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47-jähriger Bielefelder muss acht Jahre in Haft

Feuer in Mehrfamilienhaus gelegt

Bielefeld (WB). Nach dem ­Feuer in einem Mehrfamilienhaus in Altenhagen muss ein 47-jähriger Sozialhilfeempfänger für acht Jahre ins Gefängnis. Die Richter der 10. Großen Strafkammer verurteilten den Jordanier wegen besonders schwerer Brandstiftung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung. Die Staatsanwaltschaft hatte neun Jahre Haft für den Angeklagten gefordert, die Verteidigung plädierte auf fünf Jahre.

Michael Delker

Zum Prozessauftakt Anfang Mai versteckt der Angeklagte sein Gesicht hinter einem Aktendeckel. Am Dienstag ist das Urteil gefallen – der Mann muss acht Jahre ins Gefängnis. Foto: Thomas F. Starke

Der Mann ist verantwortlich für einen der dramatischten Feuerwehreinsätze des vergangenen Jahres. In den Mittagsstunden des 21. Oktober brach in dem Sechs-Parteien-Haus am Moenkamp in Altenhagen gleich an mehreren Stellen Feuer aus, sowohl in der Wohnung des Angeklagten als auch im Keller.

Während sich die vier Nachbarn aus dem Erdgeschoss über ihre Terrassen ins Freie retten konnten, wurden fünf Nachbarn, darunter ein Kleinkind und eine Jugendliche, im zweiten Obergeschoss des dreistöckigen Gebäudes hilflos eingeschlossen. Rauch und Qualm im Treppenhaus versperrten ihnen den Fluchtweg. Das ältere der beiden Kinder erlitt bei einem vergeblichen Fluchtversuch eine Rauchgasvergiftung und musste stationär im Krankenhaus behandelt werden. Noch während der laufenden Löscharbeiten hatten Polizisten den 47-jährigen Mieter des Brandhauses festgenommen.

Angeklagter weist die Schuld seinem Bruder zu

Während der Gerichtsverhandlung hatte der 47-Jährige die Vorwürfe abgestritten und die Schuld seinem Bruder zugewiesen. Zwischen beiden soll es zuvor heftigen Streit gegeben haben. Die Auswertung der Mobilfunkdaten ergab jedoch, dass der Bruder die Brandstiftung nicht ausgeführt haben kann. Außerdem, so Gerichtssprecher Guiskard Eisenberg, sei der Angeklagte im Keller des Hauses gesehen worden.

Im Rahmen einer „depressiven Episode“ habe es sich wohl um eine Spontantat gehandelt. Im Herbst des vergangenen Jahres häuften sich vor dem Jordanier die Probleme. Er sollte aus seiner Wohnung raus. Frau und Kind hatten ihn verlassen. Hinzu kam der Streit mit seinem Bruder.

Einen Tötungsvorsatz konnten die Richter dem Angeklagten nicht nachweisen. Zwar hatte der Mann zuvor Todesdrohungen ausgestoßen, doch bei diesen Äußerungen könnte es sich auch um Kraftmeierei gehandelt haben. Hinzu kommt, dass die Brandlegung recht stümperhaft ausgeführt wurde. So gab es im Keller keine ausreichende Sauerstoffzufuhr, damit sich das Feuer ausbreiten konnte. In den Wohnungen funktionierten die Brandmelder und verursachten laut Eisenberg einen „Höllenlärm“, so dass die Mitbewohner gewarnt werden konnten.

Trotz der „depressiven Episode“ im vergangenen Oktober ist der 47-Jährige nach Auffassung des Schwurgerichts voll schuldfähig. Bei dem Feuer in Altenhagen entstand hoher Sachschaden, immerhin 127.000 Euro.

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