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Bielefelder Urologe Martin Betge hat 40.000 Euro gesammelt

Unternehmer aus der Ukraine bedankt sich für Spenden aus Bielefeld

Bielefeld

Seit einem Monat schickt der Bielefelder Urologe Dr. Martin Betge große Autos in die Ukraine. Sein Partner in der Ukraine, Sergej Dworskyj, hat sich bei einem Besuch in Bielefeld nun persönlich für die Spenden bedankt – und von seinem Alltag in Kiew erzählt.

Von Philipp Körtgen

Dr. Martin Betge (53) und Sergej Dworskyj (36) haben sich 2015 im Flieger nach New York kennengelernt. Jetzt unterstützt Betge seinen Freund mit Autos für die Front.  Foto: Bernhard Pierel

Die Lage in Kiew, beschreibt der 36-Jährige, sei vergleichsweise sicher. „Wir kämpfen mit Raketeneinschlägen und Stromausfällen. Zuletzt hatten wir vier Tage keinen Strom. Aber im Vergleich zur Situation in Städten wie Bachmut im Donbass ist das nichts.“ Seine Frau und seine Tochter seien geflohen und leben zur Zeit im englischen Ipswich. Seine Mutter und Schwester wohnen noch in Kiew. „Wie aber Familien mit Kindern noch in Kiew leben können, ist mir schleierhaft.“

Seine Geschäfte, eine Möbel- und eine Baufirma für Swimmingpools und Wasserparks, führe er weiter, auch wenn die Umsätze im Vergleich zu 2021 um 70 bis 80 Prozent gesunken seien. 35 Mitarbeiter beschäftigt er, was ihn bislang vor der Einberufung in die Streitkräfte bewahrt haben dürfte. „Ich denke, das wird in der nächsten Zeit auch nicht passieren. Aber niemand weiß, wie es langfristig aussieht.“

Dr. Martin Betge

Martin Betge hatte den Unternehmer 2015 in einem Flugzeug nach New York kennengelernt. Nach Ausbruch des Krieges hatte Betge den Wunsch, zu helfen und fragte seinen Freund, welche Hilfsgüter am meisten benötigt würden. Sergej Dworskyj gab die Frage an das Militär weiter und erhielt die Antwort: geländegängige Fahrzeuge, um Nahrungsmittel und Soldaten an die Front zu fahren.

Dr. Betge hat seither 40.000 Euro an Spenden gesammelt und 22 Autos in die Ukraine geschickt. SUVs, Pick-ups und Bullies. Die Fahrten organisiert er über eine Whatsapp-Gruppe mit rund 45 Helfern. „Manche reißen sich regelrecht darum, eine Fahrt zu übernehmen. Für die Leute ist das sehr spannend, weil sie in Polen direkten Kontakt mit Menschen aus der Ukraine haben.“

Fahrzeuge werden umlackiert

Die Übergabe findet in einem polnischen Hotel statt, dann übernimmt Sergej Dworskyj. „Ich lasse die Fahrzeuge auf einem Parkplatz abstellen. Ein Mechaniker wartet sie dann.“ Je nach Einsatz erhalten die Autos außerdem eine Lackierung in grauer oder grüner Tarnfarbe. Die Hilfsgüter, die Dr. Betge den Fahrern mitgibt, landen in einem Lagerhaus. „Das Lager stellt uns der Besitzer kostenlos zur Verfügung. Da sortieren wir alles.“

So sehen die Fahrzeuge bei ihrem Transport in die Ukraine aus. Foto: privat
Und in solcher Tarnlackierung fahren sie ins Frontgebiet. Foto: privat

Sergej Dworskyj will mit den Hilfgütern vor allem Ukrainer in Frontnähe unterstützen. Im Augenblick seien die Regionen um Charkiw, Lugansk, Donezk und Cherson am heftigsten betroffen. „Ich rufe die Krankenhäuser an und frage, was sie brauchen. Dann gleiche ich die Liste mit den Beständen ab.“ Verbandsmaterial und Medizin wie Adrenalin gehe mit den Fahrzeugen direkt an die Front. In einem Fall montierte die Armee sogar schon ein Maschinengewehr auf einen Pick-up.

Nächster Konvoi fährt am Samstag

Für seinen Besuch in Bielefeld durfte Sergej Dworskyj das Land nur mit Genehmigung verlassen. Ohne Erlaubnis sei die Ausreise nur Minderjährigen, Senioren, Schwerkranken und Vätern von mehr als drei Kindern gestattet. Dr. Martin Betge stellte seinem Freund daher einen Brief aus, um den Zweck des Besuches zu verdeutlichen.

Der nächste Transport aus Bielefeld ist für kommenden Samstag geplant. Martin Betge hat sich das Ziel gesetzt, künftig jeden Samstag einen Konvoi mit sechs Fahrzeugen in die Ukraine zu schicken.

Wer sich an den Spenden beteiligen möchte, findet weitere Informationen unter www.ukraine-bielefeld.de. Das Spendenkonto hat die IBAN DE02 3006 0601 0007 2548 49.

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