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Tödlicher Unfall Detmolder Straße: Ermittlungen beendet – Kritik an Stadt und Polizei

Fast doppelt so schnell wie erlaubt

Bielefeld  (WB). Die Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft nach dem schweren Verkehrsunfall vom 20. Oktober auf der Detmolder mit zwei toten 16-Jährigen und fünf zum Teil lebensgefährlich verletzten Autoinsassen sind abgeschlossen. Der Verdacht gegen den Fahrer (36) des Unfallwagens, sich der fahrlässigen Tötung an zwei Familienmitgliedern schuldig gemacht zu haben, soll sich erhärtet haben.

Jens Heinze

Die Großraumlimousine wurde beim tödlichen Unfall am 20. Oktober 2019 auf der Detmolder Straße völlig zerstört. Foto: Hendrik Uffmann

Demnach geht es um menschliches Versagen im Straßenverkehr. Der 36-jährige Bielefelder am Steuer einer siebensitzigen Großraumlimousine soll auf dem Rückweg von einer Hochzeit mit Tempo 90 statt den erlaubten 50 km/h über die Detmolder Straße gerast sein. Das geht nach WESTFALEN-BLATT-Informationen aus dem Unfallgutachten hervor.

Die ermittelnde Staatsanwältin Claudia Bosse bestätigte auf Anfrage dieser Zeitung, dass der Autofahrer deutlich zu schnell gefahren sein soll. Auf regennasser Fahrbahn verlor der Mann die Kontrolle über das Auto. Der Siebensitzer krachte gegenüber der Einmündung zur Teutoburger Straße stadtauswärts frontal vor die Steinmauer eines Vorgartens und vor einen Ampelmast.

Kritik von Bürgerinitiative

Unterdessen kritisiert die Bürgerinitiative „Sichere Detmolder Straße“ , dass auch drei Monate nach dem schweren Unfall auf der Detmolder Straße noch immer keine Konsequenzen gezogen worden seien. Die Polizei habe trotz mehrerer Anfragen immer noch nicht die Unfallursachen mitgeteilt, so der Vorwurf.

Die Bürgerinitiative bemängelt, dass auf der Detmolder Straße gerade nachts Fahrzeuge mit einer Geschwindigkeit von 100 Kilometern in der Stunde und mehr gemessen würden. „Regelmäßige Überschreitungen der zulässigen Höchstgeschwindigkeiten werden von der Polizei nicht nur auf der Detmolder Straße, sondern auch auf anderen Bielefelder Straßen beobachtet, ohne dass zur Vorbeugung und Verhinderung solcher Geschwindigkeitsüberschreitungen geeignete Maßnahmen umgesetzt werden,“ heißt es.

„Solche Unfälle müssen für die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer bereits im Ansatz verhindert werden. Derartige Extremgeschwindigkeiten zeigen, dass die Kontrollen völlig unzureichend sind. Die Verkehrsteilnehmer, insbesondere die Radfahrer auf der Detmolder Straße, müssen sich darauf verlassen können, dass die zulässige Geschwindigkeit eingehalten wird”, fordert Rita Stuke im Namen der Bürgerinitiative „Sichere Detmolder Straße“.

„Null Verkehrstote/Vision Zero”

Der Stadtrat habe vergangenes Jahr die Mobilitätsstrategie beschlossen. Eines der Leitziele: „Null Verkehrstote/Vision Zero”. Voraussetzungen dazu seien, dass die zulässige Höchstgeschwindigkeit strikt eingehalten oder, falls für mehr Sicherheit erforderlich, herabgesetzt werde. Die Bürger könnten wegen des enormen Gefahrenrisikos einen stärkeren Einsatz von Ordnungsamt und Polizei erwarten, schreibt die Initiative „Sichere Detmolder Straße“.

Das Ordnungsamt setzte nach der tödlichen Karambolage vom Oktober mehrfach den teilstationären Blitzer „Bernhard“ an der Unfallstelle ein. Die Tempoverstöße hätten im normalen Bereich gelegen, hieß es anschließend vom Amt. Stefanie Wrede von der Geschäftsführung der Unfallkommission (Stadt, Polizei, Bezirksregierung, Straßen NRW) sagte, dass es aktuell auf der Detmolder Straße keine Unfallhäufungsstelle gebe.

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