Projekt wird in Bielefeld nach Ablauf der ersten Phase vorzeitig beendet

Doch keine Lolli-PCR-Tests in Kitas

Bielefeld

Lolli-PCR-Tests in Kitas, die eigentlich in 20 ausgewählten Bielefelder Kitas eingesetzt werden sollten, wird es nun doch nicht geben. Dies hat der Jugendhilfeausschuss auf Vorschlag der Verwaltung in einer Sitzung beschlossen. Grund dafür ist ein veränderter Sachstand, so Dezernatsleiter Ingo Nürnberger über den Schritt.

Von Philipp Körtgen

Lolli-PCR-Tests in Bielefelder Kitas wird es nun doch nicht geben. Foto:

Den Einsatz der Tests hatte ursprünglich der Jugendamtselternbeirat gefordert, nachdem diese zuvor bereits vom Land in Grund- und Förderschulen vorgeschrieben worden waren. Der Jugendhilfeausschuss hatte daraufhin ein zweistufiges Modellprojekt beschlossen, in dem in 20 ausgewählten Bielefelder Kitas zunächst Lolli-Selbsttests, dann Lolli-PCR-Tests eingesetzt werden sollten.

In der Sitzung in der vergangenen Woche schlug Nürnberger dem Ausschuss allerdings vor, das Projekt nach Ablauf der ersten Phase, die bereits angelaufen war, vorzeitig zu beenden – das heißt, keine Lolli-PCR-Tests mehr für den Einsatz in Kitas zu testen. Er begründete dies mit einem veränderten Sachstand und führte drei Argumente an:

Das Land stelle zum einen mittlerweile Lolli-Selbsttests für Kitas aus Landesmitteln zur Verfügung. Einen Grund, aus städtischen Mitteln ein Modellprojekt für Lolli-PCR-Tests weiterzuführen, gebe es daher nicht mehr. Auch mit einem Lerneffekt sei nicht zu rechnen, da die PCR-Pool-Tests in Grund- und Förderschulen bereits eingesetzt würden, wo man Erfahrungen mit ihnen sammle.

Aufgrund der niedrigen Inzidenzen sind die Kitas seit dem 7. Juni zudem wieder im Regelbetrieb. Die Gruppen aus 15 Kindern, die bei dem PCR-Pool-Verfahren zusammen getestet würden, würden in der Praxis dabei faktisch aufgelöst. Bei einer Positivtestung im Poolverfahren wäre es daher im Nachhinein sehr schwierig, das infizierte Kind zu finden.

Mit den Lolli-Selbsttests des Landes sei schließlich eine akzeptable Lösung gefunden worden, auch wenn die Tests im Schnitt etwas später anschlagen als die genaueren PCR-Tests. Im Zweifelsfall würde ein Kind aber auch bei diesen noch mindestens einen Tag in der Kita herumlaufen, bis im Labor die Infektion festgestellt werden könne.

Gegenwind kam von der FDP-Fraktion. Leo Knauf forderte in einem Änderungsantrag die Fortführung des Projekts auf freiwilliger Basis. Auch Nürnbergers Argument, die PCR-Tests böten keinen Mehrwert an Sicherheit, wollte er nicht gelten lassen. Die PCR-Tests schlügen im Schnitt zwei Tage früher an als die Selbsttests, sagte er, daher ergebe sich trotz Bearbeitungszeit im Labor ein Zeitgewinn.

Susann Purucker von den Grünen war ebenfalls gegen die Einstellung des Projekts und wies darauf hin, dass derzeit weder viele Eltern noch Kinder geimpft seien. Sie sorge sich auch um den Herbst, wenn die Zahlen womöglich wieder in die Höhe schnellten und man Erfahrungen mit PCR-Pool-Tests in Kitas eventuell würde gut gebrauchen können. Sie forderte daher die Fortführung des Projekts zumindest in einer Kita.

Mehrheitlich folgten die Ausschussmitglieder bei der Abstimmung aber der Verwaltung und beschlossen, das Projekt einzustellen, wobei vor allem Kostengründe den Ausschlag gegeben haben dürften: Wären die PCR-Tests nach dem Projekt flächendeckend eingesetzt worden, wären der Stadt Kosten in Höhe von mindestens 80.000 Euro pro Woche entstanden, so Ingo Nürnberger.

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