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FH Bielefeld arbeitet mit anderen Hochschulen und der jüdischen Gemeinde in Berlin zusammen

Forschungsprojekt gegen Judenhass im Netz

Bielefeld

Antisemitische Hassrede nimmt insbesondere in den sozialen Medien zu – oft anonym. Wie sollen junge Menschen damit umgehen? Diese Frage steht im Fokus des Forschungsprojekts „Respond!“, das gemeinsam von der Fachhochschule (FH) Bielefeld, der Universität Potsdam und dem Touro College Berlin ins Leben gerufen wurde.

Projektleiterin Prof. Dr. Gudrun Dobslaw, wissenschaftliche Mitarbeiterin Justine Kohl und der Dekan des Fachbereichs Sozialwesen, Prof. Dr. Michael Stricker, wollen mit dem Projekt “Respond!“ Antisemitismus im Internet bekämpfen. Foto: Felix Hüffelmann / FH Bielefeld

Im Kern des Projekts geht es um die Entwicklung eines Trainings zur Bekämpfung antisemitischer Hassrede in sozialen Medien. Trainiert werden sollen 600 Schülerinnen und Schüler sowie 600 Lehrkräfte. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit insgesamt rund 1,2 Millionen Euro über eine Laufzeit von vier Jahren gefördert.

In dem wissenschaftlichen Team arbeiten Antisemitismusforscher, Medien- und Kulturpsychologinnen mit Fachleuten aus der Inklusionspädagogik, der Linguistik, der Rassismusprävention und dem Sozialwesen zusammen. Sie kooperieren engmaschig mit der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, der größten jüdischen Gemeinde Deutschlands.

Medienkritische Reaktionen einüben

Das Expertenteam möchte vor allem junge Leute in die Lage versetzen, antisemitische Hassrede in sozialen Medien auch in subtileren Erscheinungsformen zu erkennen und medienkompetent auf sie zu reagieren. „Wir wollen eine nachhaltige Gegenstimme junger Menschen zur Bekämpfung von Judenhass im deutschsprachigen Netz verbreiten“, erklärt Prof. Dr. Gudrun Dobslaw, die den Part der FH Bielefeld leitet. Dobslaw ist Professorin für Psychosoziale Intervention und Beratung am Fachbereich Sozialwesen. Sie ist federführend für das Teilprojekt „Respond! interaktiv und intersektional“ zuständig: Zunächst will sie gemeinsam mit Justine Kohl, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt, anhand linguistischer Methoden judenfeindliche Interaktionsverläufe auf einigen der relevantesten Social-Media-Plattformen, die von jungen Menschen in Deutschland genutzt werden, analysieren. Facebook, Instagram, Snapchat und YouTube stehen dabei im Fokus. Außerdem möchten sie herausfinden, wie anfällig junge Menschen in Deutschland für antisemitische Hassrede sind und inwiefern sie fähig sind, medienkritisch darauf zu reagieren.

Es besteht Forschungsbedarf

Dobslaw erläutert, warum hier Forschungsbedarf besteht: „Die internationale Forschung hat bisher insbesondere islamophobe Formen der Hassrede systematisch untersucht. Antisemitischen Online-Diskursen wurde weniger Beachtung geschenkt. Wobei beide Themen insgesamt weniger Aufmerksamkeit erhalten als das Thema Cybermobbing bei Jugendlichen.“ Zahlreiche Wissenschaftler würden zwar auf potenzielle Gefahren der Allgegenwärtigkeit von Online-Hassrede hinweisen, weiß Dobslaw. „Untersuchungen zu den Personengruppen, die diese Materialien sehen oder hören, gibt es jedoch nur wenige“, so die Professorin. „Wir möchten daher herausfinden, wie Hassrede auf die Nutzerinnen und Nutzer wirkt“, sagt Dobslaw. In diesem ersten Teilvorhaben wird antisemitische Hassrhetorik in Beiträgen oder Kommentaren auf den jeweiligen Plattformen mit qualitativen Methoden analysiert und ausgewertet. Zudem sollen Fokusgruppeninterviews mit betroffenen und nicht-betroffenen Jugendlichen geführt werden.

In einem nächsten Schritt sollen dann Trainings zur Stärkung von Medienkompetenz im Umgang mit antisemitischer Hassrede in sozialen Medien entwickelt und umgesetzt werden.

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