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Vendée Globe: An der härtesten Einhand-Regatta der Welt nimmt auch eine Yacht des deutsch-japanischen Konzerns DMG Mori teil

Einmal um den Globus – ein Stück OWL segelt mit

Bielefeld (WB)

Mut und Können gehören dazu – aber auch eine gehörige Portion Abenteuerlust und Quälerei. Schließlich sind die anfangs 33 Segler, darunter sechs Frauen, bei der Vendée Globe ganz allein auf ihrer Hightech-Yacht – was im Fachjargon als Einhandsegeln bezeichnet wird. Erstmals dabei ist ein Boot des deutsch-japanischen Werkzeugmaschinenherstellers DMG Mori, früher Gildemeister.

Paul Edgar Fels

Segelsport wie es ihn vor wenigen Jahren noch nicht gab – viele Boote haben an den Seiten stark gebogene Tragflächen (Foils, hier rot) und können damit auf dem Wasser fast schweben. Foto: Vendee Globe

Ohne Hilfe und Zwischenstopps befinden sich die Skipper seit dem 8. November auf dem wohl härtesten Rennen für Einhandsegler einmal um den Erdball. Auf 45.000 Kilometern sind sie konfrontiert mit haushohen Wellen, mit eisiger Kälte, Stürmen und permanentem Schlafentzug. Die Vendée Globe wird aus gutem Grund auch Everest der Meere genannt.

Skipper riskieren ihr Leben

Ein Rennen, das viele Fans hat – vor allem in Frankreich. Nun aber blickt man auch in Ostwestfalen darauf, was sich auf den Ozeanen abspielt. Nichts für schwache Nerven. Schließlich riskieren die Skipper nicht nur ihre Yacht, sondern auch ihr Leben.

Für Kojiro Shiraishi, den Skipper der Yacht „DMG Mori Global One“, ist die Vendée Globe, die nur alle vier Jahre stattfindet, die zweite Chance, sich seinen Herzenswunsch zu erfüllen: die Ziellinie der härtesten Regatta der Welt an der französischen Küste zu überqueren. Wann das sein wird, ist aufgrund vieler Unwägbarkeiten völlig unklar.

Ein deutscher Teilnehmer

Tatsächlich sind sechs Berufssegler bereits ausgeschieden – mehrfach war Treibgut die Ursache oder vielleicht auch ein Wal. Schnell sind bei einer Kollision Rumpf oder Ruder beschädigt. Dieses Schicksal erlitt ausgerechnet der Favorit Alex Thomson aus England. Ein irreparabler Ruderschaden zwang den 46-jährigen Segler 1800 Seemeilen vor der Küste Südafrikas, das Rennen aufzugeben. Der Skipper brauchte fast sieben Tage, um sein Boot mit nur einem Ruder bis nach Kapstadt zu segeln – Traum beendet.

Boris Herrmann ist der einzige deutsche Skipper dieser Regatta teilnimmt. Er schlägt sich bisher mit Rang vier gut, segelt im Verfolgerfeld rund 370 Seemeilen hinter der Spitze. Foto: Vendee Globe

Während es für den einzigen deutschen Segler Boris Herrmann bisher gut läuft – er liegt auf Rang vier – hatte der Japaner auf der DMG-Yacht mehr Pech – schon in Höhe der Kanarischen Inseln. Erst fiel der Autopilot aus, und in der Folge gab es offenbar mehrere Patenthalsen – was im Segelsport zu den größten Fehlern gehört. Bei einer Patenthalse schlägt der Baum am Mast unkontrolliert und – bei starkem Wind – mit einer extremen Wucht von der einen auf die andere Seite. Auf der DMG-Mori-Yacht riss das gereffte Großsegel an der obersten Querlatte, zudem brachen mehrere Segellatten. Shiraishi brauchte ein paar Tage, um den Schaden auf offener See und ohne Spezialnähmaschine an Bord zu reparieren und fiel im Klassement weit zurück. „Es wird eine enorme Leistung sein, wenn ich das Rennen mit diesen Segel beenden könnte,“ sagte Kojiro.

Die Yachten, die mit ihren Tragflügeln auch bei starken Wellen Spitzengeschwindigkeiten von 30 Knoten (56 Kilometer pro Stunde) erreichen, kosten um die drei Millionen Euro. Kein Wunder also, dass es eine ganze Reihe von Sponsoren geben muss, um bei diesem Rennen vertreten zu sein.

Bielefelder Werkzeugmaschinenhersteller wirkt beim Bau der Yacht mit

Das trifft auch für DMG Mori zu. Das Logo prangt groß auf Segel und Rumpf. Aber im Gegensatz zu anderen Unternehmen wie etwa Boss, die mit ihrem Firmennamen werben, hat der Werkzeugmaschinhersteller selbst Teile für die Yacht gefertigt. „DMG Mori steht für Dynamik und Exzellenz, für Leidenschaft und höchste technische Präzision. Diese Eigenschaften ermöglichen Spitzenleistungen in der Industrie – und ebenso bei der Vendée Globe“, sagt Christian Thönes, Vorstandsvorsitzender der in Bielefeld ansässigen DMG Mori AG. Und in Richtung des japanischen Skippers sagt Thönes: „Mit seiner mentalen Stärke, seinem Willen und seinem Mut ist Kojiro Shiraishi Vorbild und Inspiration für uns alle bei DMG Mori. Wir sind stolz darauf, ihn zu unterstützen und drücken ihm die Daumen, dass er sein Ziel sicher erreicht.“

In der Yacht sind über 20 hochpräzise Komponenten verbaut, die auf DMG-Mori-Maschinen in Bielefeld, Pfronten und Wernau hergestellt wurden. Foto: DMG Mori

Der Bau der „DMG Mori Global One“ brachte drei Kompetenzen zusammen: die Erfahrung professioneller Segler, das Wissen von Bootsbauern und das Know-how eines Herstellers von Werkzeugmaschinen. Die Konstruktion der Yacht begann im November 2018 und dauerte rund neun Monate. Multiplast, ein französischer Bootsbauer, der auf High-End-Yachten spezialisiert ist, baute die so genannte IMOCA 60 in Vannes in Frankreich. IMOCA steht für International Monohull Open Class Association – es ist der Name des Regattenverbandes. Alle Boote der Vendée Globe, die um die drei Millionen Euro kosten, müssen dieser Klasse angehören. Die Länge der Yachten ist vorgeschrieben – nämlich 60 Fuß, das sind 18,28 Meter. Die DMG-Mori-Yacht ist ferner stattliche 28 Meter hoch und 5,85 Meter breit.

An Bord der DMG-Mori-Yacht befinden sich extrem stabile Titankomponenten, die mit den neuesten 5-Achs-Fräs- und Drehmaschinen des Unternehmen DMG Mori gefertigt wurden. Die Boote müssen schwierigsten See- und Wetterbedingungen trotzen: Wind, Wellen und extreme Lasten reißen unerlässlich am Material – oft mit vielen Tonnen Wucht. Am 31. August 2019 war es schließlich soweit: Die „DMG Mori Global One“ verließ erstmals die französische Werft – bereit, die Ozeane zu durchqueren.

Kojiro Shiraishi an Bord der „Global One“, in der rechten Hand die Pinne zur Steuerung der Yacht. Foto: Vendee Globe

Kojiro Shiraishi (53) ist der Skipper der DMG-Mori-Yacht

Das Segelteam des deutsch-japanischen Werkzeugmaschinenherstellers DMG Mori gibt es seit seit dem 30. Oktober 2018. Im Zen­trum der Mannschaft steht der japanische Skipper Kojiro Shiraishi. Sein großes Ziel lautet: Die Ziellinie der Vendée Globe zu überqueren.

Zweite Teilnahme von Shiraishi

Shiraishi hat bei der letzten Vendée Globe 2016 bereits Erfahrungen sammeln können – er war damals der erste Asiate. Allerdings hatte er Pech: Sein Boot erlitt einen Mastbruch, er musste das Rennen abbrechen.

„Die Abenteuer, die sich beim Segeln über die Ozeane ergeben, sind das, was mich antreibt. Das Segeln ist eine großartige Möglichkeit, das Leben auf dieser Erde zu genießen“, sagt der Skipper, der in der japanischen Küstenstadt Kamakura aufgewachsen ist – mit dem Ozean vor seiner Haustür. Bevor er Berufssegler wurde, führte er ein normales Leben – Kojiro war Taxifahrer. Kraft tankt er mit dem japanischen Laido, die Kunst des Schwertziehens. Es geht dabei viel um Meditation. Heute ist er 53 Jahre und dabei, sich seinen Traum zu erfüllen – und da ist es egal, dass er den Führenden weit hinterher segelt – mit rund 3740 Seemeilen Abstand.

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