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Am Montag starten auch die weiterführenden Schulen in den Wechselunterricht - Kritik von Opposition und Lokalpolitik

Ein Jahr Lockdown

Bielefeld/Düsseld...

Erinnern Sie sich noch an den vorzeitigen Start der Osterferien vor einem Jahr? An die überraschende Mitteilung von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Freitag, den 13. März 2021, dass Schulen und Kitas ab Montag geschlossen sein würden? Damals dachten wir noch: Nach den Osterferien sehen wir uns alle wieder. Heute wissen wir, wie naiv das war.

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Schulschließungen, Wechsel-, Distanz- und Präsenzunterricht: Seit einem Jahr begleitet Corona die Schulkinder. Foto: Dunja Delker

Ein Jahr nach dem Lockdown und der ersten coronabedingten Schließung von Schulen und Kitas öffnen an diesem Montag auch die weiterführenden Schulen wieder für den Wechselunterricht - und das trotz vielerorts steigender Inzidenzen. Die Grundschulen waren bereits am 22. Februar wieder mit dem tageweisen Präsenzunterricht gestartet. Auch die Kindertagesstätten haben seitdem wieder für alle Jungen und Mädchen geöffnet.

Die Opposition hat den für diesen Montag geplanten Start des Wechselunterrichts an den weiterführenden Schulen in Nordrhein-Westfalen scharf kritisiert. „Einmal mehr zeigt sich, dass Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) ohne Plan und ohne Voraussetzungen zu schaffen, Schulöffnungen verantwortungslos vorantreibt“, kritisierte Grünen-Fraktionsvorsitzende Josefine Paul am Sonntag in Düsseldorf. Auch die SPD sparte nicht mit Kritik.

Noch keine Schnelltests

Schnelltests stünden noch nicht zur Verfügung. Erst am Freitag habe die Landesregierung die Freigabe der Gelder dafür beantragt, so Paul. „Das heißt nichts anderes, als dass die Schulen ohne Teststrategie am Montag wieder an den Start gehen sollen.“ Die Landesregierung habe es versäumt, Vorkehrungen für die Schulen zu schaffen.

Ministerin Gebauer blockiere sogar Städte, die aufgrund hoher regionaler Infektionszahlen mit den Schulöffnungen vorsichtiger umgehen wollen. Die Versäumnisse gingen zu Lasten der Kinder, Jugendlichen und Familien, die einem Infektionsrisiko ausgesetzt würden.

Dritte Welle?

Die Landesregierung laufe sehenden Auges in eine dritte Welle der Pandemie hinein. Dieses „neuerliche Organisationsdesaster“ habe nicht zuletzt Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) mit seinem Schlingerkurs aus Führungsversagen und mangelnder Vorbereitung zu verantworten.

„Wo ist das Sicherheitsnetz für die Schulen?“, fragte SPD-Fraktionschef Thomas Kutschaty. „Dass die Landesregierung hierbei so viel Zeit verschlafen hat und keinerlei Vorbereitungen für eine funktionierende Testinfrastruktur getroffen hat, ist ein echtes Versäumnis und geradezu fahrlässig.“ Einmal mehr zeige sich, dass die Landesregierung nicht vorausschauend handele.

Appell ans Ministerium

Auch viele Lokalpolitiker sehen den Schulstart skeptisch: Drei Bürgermeister aus dem Märkischen Kreis und der Landrat des Kreises Düren haben an das Ministerium appelliert, mit der Öffnung bis nach den Osterferien zu warten.

In den zwei verbleibenden Wochen bis zu den Osterferien ist für die landesweit rund 2,5 Millionen Schüler ein Wechselmodus aus Unterricht in der Schule und dem Lernen daheim vorgesehen. Dass das Schulministerium trotz steigender Inzidenzen an diesem Plan festhält, ärgert Bürgermeister von Hotspot-Städten. Sie würden lieber abwarten. „Es ist für mich unverständlich, warum zwei Wochen vor den Osterferien noch weitgehender Präsenzunterricht vorgesehen ist“, schreibt Michael Joithe, Bürgermeister von Iserlohn, in einem Brief an Schulministerin Yvonne Gebauer. Auch seine Kollegen aus Lüdenscheid und Halver verschickten ein ähnliches Schreiben. Neben den Städten im Märkischen Kreis wollten auch der Kreis Düren und die Gemeinde Ruppichteroth im Rhein-Sieg-Kreis die Öffnungen verhindern, allerdings ohne Erfolg.

Lauterbach fordert Schulstopp bis Ostern

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach geht noch einen Schritt weiter und fordert einen kompletten Schulstopp bis Ostern. Er begründete das so: „Die Virusmutationen breiten sich insbesondere bei den Jüngeren rasant aus.“ Lauterbach will nur wenige Abweichungen erlauben: „Eine Ausnahme dürfen nur die Schulen machen, die bereits die Schüler zweimal mit Schnelltests testen können.“

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