Initiative Extinction Rebellion stoppt in Bielefeld den Straßenverkehr temporär an fünf Kreuzungen

Drei Minuten zum Nachdenken

Bielefeld

Geduld und Verständnis im Straßenverkehr zu haben, gehört nicht zu den ganz großen Tugenden vieler heimischer Autofahrer. Das bekamen 40 Ortsgruppenmitglieder der Umweltinitiative Extinction Rebellion (Aufstand gegen das Aussterben) am Samstag auf fünf Bielefelder Kreuzungen zu spüren.

Markus Poch

„Ich habe Angst davor, dass der Teutoburger Wald wegen der Klimakrise verschwindet“ – Mit solchen Sprüchen auf Pappschildern machte am Samstag die Umweltinitiative Extinction Rebellion in Bielefeld auf sich aufmerksam; hier an der Kreuzung Stapenhorst-/Weststraße. Foto: Thomas F. Starke

Immer für die Dauer von drei Minuten blockierten sie dort die Fahrbahnen, zeigten ihre Botschaften auf Bannern und Pappschildern, verteilten Informationen auf Zetteln und suchten das Gespräch mit den gestoppten Autofahrern. Danach rollte der Verkehr wieder an – bis zur nächsten Drei-Minuten-Blockade. Die Aktion, die zwischen 12 und 13.30 Uhr stattfand, war angemeldet und wurde auch von der Polizei unterstützt.

Die Unterstützung der Autofahrer hielt sich allerdings in Grenzen: Nur wenige ließen sich das Anliegen der Demonstranten geduldig erklären. Viele hupten, weil es nicht weiterging, brüllten aus ihren Wagen hinaus oder versuchten gar, sich an der Schlange vorbei zu drängeln. Andere wären bei Rot über die Ampel gefahren, hätte der freundliche Polizist sie nicht mit einem beherzten Sprung auf die Straße davon abgehalten. „Manche Autofahrer haben es so eilig“, sagte er, „die würden am liebsten alle Demonstranten über den Haufen fahren.“

Für ein künftiges Leben auf der Erde

Extinction Rebellion (XR) will eine Klimapolitik erreichen, die die Lebensgrundlagen erhält und der Menschheit sowie der Flora und Fauna ein Leben auf der Erde auch in Zukunft ermöglicht. „Da sollte es doch jedem möglich sein, an der Ampel mal drei Minuten stehen zu bleiben und darüber nachzudenken“, argumentiert XR-Mitglied Rolf Botzet. Der 66-jährige pensionierte Historiker engagierte sich bei der Aktion an der Kreuzung Stapenhorst-/Weststraße. Er empfand die Reaktion einzelner Autofahrer und deren „ewiges Ich-ich-ich-Denken“ als „haarsträubend“; zumal die Demonstranten immer wieder Nummern zwischen eins und drei auf Schildern in die Höhe streckten, um damit die aktuelle Wartezeit zu verkünden. Zu nennenswerten Verkehrsbehinderungen ist es laut Polizei an keinem der fünf Standorte gekommen.

Extinction Rebellion kann aber auch anders: Mitglieder des englischen Ablegers hatten im September 2020 international Aufsehen erregt, als sie die Auslieferung englischer Tageszeitungen behinderten, die angeblich nicht korrekt beziehungsweise in ihrem Sinne berichtet hatten.

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