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Naturwissenschaftlicher Verein nimmt die Arbeit in Senne gegen die eingeschleppte Art wieder auf – mit Video

Düne ist bald traubenkirschen-frei

Bielefeld (WB). Nach acht Jahren hat der Einsatz des Naturwissenschaftlichen Vereins Bielefeld auf der Düne am Wahlbrink Erfolg. Zum Ende dieser Saison, glaubt Vorsitzender Mathias Wennemann, wird das Naturdenkmal wohl von der Amerikanischen Traubenkirsche befreit sein.

Peter Bollig

Die neue Winde, die Gerhard Höweler (links) – hier mit Matthias Stelke – bedient, gehört zu den wichtigsten Arbeitsgeräten, um auf der als Naturdenkmal geschützten Düne am Walbrink in Senne die Amerikanische Traube aus dem Boden zu holen. Foto: Peter Bollig

Auf dem 4,5 Hektar großen Areal hat am Wochenende nach der Sommerpause wieder die Arbeitsphase der Vereinsmitglieder und ihrer Unterstützer begonnen. 16 Helfer – Frauen, Männer und auch drei Kinder – rückten der aus Amerika eingeschleppten Traubenkirsche mit der Säge, mit Spaten und mit Äxten zu Leibe. Wichtigstes Werkzeug ist inzwischen ein Winde, die dem Verein gerade von der Stiftung der Sparkasse Bielefeld gespendet wurde.

Absägen war der falsche Weg

»Wir wären heute wohl weiter, wenn wir früher schon so gearbeitet hätten«, sagt Wennemann, der gemeinsam mit seinen Mitstreitern mit dieser ehrenamtlichen Arbeit vor neun Jahren auf einer Fläche in Sennestadt angefangen hat. Von »Versuch und Irrtum« spricht er heute über die Anfänge, als man noch versucht hatte, die Pflanzen einfach abzusägen. Das habe die Traubenkirschen lediglich dazu gebracht, neue Triebe auszubilden. Auch das so genannte Ringeln, bei dem ein Teil der Rinde entfernt wird, überlebten rund 20 Prozent der Gewächse.

Heute reißt man die Pflanzen, die so groß werden können wie die heimische Süßkirsche, raus. Dazu wird ein Teil der Wurzel freigegraben, um den Widerstand zu verringern. Danach wird das Stahlseil der Winde um den Stamm gelegt und die Traubenkirsche samt Wurzel damit aus dem Boden gezogen. Die Bäume werden als Brennholz verwertet, kommen unter anderem beim Senner Osterfeuer zum Einsatz.

Und warum die ganze Mühe? Die Amerikanische Traubenkirsche wurde einst gezielt angepflanzt, »um den Sandboden zu verbessern«, weiß Mathias Wennemann. Denn dort fühlt sie sich scheinbar besonders wohl, so auch auf den Dünen im Bielefelder Süden, wo man sie eigentlich nicht haben will. Denn die Traubenkirsche mit ihrem dichten Bewuchs verdängt heimische Arten. Heidelbeeren etwa, die typischerweise am Boden wachsen, haben mangels Licht keine Chance, sich zu entwickeln, ebenso Lichtkeimer wie die Birke, die neben Eiche und Buche zur natürlichen Vegetation gehören. Und diese natürliche Vegetation, sagt Wennemann, sei wichtig gerade auch für die heimischen Insekten, deren Nahrungsbedarf von vielen eingeschleppten (invasiven) Arten nicht gedeckt werden kann.

Weitere Flächen betroffen

Der Einsatz auf der Düne in Senne war dem Verein wichtig, weil sie als Naturdenkmal in ihrer natürlichen Gestalt erhalten bleiben soll. Wenn mit dem Ende der jetzt angelaufenen Saison der Naturschützer die Düne von den Pflanzen befreit ist, seien in den kommenden Jahren wohl nur noch Kontrollgänge notwendig. »Denn die Kirschen sind fünf Jahre lang keimfähig«, sagt Mathias Wennemann. Nachzügler müssten dann also noch entfernt werden, damit sich die Art nicht aufs Neue ausbreitet.

Und ganz fertig werde man mit dieser Arbeit wohl nie. Denn die Traubenkirsche bedeckt gerade im Süden der Stadt viele Flächen in der Senne und am Teutoburger Wald. »Wir machen in Sennestadt weiter«, sagt der Vereinschef, und auch in Senne am Waldbad, auf dem Flugplatz und am Sennefriedhof seien Flächen mit der Traubenkirsche zugewuchert. Und weil schweres Gerät die teils geschützten Gebiete massiv zerpflügen und verdichten würde, bleibe der Einsatz Handarbeit. Hilfe von Naturfreunden ist dem Naturwissenschaftlichen Verein, der regelmäßig zu den Aktionen aufruft, daher sehr willkommen. Weitere Informationen gibt es auf der Internetseite des Vereins.

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