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Denkmalgeschütztes Gebäude bekommt auch ein neues Dach und bietet Platz für Büros

Fachwerk macht Schieferhaus komplett

Bielefeld (WB). Die Untere Denkmalbehörde erweitert den Denkmalschutz des Schieferhauses an der Windelsbleicher Straße 1. Die Rückseite, die mehr als 150 Jahre lang Verbindungswand zum mittlerweile abgerissenen Nachbargebäude war, wird saniert und unter Schutz gestellt.

Kerstin Sewöster

Ortstermin am denkmalgeschützten Schieferhaus (von links): Investor Georg Kasparek, Heimatpflegerin Rosemary Flöthmann, Denkmalpfleger Hartmut Dopheide, Architektin Ingrid Stappen-Gödde, ihr Mitarbeiter Stefan Schlepphorst und Ascan von Neumann-Cosel, Abteilungsleiter Untere Denkmalbehörde, besprechen die nächsten Arbeitsschritte. Foto: Kerstin Sewöster

Damit steht die komplette Außenhülle des Gebäude unter Denkmalschutz. Beim Ortstermin mit Ascan von Neumann-Cosel, Abteilungsleiter der Unteren Denkmalschutzbehörde, Architekten, Investor Georg Kasparek und Heimatpflegerin Rosemary Flöthmann wurden die Details der Planung besprochen.

Dass das markante Gebäude auf dem ehemaligen Rabeneick-Gelände, zuvor Hof Sievert, erhalten bleibt, während alle andere Gebäude im Winter 2016 abgerissen wurden und Mehrfamilienhäusern mit insgesamt 38 Wohnungen Platz machten, stand von Anfang fest. Offen war bislang die Frage, wie die Wand gestaltet werden kann, die laut von Neumann-Cosel »nie eine Außenwand war«.

Vom Hausbock befallen

Die Entscheidung ist gefallen: Da es sich bei dem gesamten Gebäude um ein »verschiefertes Fachwerk« handelt, wird die Rückseite als Fachwerk sichtbar gemacht. Die Holzkonstruktion bleibt erhalten, die gemauerten Gefache werden durch weich gebrannte Ziegel ersetzt und anschließend verputzt.

Das Krüppelwalmdach muss allerdings komplett saniert werden. »Die Giebel bleiben stehen, aber die Balken sind von Schädlingen befallen und müssen ersetzt werden«, erklärt Hartmut Dopheide von der Unteren Denkmalbehörde. Architektin Ingrid Stappen-Gödde betont, dass der Befall durch den Bockkäfer, in diesem Fall durch den Hausbock, auch Großer Holzwurm genannt, nicht in Zusammenhang mit den Abrissarbeiten steht. Wie berichtet war die Fassade mehrere Monate der Witterung ausgesetzt, nachdem das anschließende Gebäude entfernt worden war. »Der Hausbock war schon lange da«, sagt Stappen-Gödde.

Im Zuge der Dachsanierung entfällt die rückseitige Anbindung ans mittlerweile abgerissen Nachbargebäude; die Betonziegel werden durch anthrazitfarbige Hohlfalzpfannen ersetzt. Alle Arbeiten an Gebäudefassade und Dach erfolgen in Abstimmung mit der Unteren Denkmalbehörde.

Frei ist Investor Georg Kasparek in der Gestaltung der Innenräume, die er als Büroflächen vermieten will. Er denkt dabei an einen Mieter für die insgesamt vier Büroräume. Aktuell plant Kasparek mit der Architektin das Treppenhaus, das es bislang nicht gab, ebenso wenig wie einen eigenen Eingang. »Der Zugang war nur über den Anbau möglich«, erklärt Kasparek. Der auf historischen Fotos zu erkennende Eingang an der Schieferfront war vor langer Zeit geschlossen und zu einem Fenster umgebaut worden.

Warten auf die Baugenehmigung

Während die Mieter in den neuen Wohnhäusern auf dem ehemaligen Rabeneick-Gelände noch in diesem Herbst einziehen können, muss für die Sanierung des Schieferhauses zunächst der Bauantrag gestellt werden. Ascan von Neumann-Cosel rechnet damit, dass der Bauantrag bis August fertig ist und bis November die Genehmigung vorliegt.

»Parallel dazu wollen wir die Arbeiten ausschreiben und wenn möglich noch im Winter mit dem Dach beginnen«, sagt Investor Kasparek. Vor der Sanierung der Fachwerkfassade muss die Statik des Gebäudes nachgebessert werden. Kasparek: »Die vordere Gebäudeecke ist etwas abgesackt. Wir wollen das mit einem Betonpolster abfangen.«

An den bereits unter Denkmalschutz stehenden Schieferfassaden sind nur kleinere Ausbesserungen notwendig. Die Fenster werden aufgearbeitet und, wenn das nicht möglich ist, nach historischem Vorbild erneuert. Georg Kasparek geht davon aus, dass er schon im Sommer 2019 das Schieferhaus als Bürogebäude vermieten kann.

Heimatpflegerin Rosemary Flöthmann zeigt sich über die Pläne sehr erfreut. Sie spricht von einer »super Lösung« und lobt den Investor: »Ich finde toll, dass Sie Neues schaffen und das Alte erhalten«. Auch Abteilungsleiter von Neumann-Cosel spricht von einem »guten Kompromiss« und sagt weiter: »Die Perle ist gesichert und einer neuen Nutzung zugeführt. Wenn wir das öfter hätten, wäre Bielefeld reicher.«

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