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Legale Graffiti im Auftrag – Motive sollen Schmierereien vorbeugen

Farbenfroher Tunnelblick

Bielefeld (WB). Passanten durchqueren ihn gemeinhin schnellen Schrittes – den Fußgängertunnel, der vom Albrecht-Delius-Weg unter den Bahngleisen und dem Ostwestfalendamm zur Hochstraße /Wertherstraße führt. Seit einigen Tagen allerdings nehmen sie sich zumindest an den beiden Zugangsbereichen Zeit. Denn dort hat der Graffiti-Künstler Denis Kelle mit Pinsel, Spraydosen und Farbrollen »Durchblicke« in eine ideal-natürliche Welt geschaffen.

Burgit Hörttrich

Georg Schöttmer (von links), Thomas Niekamp, Tim Diekhöner und Stefan Hellwig vor einem der neu gestalteten Zugänge zum Tunnel zwischen Hochstraße und Albrecht-Delius-Weg: Denis Kelle hat die Wände im Stadt-Auftrag gestaltet. Foto: Thomas F. Starke

Auftraggeber war der Verein »Stadtklar«, der dem »Angstraum Tunnel« ein einladenderes Bild verpassen wollte – folgen solle auch noch eine hellere Beleuchtung, sagt Georg Schöttmer (Amt für Verkehr): »Ist in Planung.« Der eigentliche Tunnelgang, dereinst in Hellblau gestrichen, strotzt vor Farbschmierereien.

Um die zu verhindern, unterstütze der Verein »Stadtklar«, so Thomas Niekamp als Vorstandsmitglied, »legale Graffiti-Projekte«. Man bringe Künstler und Hausbesitzer, die ihre Fassade gestalten lassen wollen, zusammen, vergebe selbst Graffiti-Aufträge und investiere dafür rund 10.000 Euro pro Jahr, berate und – eines der Hauptaufgabengebiete von »Stadtklar« – reinige farbverschmierte Wände professionell.

Weniger Schmierereien an öffentlichen Gebäuden

Dafür sind Stefan Hellwig und Tim Diekhöner zuständig. Die beiden schätzen, dass pro Jahr zwischen 3000 und 4000 Quadratmeter Fläche von Farbschmierereien und sogenannten Tags gereinigt würden. Aber zumindest an öffentlichen Gebäuden sei ein Rückgang zu verzeichnen, so Niekamp, der auch die Geschäftsführung des Sozial- und Kriminalpräventiven Rates hat und im Büro für Integrierte Sozialplanung und Prävention tätig ist.

Sein Rat an Hausbesitzer, die von Farbschmierereien betroffen sind: schnell entfernen (lassen), Anzeige erstatten und darauf bestehen, über den jeweiligen Stand des Ermittlungsverfahrens in Kenntnis gesetzt zu werden. Niekamp räumt allerdings ein: »Die Aufklärungsquote ist gering.«

Er freue sich darüber, dass es in Zukunft entlang der Mindener Straße Wände geben solle, an denen Graffiti-Künstler legal sprayen könnte. Niekamp: »Es fehlen einfach Möglichkeiten, legal zu üben.« Er setzt auf ein Projekt, das an den Carl-Severing-Berufskollegs umgesetzt werden soll:  Dort sei ab 2020 eine Mauer geplant, auf der Sprayer zur Probe aktiv werden könnten.

Georg Schöttmer sagt, dass unter anderem auch Projekte betreut würden, in die Schulen oder Kitas mit eingebunden seien, und nennt als Beispiele das Regenrückhaltebecken an der Sudbrackstraße oder die Laborschule. Künstlerisch gestaltete Mauern seien auch eine Maßnahme zur Vorbeugung. Niekamp ist überzeugt: »Gut gestaltete Wände werden nicht von anderen Sprayern einfach verunstaltet.«

Rundfenster mit Blick ins Grüne

Der gut 60 Meter lange Tunnel zwischen Albrecht-Delius-Weg und Hochstraße sei, so Schöttmer, in der ersten Hälfte vor dem Ersten Weltkrieg als Ersatz für einen Bahnübergang an derselben Stelle gebaut worden; dieses Teilstück sei immer noch im Eigentum der Deutschen Bahn AG, die Unterhaltung aber sei Sache der Stadt. Die Verlängerung unter dem Ostwestfalendamm sei kommunales Eigentum.

Aktuell werde der Fußgängertunnel besonders rege frequentiert. Schöttmer: »Er ist wegen der Sperrung der Unterführung Von-der-Recke-Straße die kürzeste Verbindung zwischen Altstadt und Wertherstraße.«

Denis Kelle, der unter anderem auch die Fassaden des Lokals »Heimat + Hafen« und die eines Hauses in der Mittelstraße gestaltet hat und von Beruf Pädagoge ist, hat an den Tunneleingängen die Illusion von Rundfenstern geschaffen, durch die der Blick ins Grüne geht.

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