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Der Berliner Falk gewinnt den 22. Bielefelder Kabarettpreis

Einmarschbefehl im Bioladen

Bielefeld (WB). Er joggt so lange, bis sein Innerstes zu ihm spricht, begibt sich zur Selbsterfahrung aufs Land und vermisst dort das Angehuptwerden. Der Berliner Musikkabarettist Falk ruft auch schon mal im Bioladen den Einmarschbefehl aus, um alle Zuckerhasser und Glutenverweigerer wieder in die Spur zu bringen.

Kerstin Panhorst

Im Wettbewerb um den Bielefelder Pudding setzt sich Falk (Mitte) gegen Florian Wagner (links) und Juri von Stavenhagen durch. Foto: Panhorst

Beim Bielefelder Kabarettpreis konnte der 33-Jährige auf solche Aktionen verzichten und überzeugte allein mit seiner Gitarre und seinen herrlich bösen Texten Jury und Publikum. Als »Unsympath und Mann der Tat« schmeißt er Batterien in den Kompostmüll, erschreckt Patienten vor der Kardiologie und stiehlt alten Menschen den Rollator. Das macht der Berliner aber so sympathisch und geistreich, das er beim Kampf um den Bielefelder Pudding nicht nur den Publikumspreis, sondern auch den mit insgesamt 2500 Euro und einem Komplettauftritt im Zweischlingen dotierten ersten Platz in der Jurywertung erreichte und den an die Wand genagelten Pudding als Trophäe durch Moderator Volker Surmann überreicht bekam.

Bereits zum 22. Mal wurde der Bielefelder Kabarettpreis am Wochenende im ausverkauften Zweischlingen vergeben. Los ging es bereits am Freitag, an dem alle sechs Nominierten ein 15-minütiges Set spielten und das Publikum so sehr begeisterten, dass statt der üblicherweise drei Teilnehmer aufgrund eines Stimmengleichstandes sogar vier ins einen Tag später stattfindende Finale gewählt wurden. Nur Melvin Haack und Andrea Limmer konnten sich in der Vorrunde nicht durchsetzen.

Auf dem zweiten Platz landete im Finale Florian Wagner. Der Münchner inszeniert sich als »Piano Man« mit Abgründen. Ohne Hose, aber mit viel Stimme und Witz singt der Musikkabarettist über das Erschaffen absichtlich schlechter Kompositionen, die vom Vegetarismus betroffenen Europäer und nimmt genüsslich Schlussmachfloskeln auseinander. Nebenbei erfindet der 28-Jährige noch ein paar vegane Filme, von »Kill Dill« bis »Einer flog über das Couscous-Nest« und »Conan der Rhabarber«.

»Rätselhafter Rasta-Russe«

Mit seinen Geschichten über sein erstes Mal auf der Bühne schaffte es Juri von Stavenhagen auf Platz drei. Der Kölner wird manchmal von Kiffern mit Brötchen beworfen und misst den Grad seiner Depression an der Anzahl gesammelter Pfandflaschen, doch seitdem der 30-Jährige sein Toilettenpapier im Internet bestellt, geht es wieder aufwärts für das bevorzugte Opfer von Quallenangriffen.

Den undankbaren vierten Platz belegte am Ende Hani Who. Der aus Afghanistan stammende Erzieher konnte nicht ganz überzeugen mit seiner Mischung aus Poetry Slam, Comedy und positiver Weltanschauung, die von viel Humanismus, aber nicht genügend Pointen geprägt ist.

Im Rahmenprogramm unterhielt zudem Konstantin Korovin während der Auszählung und Jury-Beratung das Publikum. Der im letzten Jahr bereits in der Vorrunde des Kabarettpreises ausgeschiedene Stuttgarter alias der »rätselhafte Rasta-Russe« vertrieb den Zuschauern mit skurrilen Werbetricks, Kiffergeschichten und dem feministisch geprägten Unterschied zwischen Heidelbeeren und Blaubeeren die Zeit.

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