1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Bielefeld
  6. >
  7. „Die Zusammenarbeit war eine Freude“

  8. >

105. Jahresbericht des Historischen Vereins für die Grafschaft Ravensberg – Prof. Dr. Vogelsang will sich aus der Bielefelder Vereinsarbeit zurückziehen

„Die Zusammenarbeit war eine Freude“

Bielefeld

Von der Fehde des Johann von Oeynhausen gegen Bielefeld im Jahr 1491 bis zur Entnazifizierung belasteter Unternehmer reicht das Spektrum der Themen im 105. Jahresbericht des Historischen Vereins für die Grafschaft Ravensberg: Für jeden ist etwas dabei. Wie stets wird der Bericht pünktlich zum Jahresende vorgelegt.

Sabine Schulze

Foto: Thomas F. Starke

Das sei, betont Prof. Dr. Ulrich Andermann als Vereinsvorsitzender, auch Prof. Dr. Reinhard Vogelsang zu verdanken: Der frühere Leiter des Stadtarchivs trägt seit Jahrzehnten maßgeblich zum Entstehen der Jahresberichte bei.

Schon 1971, als Vogelsang als Stadtarchiv-Oberrat nach Bielefeld kam, hat er mit Gustav Engel – von 1944 bis 1968 Vorsitzender des Historischen Vereins – den Jahresbericht herausgegeben, hat über fast fünf Jahrzehnte Aufsätze redigiert, auch sprachlich bearbeitet und ist seit 1995 für den Satz verantwortlich. In Letzteres, erzählt Vogelsang, habe er sich regelrecht einfuchsen müssen. Und, natürlich, „drängeln“ gehörte manchmal dazu, damit die Aufsätze auch wirklich pünktlich kamen.

Vogelsang habe wirklich Besonderes für den Historischen Verein geleistet, würdigt Dr. Johannes Altenberend die 49 Jahre währende Arbeit des Historikers und Archivars. Der möchte sich nun zurückziehen: Die Jüngeren seien an der Reihe. Immerhin bildete er seit 2002 bereits mit Altenberend das für das Erscheinen der Jahresberichte zuständige Gespann. „Die Zusammenarbeit war eine Freude“, sagt Altenberend, vor Andermann Vereinsvorsitzender. „Wir ticken eben gleich“, kommentiert das Vogelsang.

Die Bekanntschaft der beiden reicht weiter zurück, erinnert sich Vogelsang. Denn Altenberend, mittlerweile pensionierter Oberstudienrat, habe schon als Student in seinem Archiv gesessen. Und es war Vogelsang, der dafür sorgte, dass ein Aufsatz des damaligen Studenten gegen die Bedenken von Gustav Engel 1978/79 im Jahresbericht des Historischen Vereins erschien: „Er behandelte das Thema meines Staatsexamens, die Wohnsituation der Bielefelder Arbeiter im Kaiserreich“, erzählt Altenberend.

Dass zunehmend auch Beiträge zur jüngeren Zeit in den Jahresberichten erschienen, sei Vogelsang zu verdanken, würdigt Andermann. Denn Engels historisches Interesse lag eher im Mittelalter.

Auch der aktuelle 105. Jahresbericht spiegelt eine große Bandbreite – zeitlich über die Jahrhunderte und auch räumlich mit der Stadt Bielefeld, dem Minden-Ravensberger Land und dem Kloster Quernheim. Schließlich, betont Andermann, stehe man für die Geschichte Ravensbergs.

Deutlich werde, sagt Vogelsang, dass Geschichte eben nicht nur in Berlin „gemacht“ wurde und werde, sondern schlicht überall. Beispielhaft nennt er einen Aufsatz von Stadtarchivar Bernd Wagner über Ludwig Davidsohn, der als Jude in Bielefeld drangsaliert wurde, die Shoa überlebte, in seine Heimatstadt zurückkehrte und hier um Wiedergutmachung kämpfte. „Er war keine besonders exponierte Figur, hier wird ein Stück Alltagsgeschichte erzählt“, sagt Vogelsang.

Wichtig ist ihm, Altenberend und Andermann, dass alle Beiträge wissenschaftlich fundiert sind, aber allgemeinverständlich formuliert sind. Und, ergänzt Andermann, alle Autoren sind Mitglieder des Historischen Vereins. Wer ein wenig tiefer in der eigenen Geschichte schürfen möchte, kann den Jahresbericht in der aktuellen Situation – die ja auch eine historische ist – bestellen bei: info@hv-ravensberg.de.

Startseite
ANZEIGE