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Weihnachten um 1850 – wie es im heutigen Bauernhausmuseum gewesen sein könnte

Feiern mit dem Gesinde oder in der „kalten Pracht“

Bielefeld

Eines sei sicher, betont Dr. Lutz Volmer, Leiter des Bielefelder Bauernhausmuseums, „Gerda und Gundula werden das Fest überleben.“ Gerda und Gundula sind die Gänse, die im Bauernhausmuseum leben und die eben nicht zu Weihnachtsbraten werden.

Burgit Hörttrich

Wie Weihnachten um 1850 auf dem Bauernhof gefeiert wurde – Dr. Lutz Volmer, Leiter des Bauernhausmuseums, sagt, dass die historischen Quellen aus jener Zeit eher dürftig seien. Man habe am Fest aber nach Möglichkeit gut gegessen und die Arbeit so weit wie möglich ruhen lassen – bis auf das Spinnen vielleicht. Foto: Thomas F. Starke

Ob es um 1850 – der Zeit, die das Bauernhausmuseum in seinen Häusern widerspiegelt –tatsächlich Gänsebraten zum Fest auf einem Hof gegeben habe, wisse er nicht, sagt Volmer, aber: „Es wurde besser gegessen als sonst.“ Es habe wohl einen gemeinsamen Tisch für die Bauernfamilie und das Gesinde gegeben und an den Weihnachtstagen sei auch nur „das Nötigste“ gearbeitet worden.

Auf großen, reichen Höfen sei von der Familie aber wohl auch die „kalte Pracht“, die beste Stube, zu Weihnachten geöffnet worden – und Geschenke habe es allenfalls für die Kinder gegeben: „Vor allem zum Beispiel Pfeffernüsse, Zuckerwerk, Äpfel, vielleicht auch Spielzeug.“

Um 1800 herum habe die Mode eingesetzt, einen Tannenbaum in die Wohnstube zu holen. „Zunächst“, vermutet Volmer, „zunächst aber nur in der Stadt, in bürgerlichen, wohlhabenden Familien.“ Geschmückt worden seien die Weihnachtsbäume mit Nüssen, Lebkuchen, Äpfeln – und spätestens am 6. Januar zum Dreikönigstag „geplündert“ und abgebaut worden. Bereits im frühen 20. Jahrhundert seien die Weihnachtsbäume mit Lametta und vor allem vielen Kerzen geschmückt worden. Wachskerzen seien teuer gewesen, erst dank des Ersatzstoffes Stearin erschwinglich geworden. Vermutlich habe es auch auf Bauernhöfen Weihnachtsbäume gegeben. Aber: „Es gibt aus jener Zeit kaum historisch verbürgte Quellen über das Weihnachtsfest.“ Detaillierte, schriftliche Erinnerungen gebe es frühestens von Festtagen im 20. Jahrhundert.

Das wichtigste Weihnachtsrequisit sei die Krippe gewesen, sagt Volmer: „Und zwar nicht nur die in den Kirchen. Vor allem katholische Familien hatten eine Krippe auch daheim.“ Der Kirchgang selbst sei selbstverständliche Tradition gewesen. Dass die Bescherung am 24. Dezember stattfindet, sei in Deutschland erst nach Ende des Ersten Weltkrieges eingeführt worden, erläutert der Historiker: „Vorher gab es die Geschenke, wie es heute zum Beispiel noch in Großbritannien oder den USA üblich ist, am Morgen des ersten Weihnachtsfeiertages.“ Die Begründung für die Verlegung vor rund 100 Jahren kennt Lutz Volmer auch: „Es hieß, die Kinder würden in der Nacht vor der Bescherung schlecht oder gar nicht schlafen, deshalb sollte Bescherung bereits Heiligabend sein.“

Wer genau die Geschenke gebracht hat – Glaubenssache. Das Christkind sei von Martin Luther als Gabenbringer ins Spiel gebracht worden, der Weihnachtsmann wird zum ersten Mal in dem Lied von Hoffmann von Fallersleben von 1835 benannt: „Morgen kommt der Weihnachtsmann“. Vermutlich seien die Kinder schon Wochen vor dem Weihnachtsfest dazu aufgefordert worden, „artig“ zu sein, so Volmer: „So wie heute auch.“

Regelrecht weihnachtliche Exponate gebe es im Bauernhausmuseum nicht. Volmer: „Wir haben einen Schlitten – das ist alles.“

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