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Gewalt zwischen Beamten und Fans nach DSC-Auswärtsspiel

Fan-Projekt kritisiert Polizei in Bochum

Bielefeld (WB). Das Bielefelder Fan-Projekt übt massive Kritik am Polizeieinsatz nach dem Spiel von Arminia in Bochum . Das Projekt spricht von »unverantwortlichem Verhalten« auf Seiten der Beamten.

Hendrik Uffmann

Symbolbild. Foto: dpa

Zwei Beamte erlitten Prellungen am Oberkörper, drei Fans im Alter von 19, 20 und 27 Jahren wurden vorläufig festgenommen. Während die Polizei von aggressiven Fans und Gewalttätern spricht, übt Ole Wolff vom Bielefelder Fan-Projekt massive Kritik am Polizeieinsatz und spricht von »unverantwortlichem Verhalten« auf Seiten der Beamten.

Nach Angaben der Bundespolizei war die Zug-Anreise von knapp 1400 DSC-Anhänger noch friedlich verlaufen. Nach Ende des Spiels sei es jedoch zu den Übergriffen gegen die Beamten der Bundespolizei gekommen, so die Bundespolizeidirektion Sankt Augustin.

Mit Schlagstöcken zur Wehr gesetzt

Begonnen haben die Auseinandersetzungen demnach, als die Polizisten in Personentunnel am Bochumer Hauptbahnhof einen Bielefelder Fan überprüfen wollten. Daraufhin hätten sich etwa 50 Arminia-Anhänger mit dem Betroffenen solidarisiert und die Beamten mit Flaschen, Dosen und anderen Gegenständen beworfen. Diese hätten sich mit Schlagstöcken zur Wehr gesetzt.

Anschließend versuchten nach Polizeiangaben weitere 50 Fans, in den Personentunnel zu stürmen. Als die Beamten dies verhindern wollten, wurden sie ebenfalls angegriffen. Dabei wurden zwei der Bundespolizisten am Oberkörper verletzt.

Nur kurz darauf, so die Bundespolizeidirektion, hätten die Beamten gegen 16.30 Uhr die Personalien eines DSC-Fans feststellen wollen, der die Polizisten beleidigt hatte. Abermals seien daraufhin andere Fans auf die Polizisten losgegangen, so dass diese erneut ihre Schlagstöcke einsetzten. Ein Tatverdächtiger wurde dabei festgenommen. Nach den Vorfällen leitete die Bundespolizei zahlreiche Ermittlungsverfahren wegen Hausfriedensbruchs, Beleidigung, Körperverletzung, Widerstands und Landfriedensbruchs ein.

Wolff: Auf Unbeteiligte eingeschlagen

Laut Ole Wolff, der seit 16 Jahren im Fan-Projekt aktiv ist und am Sonntag selbst vor Ort war, haben die Probleme jedoch schon vor dem Bahnhof begonnen, als der Marsch der DSC-Anhänger an einem Kiosk vorbeigeleitet wurde der bekannt dafür sei, dass es dort Provokationen durch Bochum-Fans gebe.

»Dabei ist es 50 Bochum-Fans gelungen, mitten in die Bielefelder Gruppe vorzudringen. Die Einsatzhundertschaft der Landespolizei ist dann mit Schlagstöcken dazwischen gegangen und hat auf alle eingeschlagen, auch auf Unbeteiligte«, so Wolff. Dabei habe es auch Verletzte gegeben. Für viele der unerfahrenen und zum Teil minderjährigen Fans sei dies »angsteinflößend« gewesen.«

In dem Bahnhofstunnel habe die Bundespolizei dann die Personalien eines Fans aus der Aktiven-Szene kontrolliert. »Warum ausgerechnet er kontrolliert wurde, ist uns allen ein Rätsel«, so Wolff. Dies habe die Stimmung weiter angeheizt. Außerdem sei die Verstärkung der Polizei in breiter Front durch den engen Tunnel gelaufen, so dass auch unbeteiligte Fans »über den Haufen gerannt« worden seien.

Wolff: »Einsatz verliert Verhältnismäßigkeit«

Vor allem aber kritisiert Wolff die Polizeimaßnahmen anschließend direkt am Bahnsteig. »Spätestens hier verliert der Polizeieinsatz seine Verhältnismäßigkeit völlig«, sagt Wolff. Denn aufgrund einer Beleidigung eines Beamten hätten die Personalien eines Fans festgestellt werden sollen.

»Hätte es eine Straftat gegeben, wäre es etwas anderes. Aber Beleidigungen hat es die ganze Zeit auf beiden Seiten gegeben. Es gab große Spannungen auf dem Bahnsteig und es war klar, dass es nur einen Funken braucht«.

Fan auf Gleise geraten?

Durch den Einsatz der Polizisten mit Schlagstöcken auf dem an dieser Stelle etwa drei Meter breiten Bahnsteig, so Wolff, sei es zu einer gefährlichen Situation gekommen. Dominic Ionescu, ebenfalls hauptamtlicher Mitarbeiter des Fan-Projekts, war auch vor Ort und sagt: »Ich habe gesehen, wie ein Fan auf die Gleise geraten ist.«

Außerdem kritisiert Ole Wolff, dass diese Situation in der Pressemeldung der Bundespolizei über die Ereignisse nicht vorkomme. »Diese blendet so viele Dinge aus, dass man Widerspruch erheben muss.«

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