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Bielefelder Ehepaar mit vier Kindern will eines der früheren Briten-Häuser in Sieker mieten, fühlt sich aber „abgewimmelt“

Familie sucht dringend neues Heim

Bielefeld

Die Enttäuschung ist der Familie F. anzumerken. „Für uns war das wie der letzte Strohhalm“, sagt die Mutter (38). Mit ihrem Mann und den vier Kindern hatte sie sich für eines der Häuser in der ehemaligen Briten-Siedlung oberhalb des Lipper Hellwegs in Sieker interessiert.

Hendrik Uffmann

Die ehemalige Briten-Siedlung oberhalb des Lipper Hellwegs: Aufgrund der Corona-Schutzauflagen gibt es dort laut BImA derzeit keine Foto: Thomas F. Starke

Doch bei der Vermietung durch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) kam die Familie nicht zum Zuge. Dies habe aber keinesfalls etwas mit der Kinderzahl oder mit dem Migrationshintergrund der Familie F. zu tun, betont BImA-Sprecher Thorsten Grützner.

Bereits seit Jahren suche sie mit ihrer Familie nach einem neuen Zuhause, erklärt die Mutter. „Doch als sechsköpfige Familie mit Migrationshintergrund haben wir auf dem privaten Markt keine Chance“, sagt die 38-Jährige. Zumal das Budget begrenzt sei. „Eine Kaltmiete von 1500 Euro im Monat können wir uns einfach nicht leisten.“ So lebe sie mit ihrem Mann (39) und den vier Kindern, 13, 11, 9 und 3 Jahre alt, seit zwölf Jahren in einer 82 Quadratmeter großen Drei-Zimmer-Wohnung.

Als sie davon hörte, dass die Häuser in der ehemaligen Briten-Siedlung in Sieker vermietet werden, stellte die 38-Jährige vor gute einem halben Jahr einen Mietinteressenten-Antrag bei der BImA. „Denn die Häuser sollen vor allem an sozial schwache Familien vermietet werden“, so die Mutter.

Von Seiten der BImA sei sie bei Nachfragen am Telefon immer wieder „abgewimmelt“ worden. „Unter anderem damit, dass die Häuser noch nicht ausgeschrieben seien und dass für uns ohnehin nur zwei Häuser in Frage kämen, da diese für Großfamilien vorgesehen seien.“

Die 38-jährige Mutter

Mittlerweile habe sie jedoch erfahren, dass eines der Häuser von einer anderen Familie bezogen worden sei, die ein Kind habe und die demnächst ein zweites erwarte. „Wir würden auch eines der kleineren Häuser nehmen, da dies unsere derzeitige Lebenssituation deutlich verbessern würde“, erklärt die 38-Jährige.

Insgesamt gebe es 97 Objekte, erklärt Thorsten Grützner. Der überwiegende Teil der Häuser habe eine Wohnfläche von etwa 70 Quadratmetern, 13 Objekte verfügen über Wohnflächen von etwa 140 Quadratmetern.

Aktuell vermietet seien 65 Häuser. „Die restlichen Wohnimmobilien sind derzeit nicht vermietet und werden aktuell auch nicht angeboten, da die BImA bei diesen derzeit eine technische Bestandsaufnahme durchführt, die noch nicht abgeschlossen ist“, so der BImA-Sprecher.

Vorrang bei den Häusern und Wohnungen, die die BImA verwaltet, hätten zunächst Bundesbedienstete. Wenn es jedoch mehr Objekte gebe als von diesen benötigt werden, würden die Häuser auch anderweitig vergeben. „Dies ist in Bielefeld der Fall, weil es hier längst nicht so viele Bundesbedienstete gibt. In Berlin oder Köln ist die Situation ganz anders“, sagt Grützner.

Für die Wohnungen in Bielefeld seien aktuell alle Wohnungsinteressenten willkommen, eine positive Bonitätsauskunft vorausgesetzt. Bei der Bewerberauswahl berücksichtige die BImA besonders unter anderem auch soziale Aspekte, etwa Familien mit Kindern.

Dass in der vorvergangenen Woche eine Familie in in eines der Häuser an der Sven-Hedin-Straße eingezogen sei, das auch der Familie F. genannt worden sei, liege daran, dass es sich um einen Wohnungstausch handele. Thorsten Grützner: „Die Familie eines BImA-Mieters suchte aus sozialen Gründen dringend eine größere Wohnung. Um dieser Familie zu helfen, hat die BImA ihnen das Objekt an der Sven-Hedin-Straße angeboten, zumal sie bereits einen Nachmieter für die bisherige Wohnung benennen konnte.“

Dass der Familie F. kein anders Haus angeboten worden sei, liege auch an den Corona-Schutzauflagen. „Seit Herbst vergangenen Jahres führt die BImA keine Vermietungen durch, weil auch keine Besichtigungstermine möglich sind“, erklärt Thorsten Grützner.

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