WLAN. »Uns ist es erstmals gelungen, die 20- bis 25-Jährigen nicht zu verlieren, die schon als Kinder bei uns Kunde waren«, sagt Drabert.

Startseite