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Nach fast 40 Jahren als Kuratorin der Kunsthalle geht Dr. Jutta Hülsewig-Johnen in den Ruhestand

„Einzelkämpferin“ der Moderne

Bielefeld (WB). Mehr als 50 Ausstellungen hat sie kuratiert, darunter die mit den für die Kunsthalle meisten Besuchern, nämlich „Emil Nolde – Begegnung mit dem Nordischen“ (75.000 Besucher) und die zum deutschen Impressionismus (65.000). Jetzt verabschiedet sich Dr. Jutta Hülsewig-Johnen in den Ruhestand.

Burgit Hörttrich

Am 1. März 1984 war ihr erster Arbeitstag in der Bielefelder Kunsthalle, jetzt geht Jutta Hülsewig-Johnen in den Ruhestand. Foto: Bernhard Pierel

Am 1. März 1984 sei ihr erster Arbeitstag in der Bielefelder Kunsthalle gewesen, erinnert sie sich. Nach ihrem Studium an der Uni Bochum (Kunstgeschichte, Archäologie, Germanistik) und ihrer Promotion über Paul Cézanne mit nur 26 Jahren hatte sie eigentlich vorgehabt, weiter an der Hochschule tätig zu sein. Ihr Doktorvater aber habe ihr geraten, „in die Praxis“ zu gehen, deshalb habe sie ein Volontariat am Kunstmuseum Düsseldorf gemacht. Als das ausgelaufen sei, habe die Kunsthalle Bielefeld eine Kuratoren-Stelle mit dem Schwerpunkt Klassische Moderne ausgeschrieben. Jutta Hülsewig-Johnen: „Ich bin nach Bielefeld gefahren und war total beeindruckt vom Gebäude der Kunsthalle und von deren Programm und Anspruch.“

Netzwerk von Leihgebern

Sie habe sich beworben und die Stelle bekommen, die eigens neu geschaffen worden sei – damals noch in Kooperation mit dem Bielefelder Kunstverein. Ihre erste Ausstellung seien minimalistische Holzarbeiten von Sabine Funke in der Studiogalerie der Kunsthalle gewesen, die zweite bereits eine große Expressionismus-Schau mit dem Titel „O neue Zeit, so namenlos zerrissen“. Auf ihren Gebiet sei sie stets Einzelkämpferin gewesen, Schwerpunkt „ihrer“ Direktoren (Ulrich Weisner, Thomas Kellein, Friedrich Meschede und zuletzt Christina Végh) sei stets die zeitgenössische Kunst gewesen. So habe sie das Glück gehabt, sich ihre Ausstellungsthemen selbst aussuchen zu dürfen.

Jutta Hülsewig-Johnen sagt, dass es vor Jahren noch unkomplizierter als heute gewesen sei, Werke für eine Ausstellung auszuleihen: „Die Auflagen waren nicht so rigoros.“ Sie habe sich aber ein Netzwerk von Leihgebern und -nehmern aufbauen können: „Da läuft viel auch über Vertrauen.“ Sie ist stolz auf den „soliden Ruf der Kunsthalle“ – trotz der „latenten Spannung“, die es immer um das Ausstellungshaus gegeben habe.

Passion für Katalogtexte

Leidenschaftlich gern habe sie die Katalogtexte für die jeweiligen Ausstellungen geschrieben: „Solche Kataloge werden Teil der Kunstgeschichte, und man kann mit ihnen die Ausstellung nach Hause tragen.“ Als einen Höhepunkt ihres Berufslebens und eine Art „krönenden Abschluss“ betrachtet sie die Heimkehr des Gemäldes „Der Rentner“ von Emil Nolde (1920) in die Kunsthalle. Das Bild war 1937 als „entartete Kunst“ beschlagnahmt worden, später in Privatbesitz gelangt und wurde 2019 zurückgekauft.

Obwohl Jutta Hülsewig-Johnen immer in Bielefeld eine (Zweit-)Wohnung hatte, war ihr privater Lebensmittelpunkt Köln. Diese beiden „Standorte“ habe sie nie als Nachteil empfunden: „Außerdem wollte mein Mann nicht nach Bielefeld umziehen – als Aachener.“ Sie habe sich jetzt erst einmal vorgenommen, „nichts zu machen, Abstand zum Berufsleben zu halten“. Bielefeld ist für sie aber auch in Zukunft einen Besuch wert: „Zu Ausstellungsbesuchen.“

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