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Öffentlicher Raum: Bielefeld, Herford und Gütersloh starten Projekt

Drei Städte setzen auf Kunst

Bielefeld (WB). Die Städte Bielefeld, Herford und Gütersloh wollen die im öffentlichen Raum vorhandenen Kunstwerke stärker ins Bewusstsein der Bürger rücken.

Andreas Schnadwinkel

Wollen Kunst im öffentlichen Raum stärken: Udo Witthaus, Birgit Laskowski, Andreas Kornacki, Andreas Kimpel. Foto: Schnadwinkel

„Der öffentliche Raum sieht heute anders aus als vor 20 Jahren. Das betrifft auch die Kunst, und die wollen wir neu sortieren“, sagt Bielefelds Kulturdezernent Udo Witthaus. Auch sein Gütersloher Kollege Andreas Kimpel sieht Bedarf: „Stadträume verändern sich. Wir wollen wissen, was da an Kunst steht und warum es da steht. Wenn Bauvorhaben geplant sind, werden Kunstwerke zur Disposition gestellt und umplatziert.“

Dritter im Bunde der sogenannten Regiopole (das Äquivalent zur Metropolregion) ist Herford, das mit „5 Tore/5 Orte“ entlang der verlorenen Stadtmauer bereits ein starkes Projekt hat und einbringt.

Gütersloh zählt derzeit 131 Kunstwerke auf seinem Stadtgebiet, Herford 85. Bielefeld geht sicher von mehr als 200 aus. „Ich erwarte, dass wir auf um die 500 Exponate kommen werden“, sagt Birgit Laskowski. In den nächsten beiden Jahren soll die Kunsthistorikerin und Kuratorin alle Objekte erfassen, die Eigentumsfragen (zum Beispiel bei Schenkungen) klären und den Zustand der Werke einschätzen. Erst wenn das erledigt ist, geht es um Konzepte der Präsentation. Udo Witthaus: „Basierend auf einer Geodatenbank könnten wir eine Stadtplan-App für Kunst im öffentlichen Raum entwickeln.“

Gütersloh will Kunst im öffentlichen Raum verbinden

„In Gütersloh betrachten wir dieses in NRW einmalige Experiment nicht durch die urbane Brille. Wir haben als mittelgroße Stadt im Gegensatz zu Bielefeld und Herford kein Kunstmuseum. Daher wünschen wir uns, dass wir die Kunst im öffentlichen Raum zu einer Perlenschnur verbinden“, sagt Andreas Kimpel.

Dabei geht die Definition durchaus weit: unter freiem Himmel, Kunst am Bau, religiöse Objekte, Denkmäler. Auch wenn mit dem Projekt NRW-Skulptur eine Kooperation angestrebt wird, so geht es nicht nur um Bildhauerei. „Graffiti, Reliefs und Performances gehören auch zur Kunst im öffentlichen Raum“, sagt Birgit Laskowski, die viele Ideen hat: Patenschaften für Kunstwerke, Festivals, Ausstellungen.

Die Kunsthistorikerin weiß die bemerkenswerte Basis zu schätzen: Jürgen Heckmanns’ „Stehender Verkehr“ vor der Disco Go Parc und der „Mauerspringer“ von Fernando Sánchez Castillo in Herford; „Der Spiegel“ von Isa Genzken vor der Stadthalle Bielefeld sowie die Skulpturen von Henry Moore und Ólafur Elíasson im Kunsthallen-Park; in Gütersloh der „Honey Spoon“ des Berliner Bildhauers Axel Anklam und der Skulpturenpfad im Stadtpark.

Projekt ist für 2020 und 2021 mit jeweils 90.000 Euro finanziert

Sich für andere Städte zu öffnen ist nicht vorgesehen. Eine Anfrage aus Lippstadt (Kreis Soest) hat keine Aussicht auf Erfolg. Für 2020 und 2021 ist das Projekt mit jeweils 90.000 Euro (30.000 Euro pro Stadt) finanziert. In dieser Phase soll einmal pro Jahr eine Aktion veranstaltet werden, um die ersten Ergebnisse zu präsentieren. „Man könnte zum Beispiel den autofreien Sonntag auf der B61 nutzen und Abstecher zu Kunstorten organisieren“, sagt Andreas Kornacki, Geschäftsführer der Kultur Herford gGmbH.

Im September 2021 könnte das umgesetzt werden. Daran hätte auch Andreas Kimpel Interesse: „Die B61 führt ja auch nach Gütersloh.“

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